Geschrieben am 18. Juni 2008 von KPBaumgardt
Der Bandscheibenblog streut mal wieder Links aus 😉 . Unter anderem einen zu „Diagnose: Mensch„, einem Blog, das fröhlich behauptet:
„Sie glauben, sie seien gesund? Vergessen Sie’s! Sie ernähren sich falsch. Sie schlucken die verkehrten Pillen. Sie schlafen zu lang oder zu kurz. Sie bewegen sich nicht richtig. Sie sind ein Mensch. Nur dieses Blog kann Ihnen helfen.“
Prima! Wir haben doch keine Angst vor Gesundheitserziehung!
Zum Thema:
Eine Studie des Berliner Koch-Instituts besagt, die Zahl der übergewichtigen 3- bis 17-Jährigen sei stark auf zuletzt 1,9 Millionen angestiegen, 800 000 davon seien demnach sogar fettsüchtig, (und in den kommenden Jahren solle alles noch dramatischer werden, wenn sich nichts tut).
Die BMI-Perzentile 2003-2006 (durchgezogene Linie) im Vergleich zu den Referenzdaten von 1985-1999 (gestrichelte Linie):

Verlassen wir hier diesen statistischen „Survey“ (Abriss, Aufnahme Befragung, Begutachtung, Besichtigung, Bestandsaufnahme, Erfassung, Erhebung, Marktforschung, Gutachten, usw.).
Den methodischen Fehler, der die Aussagekraft der Kurven widerlegt, kann ich hier nicht sehen. Interessant wird ja erst die Interpretation; und verschiedene Interpretationen sollten sich widersprechen.
Die Referenzgruppen sind möglicherweise nicht repräsentativ, und der BMI vergleicht schmale mit breiten Kindern, ohne zu besagen, wo das Fett sitzt.
Vielleicht wäre die Waist to Hip Ratio bzw. der Taillen-zu-Hüft Quotient aussagekräftiger als der BMI, vielleicht sind hierzulande nicht 800.000, sondern 80.000 Kinder mehr oder weniger fettsüchtig.
Wahrscheinlich werden aus dicken Kindern dicke Erwachsene, die wahrscheinlicher kränker sein werden als weniger schwere Fälle.
Die Plattform Ernährung und Bewegung hat nichts geändert, das „5-Punkte-Programm“ von 2007 auch nicht, die Regierung betreibt nicht mehr Propaganda, sondern Unternehmenskommunikation, findet stets die richtigen Worte, aber nicht die richtigen Massnahmen.
Das wären, wenn die Zahlen stimmen, neben einigen Eckpunkten rund 800.000 Einzelmaßnahmen.
Nicht bei den Diäten, aber da, wo es darauf ankommt, vertraut Berlin auf die Homöopathie – vielleicht liegt da der methodische Fehler, den die ZEIT gesucht hat?
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