Friedensdienst und Lehrküche

Wo, wer abnehmen will, aber über einen Zeitraum keine Fortschritte macht, sich diesmal nicht in die Mutlosigkeit fallen lassen will, mag man sich mit der Parole „Dranbleiben ist Alles“ wieder ermutigen. Auch allgemein bestimmen Parolen immer unser Leben, und die Leitsprüche ändern sich. Im Abgebot sind:

  • Einigkeit und Recht und Freiheit
  • Ökobilanz, Nachhaltigkeit, Klima
  • Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit
  • Wehrdienst, Zivildienst, Ausgemustert
  • Freiheitsdienst, Gottesdienst, Altenbetreuung
  • Friede, Freude, Eierkuchen
  • Dass der läuft und läuft und und und dann schon Schrott ist.

Die militärische Wehrhaftigkeit steht hoch im Kurs, aus Bayern kam die Idee, einen halbjährigen „Freiheitsdienst“ von Männleins, Weibleins und überhaupt  Allen zu fordern, denn schon J.-F. Kennedy hatte die Parole ausgegeben: „Fragt nicht, was Euer Land für Euch tun kann, fragt, was Ihr für Euer Land tun könnt!“

„Der Freiheitsdienst ist viel mehr als der alte Wehrdienst, er zielt auf eine Gesamtverteidigung mit gesellschaftlicher Widerstandskraft.“

Bislang ist der „Freiheitsdienst“ nur eine leere Vokabel ohne Inhalt, zur „Verteidigungsbereitschaft“ gehören Soldatinnen und Soldaten, und

„Das Projekt ‚Gesellschaftsjahr‘ für alle … könnte … das gesellschaftliche Fundament stärken. Ein Pflichtjahr zwingt dazu, seine Komfortzonen zu verlassen, eröffnet aber zugleich neue Lebens- und Arbeitswelten und fördert die persönliche Reifung … “, vermutet die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG.

Wie gehabt schließt aber der „Wehrdienst“ den Sozialdienst aus, und umgekehrt, ein Deutschland der Aufklärung könnte auch den „Friedensdienst auf europäischer Ebene“ bevorzugen, „kein Sitz im Bundestag ohne abgeleistetes Gesellschaftsjahr“ ist nur eine Option.
Von der Friedens- und Konfliktforschung ist hierzu beängstigend wenig Engagement zu spüren, da kann man nichts machen, denn

„Wie Arthur Schopenhauer sagte : „Im Grunde betrachtet jeder Staat den anderen als eine Räuberbande, die ihn bei der ersten Gelegenheit überfallen wird.“

Gemeinschaftsgefühl und „Gesellschaft“ sind etwas anderes als Vaterlandsnostalgie und „Patriotismus“ – ob das Feingefühl vorhanden ist, das nötig wäre, aus einem Gesellschaftsjahr viel „Wir-Gefühl“ zu generieren, wäre noch zu klären.

Beim BürgerInnendienst von „Freiheitsdienst“ zu sprechen heißt ja, man glaube an die real existierende Freiheit, wo die eine oder andere soziologische Schule (unbewusste) Unfreiheit, unsichtbare Ketten entdeckt hat.

„Dienen, damit denen, die in Not sind, geholfen wird“ ist ein hoch moralischer Ansatz, der es m. E. nicht weit bringen wird. Die Nöte sind vielfältig und größer, als unsere Wahrnehmung vorspiegelt.
In Krisenzeiten kann der Gedanke ans ausreichende, gute Essen schon Ängste mobilisieren – doch „davon spricht man nicht“, da gäbe es ja etwas zu beheben wie bei der Wohnungsnot.

 Hummus mit gebratenen Kartoffeln und Frühlingszwiebeln sowie Bohnen und Lauch aus dem Dampf mit ein wenig Tuben-Meerettich. Für den Mittelmeer-Diät-Touch finden wir sogar reichlich Olivenöl beim Hummus.

Dass die Einsamkeit in der Gesellschaft zunimmt und Singels häufiger an Depressionen leiden, war der Tagesschau einst einen ein-Minuten-Wortbeitrag wert, und sogar eine Zwischenüberschrift „Gezielte Maßnahmen gegen Einsamkeit bei Singles nötig“findet sich, und dabei soll es offenbar bleiben.

In der Politik stehen jetzt Nachrüstungsprobleme oder Fragen der Aufrüstung, Wehretat und Zollschranken im Vordergrund, aber nicht die einfachen Nöte der einfachen Leute. Die Wirtschaft lahmt, mit Ausnahmen bei Panzerbau und der Convenience-Food-Branche.
Dabei ist die Zeitersparnis mit Fertiggerichten gar nicht so groß, und Reste verwerten statt Reste entsorgen entlastet den Etat. Mit dem Einsatz von Fast-food schwindet die Kompetenz, Eigenes und Neues zuzubereiten.
Wenn wir Natur und Umwelt entlasten wollen, bietet sich ein Befreiungsdienst an, der mit viel Geduld und besten Rezepten vom heimlichen Zwang befreit, Fleisch- und Fertiggerichte zu verzehren.
In den Schulen gibt es reichlich Fachkräfte für Projektunterricht, die hierfür freizustellen sind 😉 .

„Ein großer Teil Deutschlands will den Frieden, die Arbeit und die Ruhe. Von oben herab aber wird gerüstet.“

So konnte Tucholsky noch vor rund 100 Jahren schreiben, ohne an den Zwang zu „verpflichtendem Freiheitsdienst“ zu denken.  Da stellt sich doch auch die Frage, was die schweigende Mehrheit“ der Russen will!

Related posts:

  1. Das Groko-Kroko, solidarische Ernährungsberatung und die Eierschalen im Salat
  2. Die Progressiv-Diverse Küche
  3. Eistee, Fotos, Sterneköche Sowie Dreierlei Narzissmus
  4. Gut essen in schwierigen Zeiten
  5. Reste-Rezepte, Überproduktion, Überdruss – und der Kampf an drei Fronten

Hast Du eine Anregung, Frage, Kritik oder ein Lob? Dann
Gib doch einen Kommentar ab!
(Aber keinen Quatsch schreiben!)

Frische Kommentare

  • N. Lang: Ein sehr schöner Bericht, beim lesen beschleicht einen direkt die Lust es doch selbst...
  • Sabrina: Schön, dass du bei der Bilanz dabei bist! Mit Spirulina und Algen zu experimentieren,...
  • ClaudiaBerlin: Mit all meiner fortgeschrittenen Lebenserfahrung kann ich sagen, dass das mit den...
  • Julia: Da hast du recht, was das Fermentieren angeht, bin ich Spätzünderin 😂
  • Ulrike: Nachhaltigkeit und Produkte aus der Umgebung sind wichtig, da bin ich ganz bei dir. Alles...

Rubriken

Archive

Motivation