Friedensdienst und Lehrküche
Geschrieben am 3. April 2025 von KPBaumgardt
Wo, wer abnehmen will, aber über einen Zeitraum keine Fortschritte macht, sich diesmal nicht in die Mutlosigkeit fallen lassen will, mag man sich mit der Parole „Dranbleiben ist Alles“ wieder ermutigen. Auch allgemein bestimmen Parolen immer unser Leben, und die Leitsprüche ändern sich. Im Abgebot sind:
- Einigkeit und Recht und Freiheit
- Ökobilanz, Nachhaltigkeit, Klima
- Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit
- Wehrdienst, Zivildienst, Ausgemustert
- Freiheitsdienst, Gottesdienst, Altenbetreuung
- Friede, Freude, Eierkuchen
- Dass der läuft und läuft und und und dann schon Schrott ist.

Die militärische Wehrhaftigkeit steht hoch im Kurs, aus Bayern kam die Idee, einen halbjährigen „Freiheitsdienst“ von Männleins, Weibleins und überhaupt Allen zu fordern, denn schon J.-F. Kennedy hatte die Parole ausgegeben: „Fragt nicht, was Euer Land für Euch tun kann, fragt, was Ihr für Euer Land tun könnt!“
„Der Freiheitsdienst ist viel mehr als der alte Wehrdienst, er zielt auf eine Gesamtverteidigung mit gesellschaftlicher Widerstandskraft.“
Bislang ist der „Freiheitsdienst“ nur eine leere Vokabel ohne Inhalt, zur „Verteidigungsbereitschaft“ gehören Soldatinnen und Soldaten, und
„Das Projekt ‚Gesellschaftsjahr‘ für alle … könnte … das gesellschaftliche Fundament stärken. Ein Pflichtjahr zwingt dazu, seine Komfortzonen zu verlassen, eröffnet aber zugleich neue Lebens- und Arbeitswelten und fördert die persönliche Reifung … “, vermutet die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG.
Wie
gehabt schließt aber der „Wehrdienst“ den Sozialdienst aus, und
umgekehrt, ein Deutschland der Aufklärung könnte auch den
„Friedensdienst auf europäischer Ebene“ bevorzugen, „kein Sitz im
Bundestag ohne abgeleistetes Gesellschaftsjahr“ ist nur eine Option.
Von der Friedens- und Konfliktforschung ist hierzu beängstigend wenig Engagement zu spüren, da kann man nichts machen, denn
„Wie Arthur Schopenhauer sagte : „Im Grunde betrachtet jeder Staat den anderen als eine Räuberbande, die ihn bei der ersten Gelegenheit überfallen wird.“
Gemeinschaftsgefühl und „Gesellschaft“ sind etwas anderes als Vaterlandsnostalgie und „Patriotismus“ – ob das Feingefühl vorhanden ist, das nötig wäre, aus einem Gesellschaftsjahr viel „Wir-Gefühl“ zu generieren, wäre noch zu klären.
Beim BürgerInnendienst von „Freiheitsdienst“ zu sprechen heißt ja, man glaube an die real existierende Freiheit, wo die eine oder andere soziologische Schule (unbewusste) Unfreiheit, unsichtbare Ketten entdeckt hat.
„Dienen, damit denen, die in Not sind, geholfen
wird“ ist ein hoch moralischer Ansatz, der es m. E. nicht weit bringen
wird. Die Nöte sind vielfältig und größer, als unsere Wahrnehmung
vorspiegelt.
In Krisenzeiten kann der Gedanke ans ausreichende, gute
Essen schon Ängste mobilisieren – doch „davon spricht man nicht“, da
gäbe es ja etwas zu beheben wie bei der Wohnungsnot.
Hummus mit gebratenen Kartoffeln und Frühlingszwiebeln sowie Bohnen und Lauch aus dem Dampf mit ein wenig Tuben-Meerettich. Für den Mittelmeer-Diät-Touch finden wir sogar reichlich Olivenöl beim Hummus.
Dass die Einsamkeit in der Gesellschaft zunimmt und Singels häufiger an Depressionen leiden, war der Tagesschau einst einen ein-Minuten-Wortbeitrag wert, und sogar eine Zwischenüberschrift „Gezielte Maßnahmen gegen Einsamkeit bei Singles nötig“findet sich, und dabei soll es offenbar bleiben.
In der Politik stehen jetzt
Nachrüstungsprobleme oder Fragen der Aufrüstung, Wehretat und
Zollschranken im Vordergrund, aber nicht die einfachen Nöte der
einfachen Leute. Die Wirtschaft lahmt, mit Ausnahmen bei Panzerbau und
der Convenience-Food-Branche.
Dabei ist die Zeitersparnis mit
Fertiggerichten gar nicht so groß, und Reste verwerten statt Reste
entsorgen entlastet den Etat. Mit dem Einsatz von Fast-food schwindet
die Kompetenz, Eigenes und Neues zuzubereiten.
Wenn wir Natur und
Umwelt entlasten wollen, bietet sich ein Befreiungsdienst an, der mit
viel Geduld und besten Rezepten vom heimlichen Zwang befreit, Fleisch-
und Fertiggerichte zu verzehren.
In den Schulen gibt es reichlich Fachkräfte für Projektunterricht, die hierfür freizustellen sind 😉 .
„Ein großer Teil Deutschlands will den Frieden, die Arbeit und die Ruhe. Von oben herab aber wird gerüstet.“
So konnte Tucholsky noch vor rund 100 Jahren schreiben, ohne an den Zwang zu „verpflichtendem Freiheitsdienst“ zu denken. Da stellt sich doch auch die Frage, was die schweigende Mehrheit“ der Russen will!
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