Beratung – Beunratung: Beispiele

„Guter Rat ist teuer“ – sagt man. Man sagt auch: „Was nichts kostet, wird nicht wertgeschätzt“. Und die herrschende Gratismentalität sorgt auch nicht direkt für einen Ausgleich, das finde ich ungerecht und unfair ;-)!Auf die Frage „Was soll ich machen“ kommt – notfalls auch ohne vorausgehende Frage – ein bestimmtes „Sie müssen unbedingt …“:

Kommt ein Mann mit einem Pinguin die Straße runter. Dort steht ein Polizist. Der Polizist fragt: „Woher haben sie den Pinguin?“ Antwortet der Mann: „Er lief mir zu.“
Antwort: „Sie müssen mit dem Pinguin unbedingt in den Zoo!“ Am nächsten Tag kommt der Mann wieder die Straße runter und der gleiche Polizist steht da. „Sie waren doch gestern mit dem Pinguin im Zoo?“ „Ja, und heute gehen wir ins Kino!“

Die Wirtschaft, mithin die Werbung, will sich auch in unser Verhalten und Tun einmischen, frei übersetzt:

„Sie müssen unbedingt, wenn Sie Nudeln kochen, ein bestimmtes, vorportioniertes „Nudelsalz“ verwenden!“

Beim Wucher-„Nudelsalz“ lohnt sich kaum ein richtiger Kommentar, mit einer Glosse ist die vorproportionierte Überflüssigkeit erledigt, und nur, wer Empört-Sein über die Lebensmittelindustrie als Geschäftsmodell fährt, macht aus der Chose einen Skandal.

„Ich habe längst schon meine zuverlässige und unverwüstliche Dosierhilfe in Gebrauch und verzichte gern auf Weitere“ – könnte man beispielsweise auch sagen und ein Foto wie aus der guten, alten Zeit dazu erstellen.

 

Die Zeitumstellung ist für Manche eine schwierige Angelegenheit, regelmäßig erhöhen sich die Zahlen der Unfälle, es entsteht eine Art unfreiwilliges Jet-Lag – und, statt diese gesellschaftliche Nichtachtung der Chronobiologie in eine Beachtung zu wandeln, sollen sich die, die nicht frühstücken, an das komische Sprichwort „Frühstücke wie ein König, …“ halten.

 

Ein „Interview zu zirkadianen Rhythmen“ wartet mit unerahnten Fremdwörtern auf, differenziert zwischen den „Eule“- und den „Lerche“-Typen, und populärwissenschaftlich könnte man noch nach dem Holz, aus dem wir jeweils geschnitzt sind, unterscheiden – z. B. „Ich bin eher der Ahorn-Typ, aus dem wertvolle Musikinstrumente gebaut werden“ usw..

Statt den LeserInnen die Gelegenheit zu eröffnen, etwas für eine gestärkte Mündigkeit zu tun, werden die MitbürgerInnen mit allerlei wohlfeilem Rat zugeschüttet:

  • »Prokrastination überwinden mit 17 Tipps«
  • 3 Stressfaktoren, die unbemerkt an deiner Gesundheit nagen – und wie du sie loswirst
  • 6 unterbewusste Angewohnheiten, die dir Energie rauben
  • Werbung
  • 5 Sätze, die du nicht zu einem ängstlichen Menschen sagen solltest
  • Diese 3 Übungen machen dich in weniger als 4 Minuten glücklicher
  • Wie das Kriegstrauma unserer Vorfahren unser Leben beeinflusst
  • Das ist der entscheidende Unterschied zwischen allein und einsam

„Unter der Hand“ mogelt sich auch der „Streuselkuchen wie bei Oma“ unter die Pscho-Tipps, denn „Dieser DDR-Klassiker ist ein echter Seelentröster„!

 

Vom Seelentröster-Food bis zum „Betthupferl“ ist es nicht weit, nicht so weit jedenfalls wie vom Hummus aus. Hier also ein sehr kleines “ Foodboard„…

 

„Persönlichkeitstests“ koexistieren mit diversen Horoskopen, und diese Bestimmung des Unbestimmten leitet über zum Folgenden:

 

Psychologie: Das ist der Unterschied zwischen einem gesunden Selbstwertgefühl und Narzissmus

„Eine Person, die ein gesundes Selbstwertgefühl hat, würde vielleicht sagen: „Ich bin gut und wertvoll“, während eine narzisstische Person sagen würde: „Ich bin etwas Besonderes“ oder „Ich bin der:die Beste hier.“ Damit stellt diese Person sich immer über andere, während ein selbstbewusster Mensch seinen eigenen Wert unabhängig von anderen erkennt.“

Allein die häufige Verwendung von Statussymbolen nährt Zweifel an der Unabhängigkeit des Selbstwertgefühls, und viele Sportstätten stünden leer ohne den Willen der Wettkämpfer, die Besten zu sein; das System funktioniert durch das Zusammenspiel von Wettkämpfern und Fans.

Weiter geht es mit mit „4 Tipps für den Umgang mit toxischen Personen“, wobei die zentrale Überschrift „Auf der Suche nach dem mentalen Gleichgewicht“ lauten könnte.

 

Narzissmus“ ist ein moderner Begriff, der auf einer alten Systematik von Göttern, Helden und Fabelwesen beruht.

Wir sollten den Ansatz des „neuen Selbstvertrauens“, der für die  Adipositas-Arbeit neulich dokumentiert wurde, beachten:

Mehrgewichtige und ihr neues Selbstvertrauen

Nicole und Sebastian sind mehrgewichtig und wollen Frieden mit dem eigenen Körper schließen. Der Film ist ein Plädoyer für Vielfalt und gegen Bodyshaming. Ihr Leben lang wurde Nicole wegen ihres Gewichts diskriminiert. Sie hat es satt, sich weiter zu verstecken. Sebastian fotografiert und zeichnet seinen nackten Körper. Weil er sich und andere damit konfrontiert, fällt es ihm leichter, sich zu akzeptieren, wie er ist. Als er zweihundert Kilo wog, ließ Sebastian Fotos von sich machen. Er wollte sie an den Kühlschrank hängen, um sich vor sich selbst zu ekeln – als Ansporn zum Abnehmen. Doch zu seiner Überraschung stellte er fest: Nein, das ist nicht eklig – das bin halt ich.

37°: Glück kennt kein Gewicht, 3-sat

Dokumagazin • D 2023 • 30 Minuten

 

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Ein Kommentar zu “Beratung – Beunratung: Beispiele”

  1. Mit all meiner fortgeschrittenen Lebenserfahrung kann ich sagen, dass das mit den „Eulen und Lerchen“ nicht stimmen kann! Nicht nur meine Erfahrung, sondern auch die meines näheren Freundeskreises zeigt: Das schwankt und ist gut beeinflussbar!

    „Frührythmus“ und „Spätrythmus“ wechseln einander ab, was natürlich nur bemerkbar ist, wenn man nicht arbeitstechnisch in einen bestimmten Rythmus gezwungen wird. Im Sommer ist frühes Aufstehen angenehm, es ist früh hell, noch recht still und nicht heiß. Aber im Winter spricht nichts wirklich dafür, im Dunklen aufzustehen, denn Licht ist ganz wesentlich nötig, um sich morgens wach zu fühlen.
    Mehr noch: ob Früh- oder Spätrythmus hängt naturgemäß sehr vom Zeitpunkt des Einschlafens ab! Wenn ich gewohnheitsmäßig den Tag mit langem TV-Gucken beende, stehe ich später auf. Hab ich dann mal ein oder zwei frühe Termine, ist das DIE Chance, wieder den Frührythmus zu etablieren. Geht dann ganz leicht…
    Und: Wer den Zeitpunkt des Einschlafens dem Aufstehen-Müssens nicht anpasse, ist keine „Eule“, sondern einfach nur trotzig und in der Folge müde!

    Das mit den Ratschlägen zum Zeitpunkt des Essens ignoriere ich mittlerweile auch komplett! Sie sind einfach zu widersprüchlich:

    -> frühstücken wie ein König (warum nochmal? Wg. Energie für die Arbeit? Daran hat’s mir nie gemangelt, auch wenn ich erst um 14 Uhr was esse!

    -> Mittags die Hauptmalzeit (Ayurveda), weil da das Verdauungsfeuer (Agni) am besten lodert!

    -> Nicht essen, wenn man keinen Hunger hat! (ja, und ich werd den Teufel tun und „frühstücken wie ein König“)

    -> nicht spät abends essen: Kommt das nicht drauf an, wann man ins Bett geht und was man bis dahin noch tut? Und: „Je weiter man in den Süden reist, desto später wird das Abendessen zubereitet. Dies ist üblicherweise zwischen 21 Uhr und 22 Uhr und kann sich an besonderen Gelegenheiten schon mal über Stunden hinziehen.“ Sind die etwa alle krank?

    Kurzum: All diese Medien, die da ratschlagen, müssen halt ständig Inhalte verarbeiten. Da kommts auf Sinn und Verstand nicht an, sondern auf potenzielle Klicks!

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