Kindliche und jugendliches Übergewicht – Verweise, Studien, Statistik, Politik

Der Bandscheibenblog streut mal wieder Links aus 😉  . Unter anderem einen zu „Diagnose: Mensch„, einem Blog, das fröhlich behauptet:

„Sie glauben, sie seien gesund? Vergessen Sie’s! Sie ernähren sich falsch. Sie schlucken die verkehrten Pillen. Sie schlafen zu lang oder zu kurz. Sie bewegen sich nicht richtig. Sie sind ein Mensch. Nur dieses Blog kann Ihnen helfen.“

Prima! Wir haben doch keine Angst vor Gesundheitserziehung!

Zum Thema:

Eine Studie des Berliner Koch-Instituts besagt, die Zahl der übergewichtigen 3- bis 17-Jährigen sei stark auf zuletzt 1,9 Millionen angestiegen, 800 000 davon seien demnach sogar fettsüchtig, (und in den kommenden Jahren solle alles noch dramatischer werden, wenn sich nichts tut).

Die BMI-Perzentile 2003-2006 (durchgezogene Linie) im Vergleich zu den Referenzdaten von 1985-1999 (gestrichelte Linie):

Verlassen wir hier diesen statistischen „Survey“ (Abriss, Aufnahme Befragung, Begutachtung, Besichtigung, Bestandsaufnahme, Erfassung, Erhebung, Marktforschung, Gutachten, usw.).

Den methodischen Fehler, der die Aussagekraft der Kurven widerlegt, kann ich hier nicht sehen. Interessant wird ja erst die Interpretation; und verschiedene Interpretationen sollten sich widersprechen.

Die Referenzgruppen sind möglicherweise nicht repräsentativ, und der BMI vergleicht schmale mit breiten Kindern, ohne zu besagen, wo das Fett sitzt.

Vielleicht wäre die Waist to Hip Ratio bzw. der Taillen-zu-Hüft Quotient aussagekräftiger als der BMI, vielleicht sind hierzulande nicht 800.000, sondern 80.000 Kinder mehr oder weniger fettsüchtig.

Wahrscheinlich werden aus dicken Kindern dicke Erwachsene, die wahrscheinlicher kränker sein werden als weniger schwere Fälle.

Die Plattform Ernährung und Bewegung hat nichts geändert, das „5-Punkte-Programm“ von 2007 auch nicht, die Regierung betreibt nicht mehr Propaganda, sondern Unternehmenskommunikation, findet stets die richtigen Worte, aber nicht die richtigen Massnahmen.

Das wären, wenn die Zahlen stimmen, neben einigen Eckpunkten rund 800.000 Einzelmaßnahmen.

Nicht bei den Diäten, aber da, wo es darauf ankommt, vertraut Berlin auf die Homöopathie – vielleicht liegt da der methodische Fehler, den die ZEIT gesucht hat?

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5 Kommentare zu “Kindliche und jugendliches Übergewicht – Verweise, Studien, Statistik, Politik”

  1. Hm, also ich verstehe die obenstehenden Grafiken nicht so richtig. Welche Perzentile werden denn da nun abgebildet?
    Und ein methodischer Kritikpunkt fällt mir spontan schon ein: Kinder werden, zumindest körperlich, immer schneller erwachsen. Und im Laufe dieses Prozesses gibt es einen Zeitraum, in dem sie relativ schnell an Gewicht, und damit auch an BMI, zulegen. Dieser Zeitraum ist individuell verschieden, hat sich aber im Laufe der vergangenen Jahre in ein immer jüngeres Alter verlagert. Wenn man also heute 14-jährige mit den 14-jährigen von vor 10 Jahren vergleicht, dann vergleicht man Äpfel mit Birnen. Schließlich hat diese Gewichtszunahme erstmal nichts mit Übergewicht zu tun, sondern nur mit dem Erwachsenwerden.

  2. Die vorhandenen Links zur Statistik und deren Erklärung habe ich alle gesetzt. Die Herrschaften beim Robert-Koch-Institut können sich nun mal nicht allgemeinverständlich ausdrücken.

    Was Deine These stützt, ist, dass die Kurven bei 6-7 Jahren auseinanderdriften; vielleicht setzt dann ein stärkerer Wachstumsschub ein, der sich auch mal im Gewicht niederschlägt.

    Aber sicherlich haben sich auch gewisse gesellschaftliche Rahmenbedingungen geändert, und der Zuckerkonsum steigt wahrscheinlich immer noch.

    Dass man bei dieser Statistik eine gewisse Streuung einrechnen sollte, habe ich ja auch angedeutet.
    Immerhin sind die Zahlen wohl besser als eine Schätzung. Dass es keine besseren Zahlen gibt – warum es immer noch Ärzte gibt, die keine funktionierende Waage in ihrer Praxis haben, wissen wir auch nicht.

    Trotzdem kennen wir die ungefähre Größenordnung des Problems.

    Das eigentliche Problem ist dabei, dass man es schleifen lässt.

  3. Es fängt schon in der Schule an! In den Pausen werden reichlich Leckereien angeboten. Die Lehrer gehen nicht auf mögliche bessere Alternativen zur Ernährung ein. Hier sollte vonseiten der Schulbehörde eine Menge getan werden.

  4. Was da stattfidet, ist schon fragwürdig. Zum Teil unqualifiziert, zum Teil sogar unhygienisch – Schulmensen z.B.
    Auch ist die Erziehung nicht gerade kindgerecht.
    Falls es mal einen Schulgarten gibt, ist der gerade, wenn es spannend wird, in den Sommerferien, „geschlossen“ und verwahrlost.
    Die Lehrer mögen dann Biologie studiert haben – das heißt natürlich nicht, dass sie von der Praxis des Gartenbaus Ahnung haben.
    Hauswirtschaft als Unterrichtsfach? Wozu? Man kann doch alles fertig kaufen…

  5. […] die o.a. Studie tatsächlich Essstörungen erfasst? Und hat Frau Schwarzer jetzt immer noch politsche […]

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