Eine Frau ohne Bäuchlein kann keine Venus sein
Geschrieben am 8. Juli 2008 von KPBaumgardt
Das nur mal als These, da das Thema „Sixpack“ ja so gerne diskutiert wird.
Und beim Diskutieren bleibt es nicht – da werden auch noch Übungsanleitungen und Trainings-Hilfsmittel, die weit über das kleine Sportstudio hinausgehen, empfohlen. Übung und Resultat, in interessanter Signal-farben-Zusammenstellung, sind hier links zu sehen.
Offenbar geht es in dieser Liga nicht mehr ganz langweilig um Abnehmen und Diät, sondern um den sportlich definierten Körper beiderlei Geschlechts.
Nehmen wir mal an, die Anfänge dieses Kults lägen bei Barbarella, dann hätte Jane Fonda zum Auslösen der Aerobic-Welle nur noch bereits gelegte Grundlagen aktivieren müssen.
Bekanntlich ist das Ideal eine Kunstfigur, (jung) und sexy, wobei die alten Ideale ja auch auf ihre Art Schönheit definierten, aber auch schon einmal Demut und Reinheit heißen konnten und das Moment des graziösen sich wohl über die Zeiten hinweg erhalten hat.
Vor einer Weile hatte man das Wort „Sixpack“ noch gar nicht gekannt und es galt ein Schönheitsideal, das noch nicht von allgegenwärtigen Werbebotschaften beeinflusst war:
Titian, Venus von Urbino, 1538
und – momentan leider unbekannt…
Das „Bäuchlein“ war offensichtlich erwünscht, galt als Zeichen reifer Weiblichkeit, und wurde gelegentlich auch schon einmal im Sinne des Mästens übertrieben.
Von Rubens gibt es die Darstellung einer sitzenden Venus, die mit Spiegel und Schönheitspflege beschäftigt ist – ein deutlicher Hinweis auf den weiblichen Narzissmus, der immer mit „Selbstbespiegelung“ verbunden ist; das ist offensichtlich eine Gesetzmäßigkeit, aber ein eigenes Thema.
Gäbe es jedoch nur Frauen vom Typ der Venus, wäre es wohl langweilig auf der Welt.
Der eher muskulöse Frauentyp hätte in der Antike wohl der Amazone entsprochen ( mehr Amazonen) , Die Wettläuferin der Atalante, usw, usw.
Ganz eindeutig gehört die Idealisierung von Schönheit und Körper zu den kulturellen Erscheinungen, ist in den verschiedenen Epochen von unterschiedlichen Institutionen vorangetrieben worden; In jüngerer Zeit durch Filmindustrie und Massenmedien, seit kurzem offensichtlich auch in einer Verquickung mit der Sportindustrie.
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