Kindliche und jugendliches Übergewicht – Verweise, Studien, Statistik, Politik

Der Bandscheibenblog streut mal wieder Links aus 😉  . Unter anderem einen zu „Diagnose: Mensch„, einem Blog, das fröhlich behauptet:

„Sie glauben, sie seien gesund? Vergessen Sie’s! Sie ernähren sich falsch. Sie schlucken die verkehrten Pillen. Sie schlafen zu lang oder zu kurz. Sie bewegen sich nicht richtig. Sie sind ein Mensch. Nur dieses Blog kann Ihnen helfen.“

Prima! Wir haben doch keine Angst vor Gesundheitserziehung!

Zum Thema:

Eine Studie des Berliner Koch-Instituts besagt, die Zahl der übergewichtigen 3- bis 17-Jährigen sei stark auf zuletzt 1,9 Millionen angestiegen, 800 000 davon seien demnach sogar fettsüchtig, (und in den kommenden Jahren solle alles noch dramatischer werden, wenn sich nichts tut).

Die BMI-Perzentile 2003-2006 (durchgezogene Linie) im Vergleich zu den Referenzdaten von 1985-1999 (gestrichelte Linie):

Verlassen wir hier diesen statistischen „Survey“ (Abriss, Aufnahme Befragung, Begutachtung, Besichtigung, Bestandsaufnahme, Erfassung, Erhebung, Marktforschung, Gutachten, usw.).

Den methodischen Fehler, der die Aussagekraft der Kurven widerlegt, kann ich hier nicht sehen. Interessant wird ja erst die Interpretation; und verschiedene Interpretationen sollten sich widersprechen.

Die Referenzgruppen sind möglicherweise nicht repräsentativ, und der BMI vergleicht schmale mit breiten Kindern, ohne zu besagen, wo das Fett sitzt.

Vielleicht wäre die Waist to Hip Ratio bzw. der Taillen-zu-Hüft Quotient aussagekräftiger als der BMI, vielleicht sind hierzulande nicht 800.000, sondern 80.000 Kinder mehr oder weniger fettsüchtig.

Wahrscheinlich werden aus dicken Kindern dicke Erwachsene, die wahrscheinlicher kränker sein werden als weniger schwere Fälle.

Die Plattform Ernährung und Bewegung hat nichts geändert, das „5-Punkte-Programm“ von 2007 auch nicht, die Regierung betreibt nicht mehr Propaganda, sondern Unternehmenskommunikation, findet stets die richtigen Worte, aber nicht die richtigen Massnahmen.

Das wären, wenn die Zahlen stimmen, neben einigen Eckpunkten rund 800.000 Einzelmaßnahmen.

Nicht bei den Diäten, aber da, wo es darauf ankommt, vertraut Berlin auf die Homöopathie – vielleicht liegt da der methodische Fehler, den die ZEIT gesucht hat?

Notiert: Afghanisches Rosenöl, Gesundheits-Podcast, Versandapotheken, Karma und Nächstenliebe

Afghanisches Rosenöl

Seit 2004 führt die Deutsche Welthungerhilfe das Projekt „Rosen für Nangarhar“ in der Provinz Nangarhar mit ihrer Provinzhauptstadt Jalalabad in Ost-Afghanistan durch.

Auf 42 Hektar bauen 300 Familien Bio-Ölrosen an, pro Hektar ist rund ein  Liter Rosenöl zu erwarten; „weitere Anbauflächen sind geplant“.
(gefunden bei Nikos Weinwelten)

Recht praktisch, so lässt die kompakte Ernte sich leicht exportieren. Warum die Afghanen nicht auch ganz traditionell und offiziell Hanf anbauen, sollte noch geklärt werden, die Nachfrage nach Hanf-Fasern und Hanföl zu steigern, wäre ein Leichtes. Schließlich lassen Schlagzeilen wie

„In Paris sagte die internationale Gemeinschaft dem Land rund 20 Milliarden Dollar Hilfe zu. Das ist allerdings deutlich weniger, als Afghanistans Präsident Karsai gefordert hatte.“

nur noch an ein Fass ohne Boden denken.

Gesundheitsbloggerin im Interview

Bei Radio G (wie Gera) zu hören: Ein Interview mit Dr Sarah Schons, Ärztin in Düsseldorf.
Themen unter anderem: Das Gesundheitssystem, Krankenkassen privat und öffentlich, ganzheitliche Medizin, Bezahlung der Ärzte, Sterbehilfe, Präventivmedizin.
Auf die Volksseuche Übergewicht wurde nur am Rande eingegangen, in einem Atemzug mit den Risikozuschlägen bei Privatkassen für Raucher.
Allerdings kann Übergewicht selbst eine eigenständige Krankheit, nicht vergleichbar mit riskantem Skifahren sein…

via Saftblog

Rezeptpflicht und Versandapotheken

Der bayerische Gesundheitsminister Otmar Bernhard (CSU) hatte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) am Dienstag dazu aufgefordert, den Arzneimittelversandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten in Deutschland zu unterbinden.

… und beim Verband der Versandapotheken wird protestiert…
(Ärzteblatt)

Karma und Nächstenliebe

… waren die Stichworte für eine kleine Recherche, nachdem zu  Karma und  Konsum in letzter Zeit so viel zu lesen und zu hören ist (und auch hier berichtet wurde).
Ein Artikel „Karma im Neuen Testament“ zeigt auf, wie das alttestamentarische „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ unter der Prämisse des Karma mit der Maxime „Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst“ harmoniert.
Ganz ohne Bezug zum abendländischen Leitpropheten kommt der Vortrag „Karma Yoga – Tätige Nächstenliebe zur Bewusstseinserweiterung als MP3 Datei“ aus. Das Dienen und das Vergehen der Zeit bei der Suche nach dem „Selbst-Kern“ wird hier in einer eigenen  Terminologie besprochen – letztlich auch eine Beschäftigung mit der Entwicklung der Persönlichkeit, der Lebenszyklen, deren wissenschaftliche Darstellung (hier: Erik H. Erikson) auch dem Erkenntnisgewinn dient.
Philosophisch betrachtet, geht es um die Wurzeln der Weisheit.

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Den Hunger in die öffentliche Diskussion holen!

Arten des Hungers

Diät-Lasagne mit Tofu, Rezept mit Bildern, passend zur Nudeldiät, kalorienarm

Hier einmal eine Lasagne mit Tofu:

Damit der Tofu etwas an Geschmack gewinnt, wird er, in dünnere Scheiben geschnitten, mariniert:
Soja-Sauce, Salz, Pfeffer, würziger Essig, Gemüsebrühenpulver, etwas Wasser, evtl. etwas Wein vermischen und den Tofu einlegen – wenn die Menge der Marinade dafür nicht reicht, heht es auch mit einem Gefrierbeutel, dem die Luft entzogen wird.

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Die Lasagne-Blätter (?) kann man auch kaufen; meines Wissens jedoch nicht rund und als Vollkorn-Lasagne.

Und, bei selbst gemachten Nudeln weiß man recht genau, „was in ihnen steckt“; die Zahl der Eier zum Beispiel, was aber auch nicht unbedingt ein Qualitätskriterium ist.

Es empfiehlt sich, die Nudeln schon am Vortag zuzubereiten, sie dürfen bei Lasagne etwas dicker ausfallen, und müssen hier vor Verwendung kurz gekocht, wenn auch nicht unbedingt gar gekocht werden.

Ansonsten ist die „Tofu-Lasagne“ nicht sonderlich problematisch, die Nudeln werden mit Bechamel-Kräuter-Sauce, Käse, Tomatensauce und eben gelegentlich einer Schicht (angebratenem) Tofu in die Form geschichtet und sind in diesem Fall bei 210 Grad eine gute Stunde gebacken worden:

… und so

hat es auf dem Teller ausgesehen.

Äußerst sättigend, etwas viel Arbeitsaufwand, aber spannend…

Mehr mit Nudeln:

Die Nudeldiät 

Rezepte mit Tofu:

Kohlrabisuppe mit Tofu
Reissalat
getunte Reis-Gemüsepfanne
Brotaufstrich

Multireibe, Vorratsdosen und Sparschäler im Grossformat

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Sonderliche Fortschritte hat die Küchentechnik nicht gemacht seit der Steinzeit, und bis zur flächendeckenden Einführung des selbst lernenden Küchenroboters werden wir uns noch mit mehr oder weniger traditionellen Küchenhelfern begnügen müssen.

Multireibe

Ich habe das Gerät einmal "Multireibe" getauft, vielleicht sollte man es auch "Schneid-Reib-Blech" nennen. Das formschöne Nirosta-Teil kommt – ganz selbstbewusst – völlig ohne Markenzeichen aus.

Diese stapelbaren Dosen sind wohl für den Kühlschrank gedacht, dürfen aber auch mal im Warmen stehen. Die Herstellerfirma betreibt m.W. keine Homepage und auch kein Firmenblog – schade.

Sparschäler

Und dieses Foto eines Sparschälers ist leider nur noch ein Erinnerungsfoto, da das Werbegeschenk nach einem knappen Dienstjahr seinen Geist aufgegeben hat. Es gibt noch viel zu verbessern in unseren Landen…

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Natürlich ist es nicht sinnlos, sich mit diesen Gerätschaften zu befassen; auch der hypothetische Küchenroboter würde Werkzeug brauchen – und stellt Euch mal die Katastrophe vor, wenn der dann falsch programmiert ist…
Wo die Küchenschere das wichtigste Küchengerät ist (Um die Fertigpizza-Packung zu öffnen) ist der Programmfehler wohl bereits eingetreten…

 

Blogparaden: Gartengestaltung und Werbebanner

Noch laufen zwei Blogparaden, die recht interessant sind:

Zum einen über Gartengestaltung, die ist gerade verlängert worden und für gärtnerisch Tätige gedacht – das Thema wird ja in Zukunft wieder wichtiger werden, wenn wir uns die Kartoffeln auf dem Markt oder aus dem Supermarkt nicht mehr leisten können. Schön, dass das Gartenthema bei den Blogs weiterhin gewürdigt wird.

Kürbisblüte

Ob ich hier noch zu einem richtigen Beitrag komme, kann ich noch nicht sagen, wenn, wird es knapp…

Zum Anderen ein Thema, das mit der Vermarktung oder Vernetzung der Blogs in einem direkten Zusammenhang steht; möglicherweise setzt sich das 125 x 125 Format bei Werbebannern ja durch. Hier ist jedenfalls schon mal mein erstes quadratisches Banner:

Und da es hier bereits eine „Bannerseite“ gibt, ist der Beitrag schon so gut wie geschrieben.

Die Frage, die dabei allerdings noch bleibt, ist:

Wer braucht so etwas?
Oder, noch wesentlich konkreter: Wer soll so ein Banner, zu welchen Bedingungen, schalten?

Hyperviril – "Nahrungsergänzung", Potenzmittel oder Schwindel?

Wenn die Ablage überquillt, weil man über das Eine oder Andere vielleicht noch etwas schreiben will – man soll nicht so viel Unnützes aufheben; eigentlich ist das klar.

www.elcibao.it jedenfalls ist eine Adresse für unglaublich guten Kaffee…

Mit der Nudeldiät muss auch einmal Schluss sein – höchstens Lasagne könnte man noch mal machen…

Was die Art und Weise, mit der „Hyperviril“ beworben wird, betrifft, gibt es bereits einen Artikel, der auf den vermutlich missbräuchlichen Gebrauch von Adress- und Personendaten eingeht.


Recht nett ist dabei, dass die Werbebroschüre 2004 noch ausführte:

„Nach dem ersten Orgasmus werden Sie nach kurzer Erholungsphase wieder können. Bis zu fünf Mal pro Nacht“

Die aktuelle Werbeaussage heißt „Bis zu drei Mal pro Nacht“.

Ansonsten ist es müßig, weitere Gedanken an „Dr. Hans-Peter Zimmermann“, der vermutlich nur ein Fake ist, zu verschwenden. Das Gerede von den „steinharten Erektionen – solange Sie wollen, wann immer Sie wollen, so oft Sie wollen“ eignet sich allenfalls, aufzuzeigen, mit welchen Vorstellungen phallischer Narzissmus einhergehen kann. Für einen Arzt verbietet sich solches Gewäsch von selbst, das heißt, zumindest vom Berufsethos her.

Potenzmittel bei Öko-Test

Selleriesüppchen

Die Sex-Diät

Lustvolles Essen

Aphrodisiaka: Saturei

Das Kreuz mit dem Kreuz oder Unser Rücken: fit für alle Anforderungen? – Veranstaltungshinweis –

Die kommunale Gesundheitsförderung Wiesbaden hat um Verbreitung desw folgenden Hinweises gebetzen:

Rückenschmerzen sind in den Industrienationen ein Alltagsphänomen – was Sie tun können, sagen die Experten unseres nächsten Gesundheitsforums am Mittwoch, den 11. Juni 2008 um 17.30 Uhr im Rathaus Wiesbaden, zu dem wir Sie herzlich einladen.

Wer den Termin nicht wahrnehmen kann, kann ja hier weiterlesen oder auch beim – zur Zeit etwas verwaist wirkenden Bandscheiben-Blog.

Bild: Traditionelles Kaffeehaus in Wiesbaden

Bei der Gelegenheit hatte ich bei der kommunalen Gesundheitsförderung in Wiesbaden angefragt, ob es denn in Wi. eine Selbsthilfegruppe für Übergewichtige gebe – mit negativem Resultat.

Das Gleiche gilt auch für die Mainmetropole Frankfurt…

Es gibt also noch viel zu tun – weit mehr, als nur die Faktoren aufzuzählen, die bisher die flächendeckende Gründung von Selbsthilfegruppen bei Übergewicht/Adipositas verhindert haben.

Abgenommen, Abgeschaltet, Blog Geschlossen

Zwei Jahre öffentliches Abnehmen

Seine Nabelschau hat S. Bartels hinter sich und hatte dabei das Privileg, unter den Fittichen einer großen Wochenzeitschrift zu bloggen. Als Berufsschreiber hat er bei der Gelegenheit noch ein Buch erstellt.

In einem Interview:

Doch viel schwerer als das Abnehmen selbst ist es, das Wunschgewicht zu halten, glaubt Bartels. Das Auf und Ab des eigenen Körpergewichts sei für vermutlich viele Menschen ein "Lebensthema".

Dabei ist der Jojo-Effekt doch eher ein sekundäres Phänomen. Und viele wollen sich mit der Ernährung beschäftigen, nicht mit Spekulationen.

 

Natürlich wäre es unfair, Bartels‘ Selbstquälerei mit den Diät-Ergüssen der Kolleginnen bei den Frauenzeitschriften in einen Topf zu werfen; die einzige Parallele ist wohl im unsteten Suchen nach der Idealdiät zu sehen, im Hasten von einer Diät-Idee,  von einem Selbstzweifel zur/zum Anderen.

Die Erfahrungsberichte nach dem Strickmuster "Vom Moppel-Ich zum Moppel-Ich" sind für die Bestsellerliste gestrickt, seichte Unterhaltung, aber keine Aufklärung. 

Die Artikel waren ein Medienereignis im abgezäunten Terrain – nie hat Bartels wohl von seinem Diäten-testenden Kollegen berichtet, und nie jener über ihn – Einzelkämpfer, die ihren Lesern keine Alternative und kein "Wir" vorleben, Sterne am Diäten-Himmel und Söldner der alten Medien.

Sisiphos ist selten allein oder der Jo-Jo-Effekt als Strafe der Götter, mit der uns nicht geholfen ist

Wer eine Diätkarriere gemacht hat, kennt Gewichtsschwankungen – wobei das (wieder-) Zunehmen ganz von selbst geht, so, wie ein Stein von einem Berg hinunterrollt: Es gilt das Gesetz der Schwerkraft.
Beim Abnehmen hingegen kann es gewisse Widerstände geben, wenn es „einfach schwer fällt“, nicht vorangeht, haben wir ein Problem.

Mit einem JoJo zu spielen, und es zu beherrschen kann Vergnügen bereiten- das ist wohl eine Frage der richtigen Technik, aber Durchschnittsspieler verheddern sich immer irgendwann.
Mit dem Effekt, dessen Name von dem Spielzeug abgeleitet ist, haben Übergewichtige oftmals mehr Probleme als mit dem eigentlichen Jo-Jo, das man schließlich auch gerne einmal links liegen lassen kann.

Dieses auf und ab mit „Jo-Jo“ zu bezeichnen, hat schon etwas verniedlichendes – das Spiel mit dem schwungvollen Hölzchen an der Leine ist nicht allzu ernst und allzu harmlos im Vergleich zu den Anstrengungen und Enttäuschungen, die mit dem fehlenden Wunschgewicht verbunden sind.

Man fühlt sich bestraft, und gelegentlich ist der Vergleich mit der Sisyphosarbeit zu hören.

Frau A war ein paar Wochen erfolgreich im Sportstudio aktiv, täglich eine Stunde vor Arbeitsbeginn, hat die „Tretmühle“ auf sich genommen, abgenommen und die Unlust am Sportprogramm hat sich wieder durchgesetzt.
Bei Frau B hat ein Ernährungsprogramm gegriffen, sie war erfolgreich beim Abnehmen, konnte und wollte aber bei der folgenden Schwangerschaft einfach das bisher bewährte Programm nicht beibehalten und keine Punkte mehr zählen…
Herr C war mit sparsamer und vollwertiger Ernährung auf dem besten Weg zu seinem Wunschgewicht, da meldete sich eine innere Stimme, die ihm einflüsterete: „Das schaffst Du doch nicht“, und er fiel wieder ein Stück zurück. und noch eines, als er weitere Ziele nicht erreichte.

Man fühlt sich wie beim Mensch-Ärgere-Dich-Nicht: „Zurück auf Start“, und ins Spiel kommst Du erst wieder, wenn Du eine Sechs gewürfelt hast.

Etwas seltener ist er Vergleich mit Sisyphos, dem der Stein, den er auf den Gipfel eines Berges zu bringen hat, kurz vor dem Ziel wieder entgleitet, der sich immer und immer wieder an die gleiche Arbeit begeben muss, ohne je Erfolg zu haben.

Herr D hat seinen BMI in einer relativ geraden Linie von 22 auf 28 gesteigert. Sehr viel Bewegung hat er nicht als Abteilungsleiter, aber täglich gutes Essen, am Wochenende darf es auch „etwas“ mehr sein von dem guten Rotwein. Abnehmen möchte er nicht wirklich, aber er wäre gerne wieder schlank.
Frau E war als Mädchen schnell gewachsen und „dürr wie eine Bohnenstange“, noch als Studentin sehr schlank, füllig als Mutter zweier Kinder. Dann beschloss sie, dieses Erscheinungsbild als „fraulich“ zu empfinden und nimmt seither noch weiter zu.

Herr D und Frau E haben eine „genial einfache“ Methode gefunden, dem Sisyphos-Effekt zu entgehen…

Frevel

„So etwas“ scheint kein allzu beliebtes Thema zu sein, und auch bei Sisyphos wird sein eigentlicher Frevel gelegentlich als „nicht näher bezeichnet“ bezeichnet, auf Deutsch gesagt: Unter den Teppich gekehrt.
Wir wissen aber auch, dass der listenreiche Vater des Odysseus den „Gottvater“ Zeus verpetzt hat, Geheimnisse ausgeplaudert, das Gebot der Diskretion verletzt hat.

An der Strafe lässt sich nichts mehr ändern. Sie ist kein Selbstzweck, sondern entspringt dem Gerechtigkeitsempfinden, zumindest dem Gefühl für das, was „richtig“ und was falsch ist. Deshalb hat auch Nemesis, die Göttin der Vergeltung, ihren Platz im Olymp.

Wir müssen uns vorstellen, dass Sisyphos auf ewig mit seiner absurden, zwecklosen Arbeit beschäftigt ist, allenfalls kann man das Strafritual umdeuten:

„Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.”

(Camus, Albert (1942), Der Mythos des Sisyphos, S. 160, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbeck bei Hamburg, 2001) [Quelle]

Also auch das eine Möglichkeit: Den Zwang zu verinnerlichen und freiwillig zu tun, was als Strafe gedacht war.
Allerdings sollten wir nicht vergessen, dass dieser Teil der Sisyhpos-Geschichte sich in der Unterwelt – nach dem irdischen Leben – abspielt; so weit sind wir noch nicht, legen uns aber dennoch gelegentlich selbst Steine in den Weg… (Wenn wir, im richtigen Leben, von einem Stein, der ins Rollen kommt, sprechen, kann das auch unterschiedliche Bedeutungen haben; eine Lawine, ein Erdrutsch kann daraus werden – im Allgemeinen nichts angenehmes.)

Wir sind mehr oder weniger fasziniert vom Stolz der Bergsteiger, die höchste Gipfel bezwingen und von ihren Erlebnissen berichten – die Faszination und Bewunderung, die sie erfahren, deutet darauf hin, dass es unter ihren Zuhören einige gibt, die gerne auch solche Gipfel bezwungen hätten.

Dabei wird die Luft, je höher man kommt, zunehmend dünner. Solche Regionen sind für den alltäglichen Aufenthalt nicht geeignet.

Die Gesellschaft der Bestraften

In der Unterwelt ist Sisyhos in bester Gesellschaft: Wir finden die obige Abbildung im „Lexikon der antiken Mythologie“; die Bildunterschrift lautet „Sisyphos, Ixion und Tantalos“.

Tantalos ist wohl so bekannt wie Sisyphos. Seine Bestrafung ist vielleicht das schlimmste, was sich manche vorstellen können: Im Hades stand er bis zum Kinn im Wasser, aber immer, wenn er sich niederbeugte, um seinen brennenden Durst zu stillen, trocknete der See aus. Zweige mit Früchten hingen über seinem Kopf, aber wenn er sie greifen wollte, blies der Wind sie fort.
Außerdem war ein Stein über ihm aufgehängt, der jeden Augenblick niederzufallen und ihn zu zerschmettern drohte.

Diese Qualen musste Tantalos erleiden, weil er – so eine Version – Nektar und Ambrosia aus dem Olymp gestohlen hatte; auch er hatte gewisse Geheimnisse der Götter verraten.

Ixion hatte seinen Schwiegervater in ein Grube mit glühenden Kohlen gestoßen – beim ersten (Verwandten-)Mord ging es um den Brautpreis.

Ixion konnte weder einen Menschen noch einen Gott finden, der ihn von dieser Tat reinigen wollte; schließlich lud ihn jedoch Zeus, der in Dia, Ixions Gattin, verliebt war, auf den Olymp.

„Der schamlose Mann vergalt diese Ehre mit dem Versuch, Hera zu verführen. Die Göttin berichtete dies ihrem Gatten. Zeus glaubte ihr offensichtlich nicht und stellte deshalb aus einer Wolke ein Bild seiner Gattin her, das er in I.s Bett legte. Entzückt nahm I. die Gelegenheit wahr und wurde so überführt. Zeus kettete ihn zur Strafe an ein geflügeltes, feuriges Rad, das sich für immer am Himmel oder … in der Unterwelt drehte.“

Nur einmal gab es eine Unterbrechung der Strafe, als Orpheus mit seinem bewegenden Gesang erreichte, daß er Eurydike mit zurück ins Leben nehmen dürfe.

Während er so zum Klang seiner Saiten sang,
begannen die blutlosen Seelen zu weinen,
Tantalos schnappte nicht nach dem entweichenden Wasser,
Ixions Rad stand still,
an des Tityos Leib hackten nicht mehr die Geier,
keine Krüge trugen die Danaiden
und du, Sisyphus, ruhtest auf dem Felsblock aus.
(Ovid, Metamorphosen X., 40-52)

Zu der Gruppe der mit Höllenqualen Bestraften hätten wir nun noch Tityos und die Danaiden hinzuzufügen.

Die Geschichte von Danaos und Aigytos, zwei Brüdern, die Krieg gegeneinander führten:

Die Brüder hatten jeder fünfzig Kinder von verschiedenen Frauen, aber Aigyptos‘ Nachkommen waren alle Söhne, während D. nur Töchter hatte.

Schließlich sollten die Neffen die Nichten heiraten, aber Danaos verlangte von seinen Töchtern, dass sie in der Hochzeitsnacht die vom Wein betäubten Männer ermordeten – und 49 der Töchter gehorchten.

HYPERMESTRA hieß die rühmliche Ausnahme:

„Es ist besser angeklagt zu werden, als es dem Vater auf diese Weise recht gemacht zu haben“ (OVID, Heroides, XIV)

In der Folge wurde es schwierig, die jungen Witwen zu verheiraten. Später, in der Unterwelt, mussten sie unablässig Wasser holen – mit Krügen, die leck waren und immer wieder gefüllt werden mussten.

Zwangshandlungen und Bindungen

Vom Effekt her entspricht diese Handlungsweise dem, was umgangssprachlich mit dem „Fass ohne Boden“, das man unmöglich voll bekommen kann, gemeint ist.

Sinnloses, widersinniges Tun, wie eben einen Stein, der immer wieder herabrollt, auf einen Gipfel bringen zu wollen. Psychologisch-diagnostisch könnte man dabei auch von Zwangshandlungen sprechen.

Auch das Schmachten des Tantalos verursachen sich Manche selbst: Mit Fasten-„Kuren“, in denen Enthaltsamkeit geübt wird – nicht für die Ewigkeit, aber das Zeitgefühl verschiebt sich ja beim Fasten.

Ixion ist „technikaffin“, nämlich an die Erfindung, die am ehesten „Technik“ symbolisiert, das Rad, gebunden. Er dreht sich im Kreis; Wenn Gedanken sich im Kreis drehen, sind das Zwangsgedanken oder ist es eine Fixe Idee; etwas bewegt sich, ohne dementsprechend weiter zu kommen.
Man kann auch jahrelang darüber grübeln, warum man denn nicht abnimmt, oder warum man denn so zugenommen hätte…

Diese Sünder werden in der Mehrzahl nicht mit Schmerzen und Qualen bestraft, sondern durch Misserfolg.

Die mythischen Figuren sind nicht als konkrete Figuren, sondern als Sinnbilder zu verstehen. In ihrem Verhalten spiegelt sich menschliches Verhalten, das „die Alten“ in einer mehr oder weniger verschlüsselten Form dargestellt haben, und so steht ihr Verhalten sinnbildlich für das, was wir tun.

Dass wir alle mehr oder weniger „hoch hinaus“ wollen oder zumindest vorwärts- und weiterkommen wollen, ist zunächst ein notwendiges Eingeständnis.
Stagnation ist unerwünscht, wir sind von Kindheit an Wachstum gewohnt – aber irgendwann hört es damit auch auf.
Sein „höheres Streben“ könnte auch das Begehren höchster Genüsse, des „Gipfels des Genusses“ symbolisieren.

Sisypos‘ Stein könnten wir etwa als sinnlosen Ballast, als „Altlast“, die er mit sich herumschleppt, deuten.
Von dem Frevel, andere zu übervorteilen, hat er sich nie befreit – so muss er seine Strafe auf sich nehmen.

Bei den mythischen Figuren ist der Strafanlass noch einsichtig, und sie haben nicht die Möglichkeit, zu reflektieren, was sie tun.
Rätselhaft bleibt jedoch, warum unsereins mit solcher „Sisyposarbeit“ beschäftigt ist. Mit dem Jojo ist doch so: Soll es seinen Schwung behalten, braucht es immer wieder, im richtigen Moment, einen Anstoß.

Gelegentlich kursiert in der Pädagogik das Buch von Siegfried BERNFELD „Sisyhos und die Grenzen der Pädagik“. Wir stehen nicht unter dem Zwang, den Stein immer wieder bis zum Anschlag so weit nach oben zu tragen, bis er eben wieder herunterrollt.

Wir haben unsere Grenzen, wie auch unser Gegenüber sie hat. Wer zu viel verlangt, wird wenig bekommen.

kurz notiert

Apfel-Essig-Gelee

Ein Apfel-Essig-Gelee kann man selbst machen. Wie, zeigt die Hedonistin.
So ist das nun mal: Ich sammle (fast) Alles über Essig

Böse Spelzstoffe

„Selbst Vollkorn-Produkte haben mittlerweile ihren früheren Nimbus des Gesunden verloren: die Spelzstoffe des Getreides dienen dazu, den Nachwuchs – das Getreidekorn – zu schützen, indem die Verdauung so schwer wie möglich gemacht und die Darmschleimhaut des Fressfeindes so weit wie möglich geschädigt wird, um ihm den Appetit zu verderben.“

Nein, niemand weiß, was gesundes Essen ist, und manche wissen nicht, dass Getreide vor dem Mahlen gedroschen wird.
Dass Spelzen mit verbacken wurden, ist in der Hard-core Öko-Bäcker-Szene der ersten Stunde gelegentlich vorgekommen. Diese Zeit haben viele noch in schlechter Erinnerung, die sich an den Kastenbroten mit backsteinartiger Konsistenz die Zähne ausgebissen hatten.
Und schlechte Erinnerungen vererben sich erstaunlich gut.

Nestlé zittert schon vor foodwatch

„Es soll kein Kritiker sein neben uns“ – das könnte die Haltung von foodwatch charakterisieren: Man nimmt sich die Nestlé-Müsli-Packung von vorne und hinten vor, und tut so, als hätte man die Kritik an den Werbebotschaften erfunden.
Dabei ist genau das ein alter Hut, nur neuerdings nicht mehr als animiertes GIF (2001) gestaltet, sondern noch viel schöner(?) animiert…

Dieser Hinweis nur mal für den unwahrscheinlichen Fall, dass Herr Bode sich in dieser Hinsicht als Pionier darstellen möchte. Nett, wenn er eine Ampel fordert und den Zuckergehalt kritisiert, aber blind, nicht die überzogene Warenästhetik, die den Körper zur Ware macht, anzusprechen.

Man kann sich sein Müsli doch auch selbst machen, und denen, die das nicht glauben, zeigen, wie es geht. Das ist dann wirksamer, als eine Protest-e-mail. Glaube doch niemand, in der Nestlé-Verwaltung hätten die Damen und Herren nichts besseres zu tun, als diese mails auszudrucken und abzulegen.

Und schließlich hat Nestlé inzwischen dazugelernt und verkündet eine tiefe Weisheit: „Die Wunschfigur, die bleibt“. Zwar unerreicht, nicht nur wegen dem Zucker im Müsli, aber sie bleibt.
Wahrscheinlich weil sie propagiert wird, nicht mehr wie zähes Leder, flinke Windhunde und hartes Eisen – nöh, „bloß“ Holly – oder Bollywood.

via amapur

Frische Kommentare

  • Anja: Hallo, einen sehr schönen Blog hast du da. Ich werde mich mal etwas umschauen, denn auch...
  • N. Lang: Ein sehr schöner Bericht, beim lesen beschleicht einen direkt die Lust es doch selbst...
  • Sabrina: Schön, dass du bei der Bilanz dabei bist! Mit Spirulina und Algen zu experimentieren,...
  • ClaudiaBerlin: Mit all meiner fortgeschrittenen Lebenserfahrung kann ich sagen, dass das mit den...
  • Julia: Da hast du recht, was das Fermentieren angeht, bin ich Spätzünderin 😂

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