Schuldgefühle, Liebesentzug, Erpressung
Geschrieben am 10. September 2008 von KPBaumgardt
Hallo, liebe Freundinnen und Freunde,
da bin ich mal wieder! Wie Ihr seht, mit einem Korb voll bitterer Themen!
Die hat mir nämlich wieder mal meine Freundin gemailt, die, die meint, ich bräuchte alle 14 Tage einen Newsletter, und ich solle sie doch am besten adoptieren. abonnieren.
Heute hat sie sich von Frau Wolf, das ist eine Universalpsychologin, die zu allem und jedem einen Bestseller schreibt, beraten lassen. Bei Fressnet ist die schon mal durchgefallen: Übergewicht und seine seelischen Ursachen hat dem Klaus-Peter überhaupt nicht gefallen.
Heute schreibt sie:
„Dass Sie Opfer eines Emo-Erpressers geworden sind, merken Sie daran, dass Sie sich von einem Menschen unter Druck gesetzt fühlen, scheinbar grundlos wütend auf ihn sind oder Lust bekommen, ihn zu verletzen. Widerstehen Sie diesem Impuls ebenso wie der Versuchung, auf die Erpressung einzugehen, um Ruhe zu haben. Das Einzige, was hilft, ist die Flucht. Wir sagen, wie Sie die verschiedenen Emo-Erpresser erkennen und ihnen entkommen können.“
Also, das ist ja ganz klar Populär-Psychologie. Ich glaub ja, mein Macker ist auch so ein Emo-Erpresser: „Nimm erst mal noch fünf Kilo ab, dann bekommst Du auch einen neuen Bikini“, sagt der.
Und eine halbe Stunde später: „Leilah, mein Augapfel, ich liebe Dich, so wie Du bist, und auch, wenn Du noch zwei Zentner mehr wiegst“.
Klar, wenn ich mich überhaupt nicht mehr in die Öffentlichkeit traue, hat er mich ganz für sich. Das ist dann keine Erpressung, aber Freiheitsberaubung und krankhafte Eifersucht.
Aber soll ich deswegen flüchten? Niemals! Wenn ich dem ganz sachlich erkläre, dass er schon mal das Geld für den neuen Bikini ansparen soll, ist er ruhig. Es ist doch besser und aufrichtiger, mit offenem Visier zu kämpfen!
In Wirklichkeit hat er ja bloß eine massive Angst, nicht wichtig genug zu sein, nicht gesehen zu werden oder mich zu verlieren, wenn ich ihn nicht immer verstehe oder nicht weiß, wo er sich befindet. Klar?
Dass er manchmal wirklich unerträglich ist mit seiner Angst, mich zu verlieren – dieser klettenhaften Anhänglichkeit, bei der mir die Luft zum Atmen fehlt, weil er immer und überall schon längst da ist, diese Unart, sich immer unentbehrlich machen zu wollen:
Ach ja, ach nein, manche Menschen sind halt so. Letzte Woche habe ich von dem Fritz Riemann „Grundformen der Angst“ gelesen – also, ich muss sagen, es gibt da vier Grundformen, und alle haben sie irgendwie eine Meise. Ich ja auch. Und die Frau Wolf: [ psst! ]
Manche haben das mit dem Liebesentzug (und erst mit dem Double-Bind) voll drauf. Ich könnte Euch da ja noch viel mehr erzählen, aber Ihr könnt auch bei der Nicole noch was über Erpressung weiterlesen. Die hat mir gerade gemailt, sie fände mich unheimlich nett und erst-zunehmen, wenn ich auf ihren Artikel über Emo-Erpressung hinweise.
Klar, dass ich da nicht nein sagen kann, oder?
Eure
LEILAH
P.S.: Da ich immer noch keine e-mail-Adresse habe, könnt Ihr mich über das Kommentarformular benachrichtigen. Aber bitte keine „Kontaktwünsche“, ich bin doch schon glücklich verbunden. Und wenn es doch unbedingt sein muss, dann bitte mit Foto.
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Man könnte, um sich auf einen intensiven Schokoladengenuss vorzubereiten, in Kino gehen und sich „Chocolat“ anschauen. Ein kleines Fachgeschäft mit einer freundlichen Verkäuferin ist jedenfalls eine gute Voraussetzung für den gehobenen Genuss. In diesem Fall sollte es etwas unverfälschtes sein, ohne Ingwer, Chili oder andere exotische Spezialitäten, die durchaus ihre Berechtigung haben mögen.
Dabei kann man auch einmal auf den Klang vertrauter, großer Markennamen verzichten und Unbekanntes kennen lernen.
In einer Verpackung von schlichter, funktionaler Eleganz, transparent und silbern glänzend, mit papiersparender Banderole, die die zu erahnende Tafel nur wenig verhüllt…
Hier wird nicht einfach aufgerissen oder gar per Knick die Verpackung an der Sollbruchstelle aufgebrochen, sondern an einem Ende der Tafel sorfältig der Klebestreifen entfernt und Cellophan und Folie werden entfaltet. Farbliche Kontraste, wie sie größer kaum sein können, treten zutage. Ein Dunkelbraun, das zu Schwarz tendiert. Vielleicht ist dies der richtige Moment, an der Schokolade zu riechen?
Beim Umdrehen der Tafel zeigt sich, dass die einzelnen Stücke sanft abgerundet sind und von ausgewogener Proportion. Wer zwischen Einkauf und Öffnen der Tafel ein oder zwei Tage hat vergehen lassen, hat es der Schokolade ermöglicht, sich an die neue Umgebung zu akklimatisieren. So kann man entspannt und ohne Hektik daran gehen, vom Ganzen einen Teil abzutrennen. – – – –
Es macht nichts, wenn dieser Vorgang nicht ganz glatt verläuft. Wir lassen die Portion Schokolade noch eine Weile auf uns wirken, bevor wir mit Bedacht ein Stück in die Hand nehmen, es vielleicht sogar zwischen den Fingern ein wenig weich werden lassen und vorsichtig ein Stückchen abbeißen. Dieses ohne Kauen langsam in Mund zerschmelzen zu lassen, mag eine kleine Kunst sein – aber nur so entfalten sich nach und nach verschiedene Aromen, entwickelt sich der Schmelz, der sich im Mund verbreitet, erreicht das cremige Gefühl auch Rachen und Schlund, ist ein langer Nachhall zu erfahren.







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