Den Blog Action-Day: "Armut" boykottieren!

Wieder kursieren Aufrufe an die Blogger, am Blog-Action-day teilzunehmen, diesmal unter dem Motto “Armut”.

Vor einem Jahr ging es ums “bloggen für die Umwelt“. Es wurde nie richtig klar, wie viele Blogs damals teilgenommen hatten – günstigenfalls 20.000. Das Prinzip der “riesigen Blogparade”, alle Beiträge synchron an einem Tag zu veröffentlichen, hat jedoch gravierende Nachteile:

Es kommt zu keiner Vernetzung, weil alle Beiträge singulär erstellt werden.
Wenn alle Beiträge zum Thema am gleichen Tag herausgelassen werden, macht sich das zwar in der BAD-Statistikik ganz nett, aber es kann keine Diskussion untereinander aufkommen.
Um auf andere Beiträge zu der “Blogparade” Bezug zu nehmen, kann man nur einen Nachtrag zur Blogparade erstellen, und die Vielfalt der Beiträge ist erschlagend.
Damit verlieren die Leser aber schnell das Interesse und sind übersättigt, was das jeweilige Thema betrifft. Die Wirkung der Beiträge verpufft wie die der Zeitungs-Schlagzeile vom Vortag.

Energie, Armut, Hunger – das sind zwar alles wichtige Themen, aber wer sie festlegt, bleibt unbestimmt.

Ich persönlich möchte zum Thema nationale oder internationale Armut nicht bloggen – “Hey, das ist einfach nicht richtig, wie viele da unter der Armutsgrenze leben …” wäre allzu inkompetent. Es gibt sicherlich Andere, die davon mehr verstehen, dann reicht es auch, diese zu verlinken.

So, wie das im Moment abläuft, ist die Themenwahl ein undemokratischer Prozess, die Einübung in die Unterwerfung unter undemokratisch gefallene Entscheidungen. Es bleibt nicht die Wahl des Themas, sondern nur: Teilnehmen, ja oder nein.

So, wie der BAD jetzt organisiert ist, handelt es sich nur um ein bisschen Meinungsbildung ohne die Perspektive, Einfluss zu nehmen.
Bloggen als Massenphänomen und in der Masse bloggen – ob wir ausgerechnet das nötig haben?

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18 Kommentare zu “Den Blog Action-Day: "Armut" boykottieren!”

  1. Nach dieser Argumentation wäre jede Wahl per se ein undemokratischer Akt: schließlich kann man sein Kreuzerl immer nur auf eine vorgegebene Liste setzen. Oder eben erst gar nicht wählen gehen. :-)

    Und welchen Sinn sollte es haben, wenn der Initiator eines Blog-Events bzw einer Blog-Parade erstmal in der Bloggerszene nachfrüge, ob überhaupt ein Event gewünscht wäre und wenn, zu welchem Thema … ?

  2. Der Gedanke, dass die Wahlfreiheit sich auf “Pest oder Cholera” beschränkt, könnte allerdings die große Zahl an Wahlenthaltungen und Nichtwählern erklären.

    Beim “Blog-Action-Day”, dem jährlichen Großereignis der Bloggosphäre ist allerdings gar keine demokratische Legitimation auszumachen. Das verringert auch die Bedeutung des Blog-action-day, und er wird nicht wichtiger als der Tag der Kartoffel, mit dem Unterschied, dass in einem baylonischen Sprachgewirr alle gleichzeitig reden (bloggen) und keiner dem Anderen zuhört.

  3. Ich frag nochmal: Warum sollte ein Event – ob in der Blogszene oder sonstwo veranstaltet – eine demokratische Legitimation brauchen? Seine eventuelle Bedeutung, Symbolkraft, evt sogar Potenzial für gesellschaftliche Veränderungen ergibt sich aus dem Interesse, das er weckt, bei TeilnehmerInnen und BeobachterInnen. Das gilt für einen BlogActionDay genau so wie für eine Regenbogenparade.

    Btw: Ist dein Boykottaufruf irgendwie demokratisch legitimiert? ;-)

  4. Eine kleine Blogparade oder ein Essen mit Freunden – das sind “Veranstaltungen”, bei denen, wer eingeladen wird und wer kommt, rein privat ausgehandelt wird – in der Privatsphäre (wobei Blogger diese zum Teil öffentlich machen).

    Die Regenbogenparade will ein Zeichen gegen die Diskrimierung einer Minderheit, die anders als die Mehrheit orientiert ist, setzen. Damit ist sie in der Pflicht, nicht ihrerseits Sub-Minderheiten auszuschließen, was allenfalls bei einer demokratischen Strukur kontrolliert werden kann.

    Ein “Blog-Action-Day” ist kein Karnevalumzug, der auf alten Traditionen beruht und von Vereinen durchgeführt wird, die gemäß Satzung demokratisch strukturiert sind – dass da auch viel geschunkelt und gekungelt wird, ist anzunehmen.
    Nicht umsonst gibt es auch alternative Veranstaltungen…

    Welche Führungsstrukturen beim Blog-action-Day herrschen, ist unklar. Es werden einge Sponsoren genannt und “führende amerikanische Blogs”, die ihre eigene Ideologie vertreten und verbreiten.
    Da der BlogActionDay doch eine nicht unerhebliche Resonanz findet (was mit dem Propagandaaufwand und der Sogwirkung der Masse, dem “Ansteckungseffekt” zusammenhängt), profitieren primär diese Organisatoren/Sponsoren enorm: Bekanntheit, im Gespräch sein, zählt.
    Gäbe es nicht mehrere Organisatoren, sondern eine einzige Firma, die das Event ausrichtet, wäre der Fall klar.

    Dass die Wirkungdes Blog-Action-day nicht viel größer sein kann, als bei einem chaotischen Feuerwerk, noch drastischer gesagt: einem Schuss in den Ofen, wäre bei der Selbst-Organisation des Blog-Action-Day Dass wohl durch einen anderen als den jetzt geplanten Ablauf vermieden worden.

    Ein “mehr Demokratie wagen” wäre immer noch angebracht. Gilt “Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit” in der Bloggosphäre? Ist Armut eine Frage der Faulheit der Betroffenen oder ein Verteilungsproblem? Was ist mit den Arbeitsbedingungen auf den Baumwollfeldern, und tausend andere Fragen hängen miteinander zusammen.

    Wenn die Beiträge, wenig gelesen und zur Kenntnis genommen, nur verpuffen, sieht es nicht so günstig aus mit der Symbolkraft beim “Tag des Blogs”.
    Das eigentliche Symbol soll wohl mit dem Ausdruck “Bloggers united” gefasst werden.

    Wegen dem Potential für gesellschaftliche Veränderungen müssen wir uns wohl etwas mehr einfallen lassen als die bloße Teilnahme an einer Massenveranstaltung.

  5. [...] Hedonistin: Ich frag nochmal: Warum sollte ein Event – ob in der Blogszene oder sonstwo… [...]

  6. Es ist fürs Ergebnis herzlich egal, ob die Idee zu einer Veranstaltung – sei es ein Karnevalsumzug oder ein BlogActionDay – von einem demokratisch organisierten Verein, einer Einzelperson oder einer autoritär geführten Institution stammt: Ist die Idee gut und/oder wird sie gut vermarktet, finden sich entsprechend viele TeilnehmerInnen. Je mehr TeilnehmerInnen, desto größer das Interesse der BeobachterInnen.

    Ein Karnevalsumzug, an dem sich nur die zwei Dutzend Mitglieder des demokratischen Veranstalterveins beteiligen, wird kaum jemanden interessieren. Schafft der Verein es, hunderte externe Teilnehmer zu motivieren, wirds eine große Sache, für die alle Straßen der Stadt gesperrt werden, die Hälte der nicht teilnehmenden Bevölerung kommt zuschauen, und die andere Hälfte redet sogar dann drüber, wenn sie verordneter Fröhlichkeit ablehnend gegenübersteht. Irgendeine nachhaltige Wirkung geht vom Karnevalsumzug dennoch nicht aus: Am nächsten Tag sind alle verkatert und genauso griesgrämig wie sonst auch.

    Obs ein Potential für gesellschaftliche Veränderungen gibt, hängt nicht nur von der Vermarktung, sondern auch vom Thema ab: Interessiert Letzteres keinen, gibts auch keine Wirkung über die noch so große Veranstaltung hinaus. Spricht es aber an, polarisiert es gar: dann gibts eine Chance, dass etwas angestupst wird.

  7. Vermarktet wird die Idee unter dem Slogan “Bloggers united”.
    Gleichzeitig wird etwas von “Graswurzelbewegung” geraunt, ein Image von Einheit und Kraft, die von unten kommt aufgebaut. Dieses Bild mag die Sehnsüchte der Blogger ansprechen und zum (relativen) Erfolg beitragen.
    Das ist Marketing, mehr Manipulation als Argumentation.

    Die, um die es geht, können natürlich nicht mitbloggen – sie wären die eigentlichen Experten.
    http://fressnet.de/blog/?p=619
    (Der Teil nach dem “Schokoladen-Test”)

    Die, die mitbloggen, sprechen sich nicht im Vorfeld ab, und geben quasi einzelne Flugblätter ab, statt an einem gemeinsamen Hypertext zu arbeiten.

    Gleich hinter dem Karnevalsumzug kommt immer die Kehrmaschine. Beim Blog-action-day ist das nicht nötig – da gibt es nur virtuelle Scherben – zerbrochene Hoffnungen, dass gute Beiträge wahrgenommen werden, und einige schrottige Beiträgen, die mehr oder weniger viel Traffic verursachen und ein bisschen Festplattenplatz belegen.

  8. [...] Armut war hier auch schon im Zusammenhang mit dem Blog-Action-Day die Rede, aber von einem offenkundig [...]

  9. [...] zum “Blog-Action-Day” lesen wir dann noch viel, viel mehr zum Thema Armut, und [...]

  10. Leute, ihr macht mich nachdenklich… über den Hintergrund und die Organisation des Blog Action Day hab ich mir noch keine Gedanken gemacht… Ich bin gespannt, was dabei herauskommt. Auf jeden Fall berührt mich das Thema, Armut ist ja auch in Deutschland ein Thema. Und wenn es ein Thema ist, dann muss es nicht an einen Tag gebunden sein, wie wahr… Die Komplexität des Themas erschlägt mich aber auch und ich weiß nicht, ob ich etwas Neues, überhaupt etwas Bedeutendes dazu zu sagen weiß… die Auseinandersetzung mit globalen Problemen verändert aber auch das Bewusstsein. Und es bleibt eine persönliche Entscheidung, ob es nun ein Thema ist oder nicht…

  11. Das Thema ist wirklich enorm komplex, und man kann mal einen kleinen Aspekt ansprechen. Die Zusammenhänge im größeren Rahmen darzustellen, wäre nicht mein Bedürfnis.

    “Etwas bedeutendes” dazu zu sagen – bedeutend ist ja schon die Feststellung, dass gewisse Ungerechtigkeiten nicht förderlich für den nationalen und internationalen “Frieden” sind, dass die Unterscheide nicht gottgewollt und nicht gerechtfertigt sind.

  12. [...] – Ein Blog-Beitrag zum “Blog-action-day” [Quelle] [Kritik] [...]

  13. [...] Es hat keinen Blog-action-Day zum Thema “Männerrechte” oder “Männergesundheit” [...]

  14. [...] Der Hintergrund dieser Collage stammt vom “Blog Action Day” – was wir daraus gelernt haben, ist wohl, dass “Bloggers United” in der Masse [...]

  15. [...] Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Feuerwerk sollte hier dereinst der Artikel zum letzten Blog-Action-Day [...]

  16. [...] Blog-event von “Bloggers United” – der “Blog-action-day” ist ein Waisenkind gegen das, was sich heute in der [...]

  17. [...] Jahr hatte ich ja noch dafür plädiert, den BAD zu boykottieren, dieses Jahr nehme ich ihn nur noch achselzuckend zur [...]

  18. [...] wieder mal ein Aktions-Tag der Blogger, der so viel nutzt, wie sein Boykott ;-( Deshalb hier auch kein langer Artikel, sondern bloß ein – sicherlich sinnvoller – Link zum [...]

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