Winnenden: Collage zu Mord, Fälschung, Ente, Unverständnis

Wenn Tim K. seinen Amoklauf in einem von Jugendlichen besuchten Forum oder Chat angekündigt gehabt hätte, hätte der schwarze Peter irgendwie bei “den Jugendlichen” gelegen”.

Die Falschmeldung wurde gestern den ganzen Tag über unablässig verbreitet, nachdem der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech sie auf einer Polizeipressekonferenz in Umlauf gesetzt hatte: Desinformation pur, die vermeidbar gewesen wäre: Halbwegs authentisch hätte die Meldung nur sein können, wenn sich im Verlaufsordner des Browsers des Computers des Amokläufers auch die entsprechende URL gefunden hätte.
Ist das jetzt zu kompliziert? Wohl nicht. Aber noch einmal in einfachen Worten: Die Falschmeldung wäre bei normaler Recherche vermeidbar gewesen, mit der Pressekonferenz hat der Innenminister die ganze Nation mit gefälschten “Hintergrundinformationen” zu den Tätermotiven in die Irre geführt. [Quelle]

Wir werden auch nie erfahren, wer das getextet hat:

ich habe dieses Lotterleben satt, immer das selbe – alle lachen mich aus, niemand erkennt mein Potenzial.

Aber diese Zeilen hätten nicht in die Öffentlichkeit gehört, suggerieren sie doch nicht viel mehr als: “Das stammt von einem armen, größenwahnsinnigen Kerl”.

Dann soll noch vergessen werden, dass es eilige Artikel gegeben hat mit dem Tenor, alles wäre vermeidbar gewesen, wenn….

 

http://www.welt.de/vermischtes/article3364611/Keiner-nahm-Ankuendigung-des-Amoklaeufers-ernst.html

… Tragisch: Sein Chatpartner nahm die Worte nicht ernst – und informierte die Polizei viel zu spät.

Letztlich sind mit der Pressekonferenz nur Vorurteile bedient worden in einer Situation, in der das Interesse an den Tätermotiven besonders groß war. Jetzt wissen wir weniger als zuvor…

Vielleicht steht noch einiges in den Krankenakten von Tim, der sich in psychiatrischer Behandlung befunden hatte. Vielleicht ist das auch nichts wert, vielleicht ist kein Kontakt zwischen ihm und Therapeuten zustande gekommen – warum sonst hätte er die Behandlung abbrechen sollen? Über therapeutische Fehler spricht niemand gern…

Wenn auch die FAZ behauptet: “Der Chat-Eintrag schien eine deutliche Erklärung für die unglaubliche Tat zu liefern” – warum hat man dann nicht recherchiert, wer Tim warum verlacht hat?

Das Motiv der Scham, der Beschämung und der Rache ist nach wie vor plausibel, und “irgendwie” ist auch eine narzisstische Komponente anzunehmen.

Irgendwo fand sich auf einem Nachrichtenüberblick auf der gleichen Seite wie die Winnenden-Meldungen noch eine Meldung, die von verbreiteter Achtlosigkeit dem Menschenleben gegenüber hindeutet:

ob das neun Monate alte Baby aus Hamburg-Wilhelmsburg tatsächlich verhungert ist, konnte die Obduktion bisher nicht belegen.

Das heißt: Wer immer noch glaubt, wir lebten in einer humanen Gesellschaft, irrt sich.

Noch ein Link:

Amok in Winnenden bei der Muschelschubserin

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Ein Kommentar zu “Winnenden: Collage zu Mord, Fälschung, Ente, Unverständnis”

  1. [...] Diese “Ausübung körperlicher oder verbaler Attacken auf ein Opfer” hat beim Amoklauf von  Winnenden Opfer und Täter in den Tod gerissen, und neben Fragen der korrekten Aufbewahrung von Waffen, der [...]

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