Nachhaltige Gedanken, Gesundheit – Diät

Unter dem ersten Artikel zu „Diät und Nachhaltigkeit“ finden sich drei Links, die bereits die Richtung, in der der Artikel fortgesetzt werden sollte, andeuten:  Es sollte beim Thema „Nachhaltigkeit“ nicht nur um den achtsamen Umgang mit der äußeren Natur gehen, sondern auch um den achtsamen Umgang der Menschen mit sich selbst und mit anderen. „Nachhaltigkeit“ im Sinne von „erhalten“ ist auch hinsichtlich des Wissens um diese Zusammenhänge gefordert.

Aber bereits das Wissen um „Diät“ im Sinne einer gesunden Lebensweise, der Balance von Arbeit/Ruhe, Essen/Trinken, heiteren und ernsten Gemütszuständen, Ausscheidungen/Absonderungen, Licht und Luft ist verschüttet, und eine „Diätenindustrie“ nebst angeschlossenem Medienapparat überschüttet uns mit widersinnigen Vorschriften, die denen, die an der Zivilisationskrankheit Übergewicht leiden, keinerlei autonomen Spielraum mehr lassen will.

Wir haben hier ein klassisches Beispiel, wie der Glaube an die Berechenbarkeit des Menschen sich in numerischen Vorschriften, Kalorien- und Punktezählerei und sonstigen Ernährungsanweisungen ausdrückt.

Wer gerade im grünen Mainstream schwimmt, sich ökorrekt kleidet, bio-dynamisch ernährt und ein gesichertes Auskommen und funktionierende Sozialbeziehungen hat, bekommt das ganze Elend der ungesund Lebenden wahrscheinlich gar nicht mehr mit, und so dürfte zu erklären sein, dass unter dem „H“ im Kunstwort „Lohas“, das für „Health“ steht, sich wenig tut, allenfalls ein wenig Wellness-Yoga für Lockerung und Konzentrationsfähigkeit steht.

Auf der anderen Seite haben wir eine technisierte Apparatemedizin und Ärzte ohne Zeit und Empathie.

Wie die alte Lehre von der gesunden Lebensweise (hier wurde die Bedeutung von Freundschaft, Beziehung, einfachem Leben uvm. noch dezidiert hervorgehoben) geschleift worden ist, so werden die wissenschaftlichen Grundlagen vernachlässigt:

Das sind – man wird es kaum glauben – die Mythen und Lehren aus dem Altertum, denn die Aufklärung und moderne Wissenschaft  hat sich nicht aus sich selbst heraus erschaffen, sondern auf dem Fundament dessen, was an Welterkenntnis schon überliefert war.

So, wie heute mit der historischen und mythologischen Überlieferung umgegangangen wird, entzieht die „Wissenschaft“ sich ihr eigenes Fundament und kommt ins Schwimmen. Wir können das am Beispiel des „Narzissmus“ verdeutlichen:

Dabei handel es sich um eine offizielle diagnostische Kategorie, und zwischen einem und drei Prozent der Bevölkerung, so die immer für die eigenen Anteile blinden „Seelenkundler“, hat eine „narzisstische Störung“ oder schlimmeres.

Seit einiger Zeit ist es Mode, bei der Erklärung, worum es sich beim Narzissmus handelt, ein paar Zeilen zur Mythologie voranzustellen; hier ein solches Beispiel aus zwei Internet-Seiten:

In der griechischen Mythologie war die Figur des „Narzissus“ der Sohn des Flussgottes Kephisos. Dieser junge Mann verschmähte dereinst die Liebe einer Nymphe.

(war der alten griechischen Sage nach der schöne Sohn des Flussgottes Kephisos und der Leiriope. Da von der Damenwelt umworben und entsprechend hochmütig, …)

Hierauf wurde er durch die Göttin Aphrodite verflucht. …

Auch der Zusammenhang von Narzisse und Narkose sollte nicht unerwähnt bleiben bei der Erörterung des Narzissmus Ein Mythos ist ein äußerst fragiles Wesen. Wer es weitergibt, muss sehr sorgsam damit umgehen. In früheren Zeiten lag die Aufgabe der Datensicherung – des Abschreibens auf frisches Pergament, in der Hand schreibkundiger Mönche. Die mussten dafür noch nicht einmal schriftkundig sein.

Die obigen Beispiele verdrehen, was sich nur verdrehen lässt. Die „Figur“ Narziss hat zwar einen Vater – aber was ist mit der Mutter?

Die wird hier einmal  weggelassen, aber in Wirklichkeit (als solche sollte man gute Mythen bei der Interpretation auch verstehen können) war Liriope vergewaltigt worden.
Schon bei der Geburt wandte sich die Mutter mit der Frage, ob ihr Kind überhaupt überleben würde, an einen Seher, was die Entfremdung von Mutter und Kind offenkundig macht. Narziss wurde von Männern und Frauen begehrt und wies beide Geschlechter ab (ausgeklammert hier das Thema Bisexualität) und wurde von Nemesis verurteilt, „so zu lieben, wie er geliebt worden war„.

Halten wir die Erörterung hier an. Es geht gar nicht mehr nur um das Einzelschicksal, sondern das Einzelschicksal zeigt uns, quasi im Spiegel, wie „die Masse“ den Unerreichbaren, Spröden liebte.

Diese tragische Liebe sehen wir im Mythos auch zwischen Narziss und Echo: Beide sind, wenn das Wort schon eingeführt ist, „narzisstisch“.

Einen bereits aufs höchste verdichteten Mythos noch weiter verdichten zu wollen, kann zu nichts führen; dann noch Fehler hineinzumischen, heißt, die ursprünglich quasi heilige Geschichte zu zerstören. Sich auf rosarot-schnulzige Versionen zu berufen statt auf die authentischste ist völlig unwissenschaftlich, die Launen der Frauengottheit Aphrodite habe eine andere Qualität als die dem Logos nahestehenden Interventionen der Nemesis.

Beim Umgang mit Mythen kommt es zuallererst auf Sorgfalt und Genauigkeit an; nur so haben wir die Chance, verborgenes, hintergründiges über die menschliche Seele –  Psyche – und über uns zu erfahren.

Die Ableitung des Krankheitsbilds aus einem „korrupten“, zerstückelten und zusammengewürfelten Mythos kann kein  Verständnis hervorbringen und führt nur zur deskriptiven Darstellung von Symptomen.
Die tatsächliche Beschäftigung mit dem  Mythos, bei dem, wie im richtigen Leben, alles miteinander verwoben ist, bietet wenigstens die  Chance, die Geschichte nachzuvollziehen, zu verstehen.

Wir können also den Begriff „Nachhaltigkeit“ auch auf unsere kulturellen Überlieferungen anwenden, können entweder die Überlieferung zerstören und missachten  oder die Alternative wählen, mit Nachhaltigkeit die Gedanken aus der Geschichte erhalten und bewahren.

Fortsetzung:

Nachaltigkeit und Ernährung

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5 Kommentare zu “Nachhaltige Gedanken, Gesundheit – Diät”

  1. […] Das ist ja das, was ich mit “Recherche” meine: “Die meisten Kühe” – Die meisten Hühner aber auch? Das ist viel zu schwammig, es fehlt der Hinweis auf die – immer noch möglichen – Alternativen, und die Notwendigkeit, den Lebensstil deutlich gesünder einzurichten, und sich womöglich auf alte Weisheiten zu besinnen, nachhaltig. […]

  2. […] Nachhaltige Ideen, Gesundheit – Diät […]

  3. […] Manchmal wird auch gefordert, an die kulturelle Nachhaltigkeit zu denken. Damit wäre wohl das Bewahren alten Wissens, Bewahrung bewährter Werte und Lehren gemeint, im weiteren Sinne auch die geistige […]

  4. […] wolle ich nur wissen, was zum Thema “Kulturelle Nachhaltigkeit” anderenorts gesagt wird – da scheint es viel Wortakrobatik zu geben – und bei der Gelegenheit […]

  5. […] Nachhaltige Gedanken, Gesundheit – Diät […]

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  • Sabrina: Schön, dass du bei der Bilanz dabei bist! Mit Spirulina und Algen zu experimentieren,...
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  • Julia: Da hast du recht, was das Fermentieren angeht, bin ich Spätzünderin 😂
  • Ulrike: Nachhaltigkeit und Produkte aus der Umgebung sind wichtig, da bin ich ganz bei dir. Alles...
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