Essstörung und gezügeltes Essverhalten

Dass Essstörungen als die Frauenkrankheit des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts gelten und damit die Hysterie, die Frauenkrankheit im ausgehenden 19. Jahrhundert, die Sigmund Freud zur Entwicklung der Psychoanalyse geführt hat abgelöst haben – diese Anmerkung findet sich beim österreichischen “Netzwerk Essstörungen“.

Es könnte natürlich auch die eine oder andere Essstörung eine verkappte Hysterie sein.

Der Begriff vom “gezügelten Essverhalten” geistert stets durch die Diskussion: Gemeint ist, dass jemand sich strenge Grenzen beim Essen auferlegt, möglichst “für immer”, um tatsächliches oder vermeintliches Übergewicht zu bekämpfen; umgangssprachlich auch mit “Diät machen” bezeichnet.

1. Normales Essen
2. Gezügeltes Essen / Gezügeltes Essverhalten (“Diät”)
3. Teilsyndrom Essstörungen (nicht-näher-bezeichnete Essstörungen)
4. Essstörungen (Anorexia & Bulimia nervosa)

Dabei komme es bei einigen, nicht bei Allen, die “sich zügeln”, zu Durchbrüchen, die dann nicht mehr aufzuhalten sind und in der Folge zum Gefühl, versagt zu haben, wertlos zu sein usw.

Der Begriff vom “gezügelten Essverhalten” beeinhaltet latent, ohne, dass dies ausgesprochen würde, die Metapher von Pferd und Lenker, oder Ross und Reiter.

Bildlich gesprochen, vertraut, wer sein Essverhalten (permanent) zügelt, nicht seinem Pferd (das Pferd steht in der Bildsprache für Zugtier und Antrieb…) und meint, es ständig bremsen zu müssen, während Andere offenbar ständig die Zügel schleifen lassen.

Und beim Fressanfall gehen dann die Pferde durch.

Bleiben wir noch einen Satz lang bei dieser Metapher: Warum muss ein braves Pferd eigentlich immer gezügelt werden? Andere Pferde kennen ihren Weg doch auch und lassen sich ganz stressfrei lenken.

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  4. Esssucht, Übergewicht und Selbsthilfe
  5. Binge-eating – eine Essstörung

10 Kommentare zu “Essstörung und gezügeltes Essverhalten”

  1. [...] Die Ausdrücke "kontrolliert essen" und "gezügelt essen" liegen dicht beieinander, und es hat sich gezeigt, dass ein "gezügeltes Essverhalten" nur selten die Lösung darstellt: Wo zu rigide gebremst wird, entsteht eine große "Lust auf mehr". [...]

  2. [...] Zu den Störungen, die der oralen Phase zugeschrieben werden, sind in unserem Zusammenhang natürlich vor allem die Essstörungen zu zählen… [...]

  3. [...] Menschen mit ihren Ess-Störungen haben es da noch vergleichsweise einfach; während, andererseits, die Ängste der  Tomaten [...]

  4. [...] Hilfe der Kategorie “Nicht näher bezeichnete Esstörungen” lässt sich fast alles, was nicht in den – auch nicht definierten Bereich – des [...]

  5. [...] Essstörung und gezügeltes Essverhalten [...]

  6. [...] eine entscheidende Rolle spielen, und Apotheker mehr in der Erstberatung tätig werden… Was Essstörungen betrifft, kann der Arbeit der BzgA jedenfalls kein hervorragendes Zeugnis ausgestellt [...]

  7. [...] die Essstörung die Nachfolge der Hysterie angetreten hat, erklärt so manche hysterische Begleitkomponente im Kampf gegen das Übergewicht: [...]

  8. [...] psychoanalytischen Instituts aufgenommen ist ein “Seminar: Spezielle Krankheitstheorien” zu Essstörungen, und schon die Ankündigung spricht [...]

  9. [...] Essstörung und gezügeltes Essverhalten [...]

  10. [...] Essstörungen zwischen Essen und Fasten abzuwechseln dürfte ich mir mit und ohne Krankheitseinsicht nicht [...]

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Frische Kommentare

  • Ernst: Dieser Brotaufstrich klingt auf den ersten Blick sehr lecker. Doch Leider fehlen für mich...
  • ClaudiaBerlin: Guter Rant! Vor allem die Idee, die Zielgruppe des Textes ganz klar zu...
  • Katrin Schröder: Lieber Klaus-Peter Baumgardt, vielen Dank für diesen wunderbaren Blogbeitrag...
  • Tanja Praske: Hi Klaus aka @fressnet, ein fettes Danke für deine satirische Teilnahme an...
  • Antje: Ich habe nur ein paar Fragen, hab viel gelesen über Mangostantropfen und sehe nichts...

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