Langsam, aber sicher abnehmen!?

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Das war schon einmal ein schlechter Anfang, um von den Vorteilen des langsamen Abnehmens zu berichten. Allerdings entspricht dieser Anfang auch den geheimen Wünschen der Dicken, also ihrem Wunschdenken.


Männerzeitschriften (deren es so viele ja gar nicht gibt) “verkaufen” auch gleich noch den Waschbrettbauch, während die dicken Leser ja in Wahrheit froh sein müssten, keinen Schwabbelbauch, oder deutlicher: Hängebauch zu haben.

Also: Schnell sollte es eigentlich gehen, und wahrscheinlich sind die Versprechungen in diese Richtung auch Grund für zahllose Frustrationen, die wieder in einen Teufelskreis führen.

Zudem kommt es darauf an, um was für ein Projekt es geht: Mal eben die Kohlenhydratspeicher zu leeren und ein oder zwei Kilos – Wasser – zu “verlieren”, oder doch eine Menge Fett abzutragen.

Letzteres ist eine rechte Anforderung an den Körper, bei der die psychische Seite dann auch nicht unterschätzt werden sollte:
Wie der Mensch sich selbst sieht, fühlt und empfindet, welches “Körperschema” er hat oder welche “Körperrepräsentanzen”, geistige Regionen, in denen die Vorstellung, die man von sich selbst hat, verarbeitet werden, ist weniger gut erforscht als der Unterschied zwischen kohlenhydratbetonter Diät oder etwa der “Steinzeit-Diät”, bei der davon ausgegangen wird, dass die Menschen erst seit kurzem Ackerbau betreiben und deshalb auch genetisch nicht an die entsprechende Nahrung angepasst sein könnten.


Vielleicht ist aber auch diese Theorie wissenschaftlich gar nicht haltbar und es gibt epigenetische Faktoren, die dann doch binnen kürzerer Zeit die Anpassung der Gene an das Angebot, das der Ackerbau zusätzlich liefert, leisten.

Vor dem Ackerbau hat es aber mit Sicherheit den Gartenbau gegeben und eine züchterische Selektion der Pflanzen, die den Gartenbauern bekommen sind – bloß hat noch kein “Ernährungswissenschaftler” eine Diät auf dieser geschichtlichen Situation begründet – obwohl doch die Geschichte der Menschheit im Garten Eden ihren Anfang genommen hat ;-)

Nach dem Ackerbau kam die industrielle Zurichtung der Nahrung: Auf das Verdauen von reinem Zucker oder von Zucker, der in Gummibärchen gebunden ist, dürfte der Körper genetisch gesehen gar nicht eingestellt sein.

Es klingt reichlich böse, wenn auf Dicke mit dem Finger gezeigt wird und dann die Rede von “tonnenförmigen Körpern”, “Kügelchen” und mehr ist, während die “Superschlanken als “dürrer Hering” und “Bohnenstange” bezeichnet werden.
Die grundsätzlichen Unterschiede in der Bezeichnung bilden wohl auch die Gefühlslage, die die jeweilige Körperwahrnehmung hat, ab.

Zwar können Dicke ihren Körperumfang auch vergessen oder gut verdrängen, manchmal aber kommt die Erkenntnis der Tatsachen zutage, und wenn diese Erkenntnis nicht gerade wieder verdrängt ist, könnte der aufkommende Jammer groß sein: Denn automatisch kommt die Frage “Was tun” oder “Wie abnehmen”, und so manches Wenn und aber gleich im Schlepptau mit.

Das sind so die Momente, auf die die Rattenfänger mit den Versprechungen, wie

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nur gewartet haben. Selbst Kurkliniken arbeiten letztlich nach diesem Prinzip:
Schnell und viel abnehmen” gilt als erfolgreich und effizient, egal, ob die “Kunden” diesen Stil zu Hause fortführen (können) oder nicht.

Während das “schnell und effizient” also in der Sondersituation als machbar bewiesen ist, wird das bewährte Prinzip “Steter Tropfen höhlt den Stein” oder auch “langsam, aber sicher” negiert.

Und Schnell und effizient abgenommen ist noch längst nicht nachhaltig abgenommen.

Dass der Wunsch, schnell abzunehmen, weiter nichts als ein Wunsch ist (und Wünsche und Hoffnungen haben wir alle, und nicht zu knapp, nach und nach müssen wir dabei auch mal realistisch werden) sollten wir akzeptieren können. Wünsche haben im Märchen eigentlich immer geholfen, aber diese Zeiten sind vorbei. Denken, das davon ausgeht, dass starkes Wünschen zur Erfüllung beiträgt wie Aladins Wunderlampe, bewegt sich im magischen Bereich und wird deshalb auch “magisches Denken” genannt, also Denken fernab der Vernunft.

Realistisch (oder statistisch) gesehen, ist die Chance, ohne Jo-Jo-Effekt abzunehmen, ja nicht gerade sehr groß. Die verfehlte Chance hat Methode: Die üblichen Diätvorschriften.

Folglich haben unübliche “Diätvorschriften” wenigstens noch die besseren Chancen. Angeblich hat man  auch mit der richtigen  Ernährungsumstellung gute Karten: Wenn man weiß, was man will und wie man es anstellen soll. Dabei sind Statistik und ”Bilanzierung” – Feststellung und Einhaltung von Qualität und Menge der Nahrungsmittel so oder  so notwendig.
Wie man sich (und Andere) beeinflusst, das “Gemüt” anregt, geht über die reine Ernährungsumstellung hinaus.

 

 

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Ein Kommentar zu “Langsam, aber sicher abnehmen!?”

  1. [...] Langsam, aber sicher abnehmen!? Während das “schnell und effizient” … in der Sondersituation als machbar bewiesen ist, wird das bewährte Prinzip “Steter Tropfen höhlt den Stein” oder auch “langsam, aber sicher” negiert. [...]

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