Nutrigenomik – Ernährung, den Genen angepasst

Das Stichwort fiel schon vor zwei Jahren; aber bei einer Meldung, wo man denkt: “Es könnte etwas dran sein, könnte aber auch nicht” gibt es wenig Anlass, gleich einen Artikel zu schreiben, oder auch gegen den entsprechenden Inhalt gewisse Widerstände.

Und die gab es nun einmal schon bei der Einleitung, die immer noch allzu plakativ wirkt:

Rohfisch für Japaner, Innereien für Bayern: Welches Essen wir am besten verdauen, bestimmen unsere Gene.

Die Nutrigenomik (von der man zwischenzeitlich auch nicht mehr viel gehört hat) will den Zusammenhang von genetischer Ausstattung und der Wirkung von Nahrung untersuchen.

Das Paradebeispiel der Nutrigenomik ist Laktose. Nach jahrtausendelanger Milchviehzucht hat sich in Europa eine genetische Variante durchgesetzt, dank der wir auch als Erwachsene noch Milchzucker verdauen können. Dagegen löst Milch bei vielen Afrikanern und Asiaten Übelkeit und Durchfall aus.

Andererseits sind an Gesundheit und Krankheit hunderte von Genen betreiligt, und

praktisch ist unser Verständnis der Zusammenhänge viel zu bruchstückhaft dafür. Da scheint es arg vermessen, dass erste kommerzielle Anbieter bereits Tests auf einige Gene verkaufen und dazu den maßgeschneiderten Ernährungsplan versprechen. Was die Kunden bekommen, ist dann auch wenig mehr als allgemeine Ratschläge für gesunde Ernährung, die nach Bezahlung mehrerer hundert Euro etwas ernster genommen werden.

Eine schlichtere Lösung wird sodann von der Ethnobiologie vorgeschlagen: Sich zu ernähren, wie es die Vorfahren taten. Als Eskimo also mit viel Fisch, Mittelmeerdiät für Leute, deren Vorfahren aus der entsprechenden Region kommen (“Denkbar ist, dass unbekannte Variationen in unserem Erbgut dafür sorgen, dass der eine Mensch Olivenöl besser verwerten kann als der andere. Eine solche Variante könnte sich besonders in Gegenden durchsetzen, in denen viel Olivenöl konsumiert wird.”), und die Wahrung der “gefährdeten Esstradition”.

Denn was die eigenen Vorfahren verzehrt haben, womit sie überlebt und erfolgreich ihre Nachkommen in die Welt gesetzt haben, das hat sich im Zusammenspiel mit den eigenen Genen bereits bewährt.

Klar, dass Kartoffeln und Mais demnach besonders gut von echten Südamerikanern vertragen werden ;-)

Andererseits: Wenn an der These von der genetischen Anpassung an die Nahrung auch nur ein Körnchen Wahrheit ist – und das scheint der Fall zu sein – lauern beim Komsum gentechnisch veränderter Nahrung weitere, noch nicht untersuchte und verstandene Risiken.



Narzissmus und Diät

Alles im Lot?

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