Die Schönheit der Agro-Kultur, globale Nachhaltigkeit, Micro-Greens und die Notwendigkeit, aufzustehn

Ab und zu findet sich doch noch eine positive Nachricht, ein hoffnungsvoller Gedanke – trotz aller Weltuntergangsstimmung. Die Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen (FAO) erinnert in einem schön bebilderten Artikel an die Vielfalt der bäuerlichen Kultur, die die Anpassung des Menschen an die je unterschiedlichen landschaftlichen und klimatischen Bedingungen illustrieren:

Weiterlesen »

“Große und kleinere” Schäden durch unsere Ernährung

“Fast 66 Kilogramm Fleisch isst jeder Europäer im Schnitt pro Jahr.” Bei einer ARTE-Recherche (“Wege des Fleisches”) kam heraus, dass “gemischtes Hackfleisch” bei den großen Discountern bedeuten kann: “Fleisch von 150 Schweinen und 60 Rindern” – bedingt durch die Durchmischung innerhalb der Massenproduktion. Zwischendurch war auch mal Pferdefleisch in der Lasagne und in China gibt es “Hot Dog” im Wortsinne als regionale Spezialität.

Weiterlesen »

Die Zeiten ändern sich – und Wir?

Übrigens: Die Zeiten ändern sich, es bleibt längst nicht alles beim Alten, sondern die Verhältnisse ändern sich, und wir  sollten uns kräftig dabei einmischen, denn Nur-Zuschauer gibt es in diesem verschachtelten  System nicht, und  auch die “Zuschauer” sind von (gesellschaftlichen) Veränderungen betroffen. Oder auch vom Klimawandel, den heute fast niemand mehr leugnet – aber “Alle” tun so, als wären andere Probleme das Wichtigste…

Da kämpft einer um sein Recht, Andere an “unseren Grenzen” zurückzuweisen, nennt “Skandal”, was er selbst hat schleifen lassen, riskiert die Balance einer mühselig zusammengestoppelten Regierung und lässt weite Felder der Politik unbeackert – wen interessieren die Zustände auf Deutscher Scholle denn überhaupt?

Einen Tanz um den “einen Skandal” machen, und alles andere unter den Teppich kehren – glaubwürdig geht anders. Wenn Kindergeld bei den Armen in der Gesellschaft den allgemeinen Bedarf schmälert, abgezogen wird: Das gilt nach dem “Södermistisch-Seehofener Weltbild” nicht als Skandal?

 

Wo im Mittelalter der Mangel herrschte, gibt es heute die Überproduktion und “vernichtete Lebensmittel”:

“Unsere Gesellschaft muss … wieder lernen, dass auch krumme Karotten und zu kleine Kartoffeln vom Geschmack her oft sogar besser sind, als standardisiertes Gemüse.”

Das heißt ja nur, dass die BürgerInnen ihrer Umwelt, der Natur, längst entfremdet sind – und ihren Mitmenschen und sich selbst.

“Vor allem aber dürfen wir in der Diskussion über die Lebensmittelverschwendung die Produktion nicht länger ausklammern. Beim Anbau fängt die Verschwendung doch schon an. Das ganze System ist darauf angelegt: Damit ein Landwirt seine Verträge einhalten kann, muss er bislang eine viel höhere Produktion planen, denn das Risiko von schlechtem Wetter und anderen Umwelteinflüssen, die die Erträge schmälern, liegt bislang allein bei ihm.”

Einem Sauerergemüse-Hersteller wird die Absichtserklärung eines Landwirts, im Spätsommer eine definierte Menge Gürkchen zu liefern, nicht sehr viel nutzen – natürlich will der einen verbindlichen Liefervertrag – was der Bauer unterschreibt, ist wiederum dessen Sache. Offenbar funktioniert der Markt in dieser Hinsicht nicht, wie er funktionieren müsste, verschleppen die “politischen Kreise” hier die erforderliche Regelung seit Jahrzehnten.

Lebensmittel sollen möglichst “vor Ort” produziert werden, aber in Vittel (Frankreich) übertreibt ein Lebensmittelkonzern mit dem Abpumpen von Trinkwasser, das millionenfach in Plastikflaschen – auch hierzulande – verkauft wird.
Foodwatch übt sich in Forderungen nach Zuckersteuer auf Limonaden, ist aber gegenüber der Möglichkeit, aus Brotresten zuckerarme Limo lokal zu produzieren, blind.

 

Andererseits spielt auch “der Weltmarkt” in die bäuerliche Kalkulation hinein:

5,90 kostet eine 100ml-Flasche Bio-Leinöl, der Preis ist laut Rabeder [Öko-Bauer aus dem Mühlviertel] ein Kompromiss aus den Rohstoffkosten und dem Marktumfeld. “Der Konsument ist durchaus bereit, etwas mehr zu zahlen”, sagt Rabeder. “Abgehoben darf der Preis nicht sein, aber wer es haben will, kann sich das leisten. Wenn ich mir einfach nur Kalorien zuführen will, wird es einen billigeren Weg geben. Aber wir machen hier ein Lebensmittel und das kann ich nicht nur in Kalorien und anderen Kennzahlen messen.“

Es kann also auch ein “Überleben in der Nische” geben – vorausgesetzt, es gibt genug Kundschaft, die ihr Schneckenhaus verlässt.  Wenn hier auch Senf nach “streng geheimer Rezeptur” angeboten wird, halte ich das für übertrieben, denn leckeren Senf selbst zu machen, ist keine Kunst.

Dass die lokale Senf-Herstellung recht nachhaltig ist, gilt vor allem, wenn die Saat auch lokal angebaut wird – das ist gut dür die “Diversitivität” und, wenn der Senf blüht,  eine Bienenweide, wie auch der unerschrockene Liebstöckel, der überall die immer noch gebräuchliche, nicht allzu biologische Fertig-Flaschenwürze erstzen könnte:

“Gemüse retten” funktioniert auch, indem man es als Suppe einkocht. In Büchsen waren Fertigsuppen in Amerika der Renner, kombiniert mit Sandwiches. Man könnte auch sagen, die Lebensmittelindustrie hat die privaten Haushalte ihrer Autonomie bei der Lebensmittelzubereitung beraubt:
Sollen doch die vereinigten Diätwissenschaftler der  ganzen Welt beurteilen, ob solche Mahlzeiten das Beste sind, was man auf den Tisch bringen kann, oder ob hier der Weg zu größeren Schrecknissen geöffnet wird – ich sehe hier den Beginn der “Weißmehlbäckerei“, somit des kulinarischen Zerfalls.

 

Die einleitende Anmerkung “Die Zeiten ändern sich” wird in der Form
“Die Zeiten ändern sich, und wir uns mit ihnen” seit dem Mittelalter als Sprichwort gepflegt. Dieser Spruch

“… geht auf den Vers tempora labuntur tacitisque senescimus annis… („Die Zeiten gleiten dahin und in stillen Jahren altern wir…“) aus Ovids Fasti zurück.[1]“

Die mittelalterliche “Überarbeitung des Dichter-Worts” ist schon merkwürdig – man könnte das so interpretieren, als solle gesagt werden, dass neue Zeiten neue Lösungen verlangen und eine Neu- und Wiederinterpretation der kulturellen Erfahrung – aber eine “deftige” Übersetzung des OVID-Worts ist viel lakonischer:

“Eilig entschwindet die Zeit, und langsam beschleicht uns das Alter.”

Das ist, wie es ist, und im Fußball ist es so:

“Wir haben zu viele Ballverluste, nützen nicht die Breite des Raumes. Wir spielen in die Füße, statt in die Tiefe.”

 

 

 

Weniger Krabben, mehr Verantwortung – und maßgeschneiderte Teigwaren

Weil den Krabbenfischern an der Nordsee kaum noch Krabben in die Netze gehen – das kann auf den verbesserten Schutz der Raubfische zurückgehen, die uns kaum noch etwas von der Delikatesse übrig lassen – kann ein Krabbenbrötchen schon mal in zweistellige Preisregionen vorpreschen…

Weiterlesen »

Halbgötter, Helden und Opfer der Ernährungsberatung

Sonderfälle  der Ernährungsberatung

Ein gewisser Unmut der gelernten ErnährungsberaterInnen wird unvermeidlich sein, denn jeder, absolut jeder fühlt sich auch ohne Zertifikat zuständig. Wer kennt nicht die Lieblingstante, die bei ihrer Geburtstagfeier Kaffee und Kuchen auffährt und  meint:

Also, die Schwarzwälder musst Du nehmen, und danach empfehle ich Dir die Yoghurt-Eierlikör-Torte, die ist gaanz leicht…”

Weiterlesen »

Kürbis-Linsen-Teigtaschen in Tomatensauce, mit Käsespezialität überbacken

Weiterlesen »

Zum Wohl der Tiere und der Menschen

Sich mit der “Gier auf Tier” auseinanderzusetzen, und mit den gesellschaftlichen Tendenzen zu vegetarischer Ernährung bis veganer Lebensweise, ist einereseits “modern”, bewirkt andererseits wenig bei denen, die tatsächlich tierische Produkte verschlingen und im Tier weniger das Mitgeschöpf als den Rohstoff für mancherlei Delikatessen und Alltagsfutter sehen.

Weiterlesen »

Politik – Jugend, und das Treiben der InfluencerInnen

Fangen wir mit dem Positiven an: Uns geht’s gut, sehr gut, ja, sogar super-gut!

Wer spirituell lebt, meditiert im Stillen, sagt sich dabei vielleicht ein Mantra immer wieder vor, gleichmäßig ein- und ausatmend.
Weiterlesen »

Wenn das Opfer männlich, fettsüchtig und erfolgreich ist, hast Du die Lizenz zum Lästern

Im Zeit-Magazin gab es neulich einen merkwürdigen Artikel:

Immer auf die Dicken

Warum ist der dicke Mann eigentlich das letzte Lebewesen, über dessen Aussehen man sich öffentlich lustig machen darf? Von Thomas Fischer


Weiterlesen »

“Witzig, wie der untergegangen ist – aber ich hätte mir das spannender vorgestellt”

Was soll man hinterher auch sagen, wenn man nicht eingreift, wenn die Gruppe (“Masse”, Horde, “Bande”) beschlossen hat, in einem Notfall nicht zu helfen?

Was fünf “Kids” im Alter von 14-18 Jahren schwätzen, haben sie nebenbei aufgenommen, als sie vom Ufer aus gefilmt haben, was in dem Teich vor ihnen geschene ist:

“Es wird dir keiner zu Hilfe kommen, du dummes Miststück. Du hättest da nicht hineingehen sollen.” (Quelle)

Oder auch in der Originalversion:

Someone tells him not to expect any assistance: “Ain’t nobody going to help you, you dumb bitch. You shouldn’t have got in there,” he says.

Ist der Schwächste (Außenstehende) einmal identifiziert, kann es losgehen…

Der einzige “Trost” bei dem Vorfall ist, dass der Tod des Ertrinkenden, dem diese “Barbaren” beigewohnt hatten, einigermaßen schnell eingetreten sein dürfte – lang war das Video, das die Jugendlichen bei Facebook posten “mussten”, nicht.

“Der Amerikaner” liebt ja Horrorfilme, und der Schrecken etwa beim “weißen Hai” baut sich gründlicher auf, war besser inszeniert, größer – das Handyvideo war dafür zwar Realität, aber doch auch nur ein Video. So unwirklich wie ein gelöschtes Selfie,  vielleicht. Aber man ist ja zuhause auf den sozialen Medien, dort finden die Lebensäußerungen statt, was nicht gepostet wird, ist nicht wirklich?

So gesehen, passiert auf den “sozialen Medien” auch nur ein bisschen Kino, und jeder darf mal ran, Likes und  Views sammeln, sich darstellen, zur Not als Kommentator aus dem Off. Die Spirale der Unterhaltungsindustrie dreht sich.

Wütend macht mich, dass dem Ertrinkenden sicher hätte geholfen werden können; wenn man nicht selbst helfen kann, kann man wenigstens Hilfe herbeirufen.

Zum Einen wird es darum gehen, ob das breite Publikum dieses Verhalten ächten wird – also zumindest den mitleidlosen Jugendlichen die gewünschten “Likes” verweigert: So eine geile Rettungsaktion wäre doch viel dramatischer geworden, Bitch!

Zum Anderen stelle ich mir die Frage, ob sie in irgendeiner Form (und wie genau???) zur Mitleidlosigkeit erzogen worden sind, und ob das noch einmal “repariert” werden kann.

Halbwegs gesichert  ist dabei, dass die Kids Langeweile hatten und Drogen (dort siehe Leserbriefe) im Spiel waren.
Rechtlich gesehen, durften sie untätig bleiben – die Verfassungseltern in Florida hatten die Sache mit der unterlassenen Hilfeleistung  nicht mit “eingepflegt” – vergessen oder als so selbstverständlich empfunden, dass man es nicht extra aufschreiben muss? Aber wozu dann all die anderen Artikel und “Gebote”?

Oder kann man so “liberal” sein und darf den, der sich umbringen will, nicht in seiner Freiheit das zu tun,  “beschneiden”? Was, wenn es da auch einen Hilferuf gegeben hat, als “Argument” noch bodenloser wird …

 

Mitleidlos zuschauen – ein struktureller Fehler

“Unser” größtes Massengrab ist im Moment das Mittelmeer, der Tod durch Ertrinken ist dort schon unerträglich lange Alltag. Wir schauen zu, wie Menschen gerettet werden, und die Rede, dass “die” sich doch selbst in Gefahr begeben, “… und wer dann hilft, Schiffe schickt,  zieht ja nur noch mehr Flüchtlinge an und aufs Wasser” ist ein deutlich zu vernehmender Kommentar.

Wir sehen Schlauchboote, die kentern, überfüllte Rettungsschiffe, leere Boote, die wenigsten Leichen dann am Strand.

Wir haben den allumfassenden Begriff “Krisengebiete” und ahnen, dass diese Krisen nicht aus dem Nichts kommen, ahnen auch, dass es sich um eine Riesenkrise (genauer: Viele Riesenkrisen) handelt und treuen unseren Ohren nicht, wenn hiesige Spitzenpolitiker etwas von Ursachenbekämpfung im Ursprungsland äußern – denn wenn den Worten keine Taten folgen ist es, als hätte “die Politik” geschwiegen.

Oder, als hätte die Politik gelogen, denn “wir” schüren Umwelt- und Wirtschaftskrisen; deutsche Agrarsubventionen haben schon afrikanische Märkte “zerschossen”, weil die Einheimischen nicht mit den deutschen, unterpreisigen Agrarprodukten mithalten konnten – preislich, nicht qualitativ.

Als wäre die Sache mit der “assistance” so schwierig, als könnte eine g’scheite Hilfestellung nicht auch zu einer win-win-Situation führen…

 

Frische Kommentare

  • Madame Graphisme: In der Landwirtschaft wäre ein klimaangepasster Weg die Rückkehr zu den...
  • Primitivo Schokolade: ich würde ein Roten Primitivo Wein nehmen für Schokolade ;-)
  • Ernst: Dieser Brotaufstrich klingt auf den ersten Blick sehr lecker. Doch Leider fehlen für mich...
  • ClaudiaBerlin: Guter Rant! Vor allem die Idee, die Zielgruppe des Textes ganz klar zu...
  • Katrin Schröder: Lieber Klaus-Peter Baumgardt, vielen Dank für diesen wunderbaren Blogbeitrag...

Rubriken

Archive

Motivation