Ausblick Adipositas-Seminar: Heilen, Kurieren, Regulieren

Ernährungsstrategie: Konflikte auf dem Amtsweg – Präzise Ziele und Hemmmisse – Maisfladen-Impressionen – globale Anregungen, Verbindungen – ernährungspsychologische Aspekte der Adipositas – Volkshochschulseminar “Adipositas”Eine Bildungsangebotslücke – Diabetes-Arznei gegen Adipositas –  Rezept-Vor-Schläge, Abnehm-Rat-Schläge – Phantomgruppen

Lang ist die Liste der bei der regierungsamtlichen Ernährungsstrategie beteiligten Interessensgruppen, deren Interessen überwiegend die je eigenen sind und mit dem Interesse der benachbarten „Stakeholder“ nicht übereinstimmen müssen – vermutlich sind die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) wie auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft e.V. (DDG) selten der gleichen Ansicht wie „die Zuckerindustrie“. Welche der Organisationen ahnt wohl, dass die Zuckersucht sehr wohl ansteckend, also mit einer Infektion vergleichbar ist?

Özdemir betont, wie wichtig es sei  „… dass es für alle Menschen in Deutschland möglich ist, sich gut und gesund zu ernähren – unabhängig von Einkommen, Bildung oder Herkunft“, doch ist das Wichtige oft schlicht nicht vorhanden.

In Mexiko werden aus Maismehl Tacos, Tortillas und Fajitas gemacht – im hiesigen Kühlregal habe ich neulich Rote-Beete-gefärbte Maisfladen gefunden, die man nur noch füllen und wickeln muss. Zufällig war noch ein wirklich gutes, Tahin- und Knoblauch-lastiges Hummus übrig, das ich auf die Fladen strich; dazu kam noch ein improvisiertes Ketchup aus Fertig-Tomatensauce, Tomatenmark, Himbeeressig, wenig Senf, Sojasauce, Chili und Cocktailtomate als Frische-Element.
Die quer liegende Tortilla war mit gebratenem, „mariniertem“  Chinakohl und Maiskörnern gefüllt.

 

Ökologische und  damit politische Gründe sprechen für eine deutlich fleischreduzierte Ernährung; wie wir sehen, darf, muss und kann man die entsprechenden Rezepte  „einfach“ entwickeln, auch ohne den Globus komplett zu bereisen, denn viele Anregungen gibt es im Internet. Zum Beispiel:
https://www.cooking-fun.de/taco-tortilla-fajita-mexico/

 

Wenn man die Maisfladen selbst macht, kann man damit preiswerte Gerichte herstellen – für die Füllung eignen sich auch Reste, und mit ein wenig Mut beim Würzen…

Süßkartoffel, Lauch, Frühlinszwiebel, Knoblauch und eine Tunke mit Currypaste, Olivenöl und etwas Sojasauce stellten hier die Füllung dar.

 

Die Tendenz, sich den aktuellen Trends anzupassen, haben wir vielleicht einfach ererbt, damit ist so ein „pflanzenbetontes“ Essen kein Zufall mehr, und außerdem hat ein amerikanischer Psychologe gemeint: „Jeder braucht eine Verbindung. Wenn Ihnen die Verbindung zu anderen Menschen Angst macht, dann verbinden Sie sich mit Ihrem Haustier.“
Anders gesagt: Auch Essen stellt soziale Bezüge her, wie das Trinken. Wenn sich in diesem Zusammenhang – und das gar nicht so selten –  Adipositas entwickelt, herrscht Ratlosigkeit, „auch wenn vordergründig die Symptome leicht behandelbar erscheinen“.
Es gibt auch kein Volkshochschulseminar „Adipositas“. Ob hier die thematischen Schwerpunkte

„Ernährungspsychologie, Diagnostik, Symptomatik, Auslöser, Körperbild, Einstellung, Exzessivität, Konflikte, Bewältigung, Kontextfindung, Affektregulation, Scham, Geduld, Erregung, Abwehr, Abgrenzung, Bedürfnis“

vollumfänglich abzuhandeln wären, oder welcher „Lehrplan“, gern auch mit Praxis-Elementen „am Herd“ überhaupt benötigt wird: Das ist nicht pauschal zu beantworten, lässt aber auf eine riesige Lücke unserer Bildungsangebote schließen.

Dr. Giles Yeo, Geschichtenerzähler, mit Büchern wie „Warum Kalorien nichts zählen“ und „Das Märchen vom modernen Appetit„, mit eigenem Podcast – ein vielgefragter Interviewpartner, der mit seinem Twitter-Headerbild wohl ausdrücken will, dass lebensmitteltechnisch die Balace nicht so einfach herzustellen und zu halten ist.

„Der moderne „Lifestyle“ und sein Nahrungsangebot hat uns die Adipositas als größtes gesellschaftliches Gesundheitsproblem beschert, das heißt, bis zu 30 Prozent der Bevölkerung haben an ihrer Verfettung zu tragen.“

Auf den  „Kalorienexperten“ war ich durch einen Tweet aufmerksam geworden, der besagt, dass Neue Diabetes-Medikamente nichts an der Wurzel des Übergewichts ändern;

„Prävention und Heilung ist nicht Dasselbe. Eine Arznei wird die Ernährungssituation nicht verbessern – hier bedarf es einer anderen Politik.

Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Art von Medikamenten gegen Fettleibigkeit, die das Sättigungsgefühl steigern und somit das Essen reduzieren, nicht ein äußerst wichtiges Instrument ist.“

Was hier mit „Heilung“ übersetzt ist, heißt im Original „cure“. Sind auch „Cure“ und „Kur“ nicht das Gleiche, bleibt anzumerken, dass hierzulande das Kuren schon so lange auf dem absteigenden Ast ist, so dass kaum noch etwas übrig ist.
Möglicherweise geht dabei auch Wissen um Übungen und Anwendungen, die mehr Anstrengung bedeuten, als ein Medikament zu schlucken, verloren.

Es mag lebenserhaltende und -rettende Medikamente und Apparate geben, doch ist hinter dem Wunsch nach Wirkung ohne Nebenwirkung ein alter Aberglaube, das „magische Denken“ versteckt.

Auf eigene Regie versuchen verschreckte Übergewichts-Bewusste sich mit Hungerkuren – und mit autonomer Weiterbildung.
Wäre die Anti-Adipositas-Kur bereits Realität, und das erwähnte Adipositas-Seminar auch, ließe sich das Eine mit dem Anderen verbinden, auch ohne Heißhungerepisoden.

Gedämpfter Lachs, angebratene bunte Paprikastreifen, warmes Hummus und ein paar ganz normale Kichererbsen –  weil wir uns ja gut und gesund ernähren sollen. Ökologisch wesentlich verantwortlicher wäre Fisch aus aquaponischer Zucht – doch in der Lebensmittelmisswirtschaft bekommt das niemand flächendeckend gebacken.

Später glaubte ich, ganz intuitiv und ungeteilt den „heißen Hummus“ erfunden zu haben, doch „Hot Hummus mit mariniertem Gemüse“ ist ein bereits veröffentlichtes Rezept.

Es muss ja auch nicht immer etwas Neues sein, ein altbewährter Rohkostsalat mit Beilage ist doch auch in Ordnung:

Als Ausgleich für die unscharfe Wiedergabe noch ein Foto von der graphischen Zutatenliste, allerdings ohne Feta:

– größere Darstellung –

Noch etwas aus der Rubrik  „Algen in der humanen Ernährung„:

Der gefärbte Reis ist entstanden, als schwarzer und weißer Reis gemeinsam gegart wurden; dazu gefüllte Champignons, mit Algen-gefärbter Bratwurstmasse.

Bei der Techniker-Krankenkasse rät man viel zu erfolgreichen Abnehmen, unter Anderem:

„Wenn es Ihnen liegt, suchen Sie sich eine Gruppe Gleichgesinnter“.

Der Ratschlag ist richtig und fehlerhaft zugleich; die Idee jedenfalls ist vorhanden, das erforderliche Problembewusstsein offenbar nicht.

 

 

 

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2 Kommentare zu “Ausblick Adipositas-Seminar: Heilen, Kurieren, Regulieren”

  1. […] In der Ernährungsberatung wird auch der Standpunkt vertreten, dass die wenigsten Entscheidung rein verstandesmässig getroffen werden, so dass eine Ernährungsumstellung durchaus 2-3 Jahre in verlässlicher Begleitung brauchen wird, mit dem Ziel, eine lustvolle Ernährungskompetenz zu erlangen. Dementsprechend groß ist der Bedarf an Langzeit-Adipositas-Seminaren. […]

  2. […] in zwei Sätze zu packen. Entscheidend ist jedenfalls die Sauce, und genaueres könnten wir im Adipositas-Seminar ausarbeiten, wenn das gewünscht […]

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  • Sabrina: Schön, dass du bei der Bilanz dabei bist! Mit Spirulina und Algen zu experimentieren,...
  • ClaudiaBerlin: Mit all meiner fortgeschrittenen Lebenserfahrung kann ich sagen, dass das mit den...
  • Julia: Da hast du recht, was das Fermentieren angeht, bin ich Spätzünderin 😂
  • Ulrike: Nachhaltigkeit und Produkte aus der Umgebung sind wichtig, da bin ich ganz bei dir. Alles...
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