Gedanken zur sogenannten Sättigungsbeilage

In den Anfangszeiten von Fressnet hatte es noch ein Forum gegeben, das dann aber wieder geschlossen werden musste, weil es zu “wartungsaufwändig” war: Es gab ungute Postings und verquere Postings – allerdings ab und zu auch mal etwas “gehaltvolles”. Einen solchen Beitrag habe ich kürzlich wiedergefunden…

 

Abgeschickt von Markus am 04 September, 2003 um 16:25:54:

Hallo,

zuerst mal: Ich finde fressnet.de eine grandiose Seite. Von hier habe ich den Anstoß, meine Ernährung gründlich zu ändern und mich mehr zu bewegen. Die ersten Erfolge sind schon da, auch wenn noch ein langer Weg vor mir liegt.

Leider bildet das Forum einen unschönen Kontrast zum Rest der Website. Schade, dass es so kaputtgemacht wurde! Trotzdem äußere ich an dieser Stelle mal ein paar Gedanken – vielleicht lesen hier ja auch noch Menschen mit, die weder Trolle noch Pillenanbeter noch Rattenfänger sind.

Fressnet.de ist zum großen Teil eine Philosophie des guten, das heißt genussvollen UND gesunden Essens. Das ist einer der vielen Schlüssel zum Abnehmen und vor allem zum Nicht-Wieder-Zunehmen. Ich behaupte: In einer guten Küche gibt es keine Sättigungsbeilagen!

Schon das Wort impliziert grausliches. Vom eigentlichen Essen (in Deutschland ist damit das Fleisch gemeint) wird man nicht satt, also legt man noch irgendwas daneben, um den Magen zu füllen: Trockene Salzkartoffeln ohne Eigengeschmack, pampige Eiernudeln, öltriefende Bratkartoffeln, fettgetränkte Pommes frites oder Kroketten.

In einer guten Küche gibt es keine solchen Beilagen, nur Bestandteile einer Mahlzeit. Manche dieser Bestandteile zeichnen sich durch einen hohen Gehalt an Kohlenhydraten aus und sättigen damit besonders gut und langanhaltend. Das sind alle denkbaren Variationen von Kartoffeln, Topinambur, reifen Hülsenfrüchten, Brot (möglichst Vollkorn), Nudeln, Reis und anderen Getreideprodukten. Jede Mahlzeit sollte mindestens einen solchen Bestandteil haben.

Allerdings sollten diese mit genauso viel Sorgfalt und Fantasie zubereitet sein wie alles andere auch, damit ihr Verzehr ein Genuss ist. Wozu isst man sie sonst? Sättigen kann man sich auch mit einem Stück Pappe und einigen Löffeln aufgelöster Stärke. Stattdessen sollen die "Beilagen" frisch sein, geschickt zubereitet und gut gewürzt; sie müssen Spaß machen und zum Genuss beim Essen beitragen. Dass wir dabei auf den Fettgehalt achten müssen, ist keine echte Einschränkung.

Teilt jemand diese Ansicht, oder sieht es jemand anders? Wäre schön, mal wieder von ein paar netten Leuten zu lesen.

Viele Grüße

Markus

Leider war es dann so, dass auf Markus’ Beitrag keine weitere Rückmeldungen kam.
Desto mehr Beiträge zu
Almased und Schüssler-Salzen gab es, sicher auch von “Trollen, Pillenanbetern und Rattenfängern”, wodurch sich der Spaß am Forum in engen Grenzen hielt…

 

   

   Nudel-Diät

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5 Kommentare zu “Gedanken zur sogenannten Sättigungsbeilage”

  1. Ich bin ja eine Senftube und gebe hier mal meinen Senf dazu 😉

    „Ich behaupte: In einer guten Küche gibt es keine Sättigungsbeilagen! “

    Der Ansatz gefällt mir! Wenn ich Appetit auf Kartoffeln habe, dann sind diese sicher keine Sättigungsbeilage, genausowenig wenn ich meine Möhrchen esse oder Rotkohl möchte.

    „Schon das Wort impliziert grausliches. Vom eigentlichen Essen (in Deutschland ist damit das Fleisch gemeint) wird man nicht satt“

    Das ist nicht wahr. Wenn ich ein paar ordentliche Fleischbrocken mit Käse esse, dann bin ich durchaus 8-12 Stunden pappsatt.

    „… einen hohen Gehalt an Kohlenhydraten aus und sättigen damit besonders gut und langanhaltend… “

    Stimmt nicht. Ich behaupte allgemein: Das hängt vom Stoffwechseltypen ab.
    Mich und schon meine mütterliche Linie sättigen Kohlehydrate nur sehr kurzfristig.

    „Variationen von Kartoffeln, Topinambur, reifen Hülsenfrüchten, Brot (möglichst Vollkorn), Nudeln, Reis und anderen Getreideprodukten. Jede Mahlzeit sollte mindestens einen solchen Bestandteil haben.“

    Hier wiederspricht man sich: Variationen von Kartoffeln sind auch Bratkartoffeln und Pommes Frittes. Die Ofenpommes haben kaum mehr als 4% Fett und ne Schale Pommes als Mahlzeit liegt mit 152 g für eine große Mc.Donalds Pommes stellvertretend bei 468 kcal und hat gerade 24 gramm Fett (16g / 100g)
    Die gleiche Portion Nudeln läge (unzubereitet) bei denselben Kaorienwerten und darüber.
    Beim Brot ist es einfach Geschmackssache und auch Verdauungssache. Viele Vollkornbrote sind schwer verdaulich, kein Wunder das dieses Zeug nur in homöopathischen Dosen gegessen wird. Es belastet die Verdauung nämlich, vor allem gehetzte moderne Brote.

    „Dass wir dabei auf den Fettgehalt achten müssen, ist keine echte Einschränkung. “

    Das ist eine Ideologie auf wackligen Beinen. Ich poste gerne noch einmal:

    http://www.150plus15.de/thema-termine-gaeste/gesundheit-genuss/die-interviews/video/video_03_frank.htm

    und zum Vollkorn

    http://www.150plus15.de/thema-termine-gaeste/gesundheit-genuss/die-interviews/video/video_02_frank.htm

    Und eine Arte Dokumentation, die das Thema aufgegriffen hatte

    http://www.youtube.com/watch?v=3i412tItQtU

    Als Fazit des Postings aus dem Forum muss man unterstreichen das die eigene Philosophie:

    „In einer guten Küche gibt es keine Sättigungsbeilagen!“

    So nicht ausreichend formuliert ist. Es ist ja im Grunde gemeint, es gäbe keine überflüssigen Zutaten neben den Geschmacksträgern einer Mahlzeit, sondern alles zusammen ergäbe eine kontrastreiche leckere Mahlzeit.

    Dem kann man sich nur anschließen, aber diese Idee wird vom Poster ja schon vergewaltigt! Denn das was als Geschmacksträger (und als bester Nährwertträger!) daher kommt, ist eben das Fett und das Fleisch mit seinen Röstaromen! Hinzu kommen die Ergänzungen durch weitere Elemente auf dem Teller, die Kochvorgänge, Gararten etc.

    Was im Grunde behauptet wird: Erst wenn man das Geschmackgebende (Fett und die Fleisch(berge)) raus nimmt, dann könne man durch eine gute Auswahl, hochwertige frische Gemüse u.ä. einen Geschmack reproduzieren. Damit kastriert der Poster die Küche auf dieselbe Art und Weise, wie sie von einem anderen durch die Sättigungsbeilagethese entstellt wird.

    Leider ist Deutschland kein Bildungsland was Ernährung angeht. Es gibt z.B. im Gegensatz zu Frankreich kaum soziologische Forschung. Was wir aber haben ist eine Ernährungsideologie, die bis in die Anfänge der Reformbewegungen zurückreicht in den Anfängen der Industriellen Revolution. Was wir auch haben ist ein besonders schleifbares Volk, das sich so sehr mit der Herrschaft identifiziert, das noch immer die Obrigkeitshörigkeit hat, um von Oben eine Ideogoie besonders leicht eingetrichtert zu bekommen.
    Der Poster rezitiert im Grunde denselben unbelegten Müll den auch die DGE behauptet. Unsere quasi-staatliche Institution für die staatlich diktierte „Tellerherrschaft“ – Die Herrschaft über das was das Volk gefällligst auf dem Teller zu haben hat.

    Ich weise wieder gerne darauf hin, das im dritten Reich dieselbe Hysterie einer reinen Ernährung geherrscht hat, wie sie in der Rassenlehre aufkam. Die Vertreter dieser Ideologien waren bekannte Köpfe wie Kollath http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Kollath#Karriere_im_NS-Staat
    Bruker http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Otto_Bruker#Ern.C3.A4hrungslehre
    http://de.wikipedia.org/wiki/Maximilian_Oskar_Bircher-Benner

    Es kann doch wirklich nicht so schwer sein zu begreifen, das man einfach essen soll worauf man Lust hat und was Spass macht. Heute ist das ein Ei oder auch vier, morgen ein dicker Salat übermorgen 3 Schnitzel mit Käse überbacken.

    Wo ist das Problem? Und genau diese Frage ist nicht über die Ernährung zu beantworten, sondern braucht eine soziologische und bzw. sozial-psychologische Fragestellung(en).

    MFG

  2. Und weil ich gerne noch einen Draufsetze hier noch einmal ein Interview mit Dr. Gunter Frank

    http://www.rosenfluh.ch/rosenfluh/articles/download/1138/Abspeckprogramme_sind_Psychoterror.pdf

    Sehr lesenswert!

    Hier ein Auszug, der sich auf das im Blog-Posting propagierte Ernährungsideal bezieht:

    „Nichts gegen Bewegung und gute Ernährung. Wenn
    sie aber auf falschen wissenschaftlichen Annahmen beruhen
    sowie Ängste und Diskriminierung zur Folge haben, dann
    sind sie kontraproduktiv. Und genau das ist meist der Fall. Fragen Sie einmal bei den Verantwortlichen nach, dann werden Sie mit Konsensuspapieren abgespeist. Publizierte Studien über den Erfolg solcher Initiativen wird man Ihnen nicht nennen. Sie merken, ich vermeide den Begriff «gesunde Ernährung».
    Dieser wird heute über den Nährwert definiert. Über die Nährwerttabellen, die die Ernährungswissenschaftler als objektiven Massstab nutzen, schütteln diejenigen, die sich in der Analytik auskennen, wie die Lebensmittelchemiker, nur den Kopf. Nein, gute Ernährung hat viel mehr mit Bekömmlichkeit zu tun. Es geht konkret um die Tatsache, dass Nahrungsmittel sich biochemisch gegen dass Gefressenwerden wehren und traditionelle Zubereitungstechniken in einer erstaunlich raffinierten Weise Speisen entgiften. Zucker in der Tomatensosse beispielsweise entgiften die höchst unangenehmen Lektine,oder in die Linsensuppe kommt ein Stückchen Speck oder Rahm, weil Fett dort ähnlich wirkt. Hierzu gibt es Tausende von Beispielen, die die Toxikologen kennen, für die sich die Ernährungswissenschaft aber nicht interessiert. Würden solche Programme endlich eine Lobby für gutes Essen, damit meine ich eine richtige Hühnersuppe oder richtigen Kartoffelbrei, bedeuten, wäre ich hellauf begeistert. So aber verteufelt man zum Beispiel Pommes frites. Wahrscheinlich weil sie kleinen Kindern schmecken. Aber warum schmecken sie kleinen Kindern?
    Kartoffeln sind eigentlich hochgiftig. Die einzige Form, wie sie
    der noch zarte Verdauungstrakt von kleinen Kindern akzeptiert,
    ist die nach Erhitzung auf 170° C, und genau das geschieht bei der klassischen Herstellung von Pommes frites. Erst später akzeptieren Kinder auch Pellkartoffeln. Entgegen der Idee einer vollwertigen Ernährung halte ich ein solches Verständnis von guter Ernährung für wesentlich naturwissenschaftlicher.“

  3. Ich denke mal, dass Markus`Beitrag ein viel wichtigeres Dokument ist, als irgend etwas, was ein Herr Franck mal publiziert hat.
    Es ist nämlich ein riesen-Unterschied, ob sich die Klienten frei machen von der Position des zu Beratenden und selbst eien Meinung bilden. Die Experten links liegen lassen und selbst überlegen. was gut tut. Sich gar von einem Dr. Frank emanzipieren.
    Insofern passt das Gebabbdel von frittierten Kartoffeln für Kleinkinder hierher wie dei Faust aufs Auge – Aua, Aua, Aua…

  4. Das löschen meines Kommentars, zeigt mir das das Ende Ihrer Toleranz für meine kritischen Kommentare erreicht ist.

    Die Basis von Ernährungsregeln ist ideeller Natur und das was Sie als eine „eigene Meinung bilden“ betrachten, ist nichts anderes als der Ausverkauf des eigenen Handlungsspielraumes und der eigenen Genußfähigkeit unter eine quacksalberische Idee von angeblich gesunder und ungesunder Nahrung. Ein Konzept das die Menschen in ein Korsett zwingt, das individuelle Freiheiten beschneidet und über das emotionale Wohl und Wehe des Individuums entscheidet, ein quasi-religiöses lustfeindliches Konzept, das Zwänge aufbaut und Unterwerfung fordert.

    Die Emanzipation von einem Dr. G. Frank ist so wenig notwendig wie die Emanzipation von meinen Hinweisen. Die Emanzipation die Betroffenen wirkliche Freiheit und Herrschaft über ihr eigenes Leben, ihre eigenen Gefühle, den eigenen Teller und die ungebändigte Freude am Essen ohne schlechtes Gewissen zurück gibt, die ihnen Freiheit statt Kontrolleritis und den Blick auf Wirklichkeit statt Ideologie anbietet, diese Konzepte sind es die Frank empfiehlt und damit ist er letztlich den Menschen gegenüber verpflichtet und nicht einer Ernährungs-Ideologie, einem religiösen Gedöhnse das Menschen schwere Lasten aufbürdet.

    Nein, die Menschen brauchen keine Emanzipation um sich von der Ideologie ein passendes Stück abzuschneiden. Sie brauchen die wirkliche Emanzipation von den Anpeitschern der Ernährungsideologien, derer, die die Menschen mit Engelchen und Teufelchen auf den Schultern ausstatten und sie unter den ständigen Frust und Angst erzeugenden Spagat von richtig essen, richtigem Essen, falsch essen, falschem Essen, Körperideal, Sporthetze Lifestylereglement und Gesundheitswahn verkaufen.

    Diese Konzepte arbeiten mit subtilen Zwängen. Ich unterstelle Ihnen persönlich keinerlei negative Beweggründe, ganz im Gegenteil. Dennoch ich sehe wie Ihnen eine Aufdeckung dieser Zusammenhänge nicht passt, wie sie die Einsichten vermeiden und wie sie an ihrer gewohnten Sicht festhalten trotz deutlicher sachlicher Argumente, die schon die faulige Wurzel der Ernährungsideologien aufzeigen. Leider sind diese Argumente ja durch Zensur verloren gegangen.

    Echte Freiheit kann nur eine objektive Betrachtung der Faktoren Ernährungsverhalten und Ernährung mit sich bringen und dafür stehen sicher nicht Personen, die eine Diätform bewerben so Facettenreich und liebreizend sie das auch machen. Es ist das Sirenengesäusel das Betroffene verlockt in die wissenschaftlich bewiesene „Diätfalle“ einzusteigen bzw. mit dem bereits begonnen hilflosen Rudern von Diät zu Diät fort zu fahren. Es dient aber nicht den Menschen die den Ideen folgen sondern dem Ego, dem Geldbeutel, und der Selbstbestätigung der Erfinder-Gurus. Koste es die Betroffenen „Jünger“ was es wolle.

    Vielleicht sind meine Worte zu grob, vielleicht noch viel zu sanft. Ich möchte niemanden Angreifen oder schlecht machen sondern einfach nur Aufklären. Anfangs dachte ich das dies auch Ihrem Interesse entspräche und rechnete mir aus als Kommentator hier unterstützend meine Sichtweise anbieten zu können. Ich poste jeztt nicht mehr in Ihrem Blog. Zensur zur Untergrabung von Argumenten muss ich mir nicht dauerhaft geben.

    beste Grüße und danke für den Gedankenaustausch und für die verschiedenen Themenhinweise.

  5. Nein, der Kommentar ist bloß in der Moderationsschleife hängen geblieben.
    Das Ganze ist eine sensible Materie. Wenn ich von Experten höre, die behaupten, dass Kleinkinder keine Kartoffeln bekommen dürfen, fühle ich mich durchaus bevormundet und belehrt. Vielleicht auch, weil ich an das böse Getreideschalengift nicht so ganz glauben kann.
    Gut, ich gebe es zu: Hier im Blog gibt es richtigen Blödsinn.
    http://fressnet.de/blog/?p=1871

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