Die Massai-Diät

“Ich muss jetzt etwas gegen meine Pfunde tun; wenn ich anfange, mich in der Sauna oder im Schwimmbad wegen dem dicken Bauch zu schämen ist es Zeit, etwas zu tun, und so habe ich mich entschlossen, eine Woche auf Kohlenhydrate zu verzichten und esse jetzt eiweißbetont!”

Perfekt. Fragt sich nur, für wen.

Welche Diät halten die Massai?

Wer als Nomade, Jäger und Viehzüchter sein Leben fristet, wird sich mehr bewegen und anderen Gesetzen gehorchen als unsereins: Die Massai leben in einer eigenen Welt.

Und das Erscheinungsbild ist von den Lebensumständen und der Genetik bestimmt.

Seien sie auch rank und schlank – es reicht wohl nicht, anhand dieser Merkmale hier eine “Diät” nach den Massai zu benennen, um zu werden wie ein Massai. Wenn dort der Eiweißanteil der Nahrung hoch ist – man muss essen, was es gibt, und bei Viehzüchtern gibt es Fleisch – ist das kein Grund, aus dem Eiweiß einen Kult zu machen.

Heiliges Eiweiß, oder Fetisch Eiweiß??

Wer auch immer auf den Ausdruck “Diät-Papst Pape” gekommen ist – er hat viele Nachahmer gefunden. Journalisten sind nicht immer besonders originell – sonst wären sie auch Geschichten – Erfinder geworden; so geben sie Legenden wider, die andere für sie erfunden haben.
Eine dieser Legenden besagt, dass Eiweiß bestimmt nicht dick macht und Kohlenhydrate schädlich sind.

“Ja, probier’ das mal. Ich nehm’ das Eiweißpulver mit Wasser, zwei, drei Esslöffel als Ergänzung vor den normalen Mahlzeiten; dadurch wird man schneller gesättigt, isst weniger Kalorienreiches und wird eher schlank”.

So wurde ich vor etlichen Jahren von der eigenen Schwester ;-) beeinflusst, die als Akademikerin für rationales Denken ja eigentlich qualifiziert sein sollte.

Gesundes Misstrauen gegenüber Werbe-Versprechungen ist aber auch nicht schlecht. Ich hatte die Sache mit dem Pulver ein paarmal probiert ohne davon wesentlich satter zu sein. Diese Eiweiß-Gläubigkeit war also ein Irrweg.

Während bei den Massai Rinderblut und Milch als Mixgetränk auf dem Speiseplan stehen, wird hierzulande unter “Massai-Diät” so ein aromatisierter Eiweiß-Shake verordnet, oder zwei ;-)

Low-carb, oder no-carb. leiern die Gebetsmühlen im englischsprachigen Teil der Welt, Eiweiß-Diät, Schlank im Schlaf oder eben Massai-Diät schallt es bei uns. Nicht ohne Auswirkungen: Die Manipulation geht so weit, dass die Vernunft ausgeschaltet wird und die Eiweiß-Diät-Anhänger beratungsresistent werden.

Sie glauben ja vielleicht unbewusst, den Körperbau eines Massai erlangen zu können, indem sie sich entfernt ähnlich wie ein solcher ernähren, aber ganz anders leben.

Die Eiweiß-Gläubigen werden es nie lernen…

… jedenfalls nicht, wenn die “Eiweiß-Kur” gerade mal eine Woche dauert: Die Kohlenhydrat-Speicher im Körpergewebe sind geleert, die Beschränkung aufs Eiweiß wird gelockert, es kommt der Appetit auf Brot, Nudeln, Kartoffeln und Reis – eigentlich alles gute Produkte für eine kalorienarme Ernährung, aber vorübergehend unter einen Bann gestellt – und jetzt können die Speicher wieder aufgefüllt werden. Einhergehend mit den Kohlenhydraten, die der Körper ja nicht als Staub einlagern kann, wird Wasser gespeichert, und das Gewicht nimmt am Ende der Massai-Eiweiß-Diät rapide zu. Die Moral von der Geschicht’?

Glaub’ diesem Pape nicht, oder auch: Einmal Massai-Diät – immer Massai-Diät oder gar nicht.

Eine moderate Portionsdiät, eine langfristige Ernährungsumstellung aber wird von den Massenmedien nicht propagiert – nach einer gewissen Gewöhnungszeit gäbe es nämlich nicht mehr so viel zu propagieren, weil der mit den einseitigen Reduktionsdiäten verbundene Jo-Jo Effekt ausbliebe.

Diät und Dummheit

Die so in die Irre geführten sind ja nicht von sich aus und freiwillig dumm, sondern verdummt worden. Experten im weißen Kittel (miss-) brauchen das Vertrauen der Diät-Willigen, um ihre Mittel und Rezepte zu verkaufen, auch Bücher und DVDs, Journalisten brauchen die Rezepte, weil es gilt, Sendeplätze und Papier zu füllen, die Leser, weil sie unterhalten sein wollen und Gesprächsstoff – “was, wo mer drüwwer babbeln kann” brauchen.

Sie glauben, was sie wollen und was ihnen verkauft wird. Wenn der Verkäufer lügt und über den Sinn seiner Produkte und Rezepte die Unwahrheit sagt: Das findet man nicht heraus, indem man ihn fragt, ob das auch stimmt, was er sagt: Immer muss der Lügner sagen, dass er die Wahrheit besitzt. Und sagt.

Die winzig-kurzen Beine der Massai-Diät-Lüge

… proportional zu ihrer Glaubwürdigkeit und Langzeit-Tauglichkeit ;-)

Update:

Widersprüche bei der Massai-Diät

Was Dr. Pape uns als “Massai-Diät” verkaufen will hat mit der Realität der Ernährung bei den Massai wenig bis nichts zu tun. Der ORF weist auf eine Studie hin, die zeigt, dass

“… viele Klischees über die Ernährung der Massai nicht zutreffen. Entgegen historischer Berichte essen diese Menschen nicht vorrangig Fleisch und Blut, sondern der Anteil pflanzlicher Nahrung liegt deutlich über 50 Prozent. Zum Frühstück trinken Massai stark gesüßten Milchtee, tagsüber und abends basiert die Ernährung auf Mais und Milch.”

Kohlenhydrate sind bei den Massai also keineswegs tabu.

In der Regenzeit geben die Rinder mehr Milch; “Diese wird in Flaschenkürbissen zu einem joghurtähnlichen Getränk fermentiert. Fleisch werde nur selten verspeist, sagt Knoll: “Ein Rind schlachten die Massai höchstens zu rituellen Feiern.””

Wie Dr. Pape die “Massai-Diät” darstellt, zeugt von außerordentlichem Hochmut: Wie sollen wir von Anderen etwas lernen, wenn wir ihre Lebensweise nur grob vereinfacht und verfälscht darstellen?

“Ich bin davon überzeugt, dass indigene Völker über für unseren Planeten essentielle, lebenswichtige Erfahrungen und Weisheit verfügen und, wenn die Welt nicht dringend handelt, ein Großteil davon in den nächsten Jahren verschwinden wird. Viele Menschen in hochentwickelten Ländern sehnen sich nach einer Verbindung zum zeitlosen Wissen und zur Schönheit dieser alten Kulturen.” (Dana Gluckstein)

Wer einfach nur vereinzelte Elemente aus anderen Kulturen “übernimmt” ohne ein Verständnis für deren Situation zu entwickeln, darf als Kulturbanause bezeichnet werden…

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9 Kommentare zu “Die Massai-Diät”

  1. [...] der “Massai-Diät” (ist nicht alleine schon die Wortwahl allzu verächtlich, rassistisch und irreführend?) wird es [...]

  2. [...] den Beitrag so nett präsentiert, wird doch glaubhaft sein, was da erzählt wird – auch, dass die Massai Diät halten. Klar, das gibt es ja nicht nur in Afrika, sondern auch in Europa: Regionale Diäten, jeder [...]

  3. Ach Du liebe Güte – die nächste Diät! Wie schon gesagt – sehr nett und sympathisch im TV vom netten und sympathischen Herrn Kerner. Alles nach dem Motto: Seht Euch die Massai an; muskulös, schlank, beweglich.

    Hat sich schon mal irgendjemand Gedanken über die tatsächlichen Lebensumstände dieses Volkes gemacht?

    Wie kann man nur auf die Idee kommen, mit ein paar Esslöffeln eines dubiosen Pulvers, Obst, Gemüse und Fleich nach industrienationalen Standards diese Lebensumstände nachzuahmen?

    Tatsache ist doch, dass eine gesunde Ernährung mit Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Geflügel, Milchprodukten etc. verbunden mit Bewegung zum Abnehmen führt (was bei einigen Zeitgenossen dringend nötig ist).

    Ich ernähre mich gesund, treibe Sport in Maßen und schaffe es tatsächlich mein Gewicht von 56 Kilo bei 163 cm Größe zu halten.

    Dieses Jahr werde ich 57 Jahre alt und ich bin kerngesund. Ohne Hautflecken, Falten und Dellen, die keiner will.

    Es geht auch ohne Pseudo-Diät!

  4. [...] jedenfalls sind sie (die Kohlenhydrate) den Freunden und Anhängern dieser Glaubensrichtung (gemeint ist “Schlank im Schlaf”) verboten, und in der “Massai-Diät” sind sie verboten. [...]

  5. @ Dagmar:

    Da hast Du ja so Einiges und gut formuliert!
    Natürlich braucht kein Mensch wirklich diese “Massai-Diät”.

    Figurmäßig: Da kannst Du natürlich Deinen Weg beibehalten.

    Andere müssen ihren alten Weg verlassen und was Neues anfangen. Und dann den neuen Weg beibehalten ;-)

    Soll heißen: Die Umstellung ist nicht so ganz einfach.

  6. Die traditionelle Massai-Diät besteht aus sechs Grundnahrungsmitteln: Fleisch, Blut, Milch, Fett, Honig und Baumrinde. Wild, Huhn, Fisch und Salz sind verboten. Erlaubt ist (beim Fleisch) geröstetes (gegrilltes) und gekochtes Rind-, Ziegen- und Schaffleisch. Sowohl frische als auch saure Milch wird getrunken, und tierisches Blut wird zu bestimmten Zeiten -nach der Geburt, nach der Beschneidung und Exzision oder während der Genesung von einem Unfall getrunken. Das Rinderblut kann frisch oder mit Dickmilch getrunken werden, oder als heilende Suppe (Motori). Offenbar ist das Blut wegen des enthaltenen Salzes besonders wichtig. Die Maasai essen allgemein zwei Mahlzeiten am Tag, morgens und nachts. Milch und Fleisch müssen bei der Massai-Diät getrennt werden. "Sie trinken 10 Tage lang Milch, so viel sie wollen, und dann Fleisch, mit Baumrindensuppe für mehrere Tage dazwischen." Bei den Kriegern, die von den Frauen getrennt essen, ist die bevorzugte Mahlzeit eine Mischung aus Fleisch, Blut und Fett (munono), was ihrem Glauben nach am meisten Kraft gibt. Viele Tabus (Verbote) regeln die Essensgewohnheiten der Massai. Männer dürfen Fleisch, das in Kontakt mit Frauen gekommen ist, oder von einem unbeschnittenen Jungen berührt wurde, nachdem es gekocht wurde, nicht essen. vgl. hier

    Ergebnisse neuerer Feldforschung zur Massai-Diät:

    Beim IDW gibt es noch den Bericht über eine Feldstudie zu den “Ernährungsgewohnheiten eines nomadisch lebenden Stammes im Kajiado-District. Die verblüffende Erkenntnis der Feldstudie: Obwohl sich die Massai einseitig und mangelhaft ernähren, sind sie erstaunlich gesund.”

    So sind bei den Massai “gesunde Omega-3-Fettsäuren [zu] finden, obwohl sie nicht über die Nahrung aufgenommen wurden. „Diese Ergebnisse haben uns überrascht. Sie beweisen die enorme Anpassungsfähigkeit des menschlichen Organismus“, sagt Prof. Dr. Gerhard Jahreis vom Lehrstuhl für Ernährungsphysiologie, unter dessen Leitung die Studie durchgeführt wurde.”

    Zubereitung des "Porridge"; Hauptbestandtteil: Mais

    Bildquelle: IDW

    “Nadja Knolls Studie belegt, dass die tradierten Erzählmuster über die Ernährungsgewohnheiten der Massai nicht zutreffen. Afrika-Reisende wie Gustav Adolf Fischer (1848-1886) und der Brite Joseph Thomson (1858-1895) haben das Bild von den blutrünstigen Massai verbreitet. Ihren Berichten zufolge ernährte sich das Hirtenvolk vorrangig von Fleisch, Milch und Blut. Besonders hoch sollte der Anteil von fermentierter Milch sein, einer Art Joghurt.
    Nadja Knolls Ergebnisse sprechen da eine andere Sprache. Die Wissenschaftlerin von der Jenaer Universität fand heraus, dass die Massai zum Frühstück stark gesüßten Milchtee zu sich nehmen. Einige Massai verzehren vormittags „Porridge“, einen flüssigen Brei aus Maismehl, Wasser, etwas Milch und Zucker.
    Zum Mittag gibt es meistens Milch und „Ugali“, eine Art Polenta, die aus Maisgrieß und Wasser zubereitet wird. „Das Abendessen gleicht dem Mittag“, sagt Knoll.”

    Nun werden die Reiseberichte aus längst vergangenen Zeiten nicht falsch gewesen sein – aber aktuell sind sie jedenfalls nicht mehr. Die eiweißreiche low-carb-Ernährung, die bei “unserer” Massai-Diät praktiziert werden soll, gehört also eigentlich auch in die Vergangenheit ;-)

    Eine effektive Diät kann sich aber aktuell auch hierzulande an den Lebensgewohnheiten der Massai orientieren, zum Beispiel beim Fernsehkonsum. Hier ist Verzicht zu fordern allerdings nicht populär; mit unpopulären Anforderungen ist in unserer Spassgesellschaft auch nichts zu verdienen, also passt sich der Diät-Arzt den Wünschen des Publikums an und erfindet neue Legenden.

  7. Tomaten – unverzichtbar in der Massai-Diät?

    Wenn wir bei den Legenden, die über die Massai-Diät verbreitet werden, die Spreu vom Weizen trennen underfahren wollen, wie die Massai sich wirklich ernähren, hilft das Internet: Die Bildersuche nach “Massai Markt” fördert nämlich Fotos von Märkten zutage, zeigt, welche Lebensmittel bei den Massai gehandelt und verbraucht werden.

    Tomaten: unverzichtbarer Bestandteil der MAssai-Diät

    Das Photo, von dem hier nur ein Ausschnitt zu sehen ist, belegt jedenfalls, dass bei den Massai auch dem Gemüse gegenüber aufgeschlossen sind.

    So kunstvoll, wie hier die Tomaten gestapelt sind, werden sie hierzulande jedenfalls nicht präsentiert.

    Die Eiweiß/Fleischbetonte Ernährung der Massai ist offenbar ein Ammenmärchen.

     

  8. [...] spektakulären Erkenntnisse über die Massai-Diät also. In der "Großstadt” gibt es Innereien, Kochbanane, Okra und Gewürze – welche [...]

  9. [...] Eigentlich schade, dass Dr. Pape sich nicht auch noch als Finanzberater betätigt. Wer weiß, welche Rezepte er uns dann präsentieren würde. Wahrscheinlich hätten sie die gleiche wissenschaftliche Grundlage wie seine “Massai-Diät”. [...]

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