Metabolic-Balance – fragen Sie Ihren Apotheker!

Auch wenn der Apotheker nicht allzuviel Zeit für ein ausführliches und kostenloses Beratungsgespräch haben sollte – vielleicht hat er ja noch ein Heft der Apotheken-Umschau vom Januar dieses Jahres übrig, in dem zur Metabolic-Balance-Diät ausführlich Stellung genommen wurde:

Das augenscheinliche Kernstück des Verfahrens ist eine Blutprobe – das ergibt den Hauch von medizinischer Untersuchung und Wissenschaftlichkeit, ist, was die gefühlte Wirksamkeit der Methode betrifft, das Salz in der Suppe, das “gewisse Etwas” und das exklusive Moment, das andere Diäten eben nicht haben.

Die Probe wird in einem zentralen Metabolic Balance-Labor untersucht. Dabei bewerten die Mediziner 36 Standardparameter, darunter Blutfettwerte, Kalzium und Leberenzyme.

Zusätzlich füllt der Teilnehmer einen kurzen Fragebogen aus. Anhand dieser Angaben bekommt jeder eine Liste spezieller "erlaubter" Lebensmittel.

Was erlaubt ist und was nicht, hat vielleicht ein Computerprogramm ausgewertet. Dabei lässt sich Herr Funfack jedoch nicht in seine Karten schauen, das Programm ist geheimer als die Weight-watcher-Plus-Punkte-Formel; das Prinzip  “Geheimwissen” hat gleichzeitig eine unterschwellig esoterische Note – vielleicht wurde ja tatsächlich die Planetenkonstellation bei der Geburt mit den Ernährungsanweisungen verknüpft ;-)

Im Interview mit der Apotheken-Umschau sagte Dr. Martin Hofmeister, Ernährungswissenschaftler von der Verbraucherzentrale Bayern weiter:

"Die wenigsten Coaches sind Ärzte oder Ökotrophologen. Viele sind einfach Ernährungsberater – und so darf sich jeder nennen. Der Begriff ist rechtlich nicht geschützt!", weiß Hofmeister. Es genügt eine 17-tägige Schulung zum "Metabolic Balance Coach".

Die vier Metabolic-Diät-Phasen, im Artikel über die Metabolic-Balance-Kochbücher nur kurz angerissen, hier noch einmal ausführlicher:

1. Die Entlastungsphase
Diese Phase dauert zwei Tage. Erst wird mit Glaubersalz oder anderen Präparaten abgeführt. Dann gibt es nur entweder 200 Gramm Vollkornreis, 1,5 Kilogramm Kartoffeln, ein Kilogramm Obst oder 1,5 Kilogramm Gemüse. Alternativ besteht das Frühstück aus der halben Portion des Üblichen, das Mittagessen ist eine frisch gekochte Gemüsesuppe mit einem Apfel, abends gibt es Gemüse oder Salat.
"Beim Abführen gehen natürlich fast alle Darmbakterien verloren. Das kann bei Abnehmwünschen gefährlich und kontraproduktiv sein", warnt Hofmeister.

Bei so einer Rosskur ist abnehmen ja schon unvermeidbar…

2. Die strenge Phase
In den ersten zwei bis vier Wochen besteht das Essen täglich aus nur etwa 1000 Kilokalorien. Auf dem Speiseplan stehen nur die ausgewählten Lebensmittel laut Diätplan. Außerdem sind neun Regeln zu beachten, wie das Verbot, Gerichte mit Öl zuzubereiten.
"Bei einer so reduzierten Kalorienzufuhr ist es eigentlich selbstverständlich, dass die Programmteilnehmer abnehmen. Aber die Auswahl der Lebensmittel bleibt unklar", erklärt Hofmeister. Eine Gefahr sieht der Ernährungsfachmann im Verzicht auf Öl. Das kann in den ersten Wochen zu Vitamin-E-Mangel führen.

“Mach mal eine 1000-Kalorien-am-Tag-Diät” – das war schon vor 50 die üblichste Empfehlung zum Abnehmen. Dabei ist es überhaupt nicht sinnvoll, die Kalorienzufuhr so weit zu drosseln: “Entzugserscheinungen” wie Hunger und Unwohlsein sind doch eigentlich die notwendige Folge. Mögliche Diätfehler werden dann aber dem Klienten, nicht der Methode angelastet.

3. Die gelockerte Phase
Über einige Wochen kommen mehr und mehr Lebensmittel in den Ernährungsplan. Einmal pro Woche dürfen Sie beim Essen von den Regeln abweichen. Ab jetzt ist viel Bewegung wichtig.
„Der späte Zeitpunkt der Bewegung wundert mich. Körperliche Ertüchtigung zählt in allen anderen mir bekannten Varianten des gesunden Gewichtsmanagements unbedingt dazu“, so Hofmeister.

Wobei der Ausdruck, den Dr. Hofmeister wählt – “körperliche Ertüchtigung” – noch ein wenig unzeitgemäß an preußische Tugend, zackige Turnübungen und Schul- oder Kasernenhof erinnert, und oft etwas abschreckendes hat. Ob “Training” besser klingt?
Dass bei “metabolic Balance” so lange mit dem Sport gewartet wird, führt die Klienten jedenfalls zunächst in eine passive Haltung, sie durchleben dadurch eine Zeit, die noch mehr als sonst mit den Gedanken an Essensvorschriften ausgefüllt ist als sonst: Wenig Chancen, den Gedanken an eine Selbstwirksamkeit zu nähren.

4. Die Erhaltungsphase
Diese Phase soll eigentlich für immer andauern. Die Ernährung ist nun komplett umgestellt und der Stoffwechsel sollte im Gleichgewicht sein. Die Teilnehmer müssen sich weiterhin an den Ernährungsplan halten und Sport treiben, um nicht wieder zuzunehmen.
„Ein Jojoeffekt ist bei diesem Programm quasi programmiert, verursacht durch die extrem reduzierte Kalorienzufuhr in der strengen Phase“, meint Hofmeister.

Eines ist klar: Wer sich lebenslang an einen relativ starren Ernährungsplan mit ausgesuchten, erlaubten Lebensmitteln halten soll, entwickelt das Gefühl, krank zu sein – und Heißhunger auf das Verbotene – denn was verboten ist, macht uns ja gerade scharf.

Bis zum Beweis des Gegenteils halte ich “Metabolic Balance” also für eine kontraproduktive Fehlinvestition. Unter “Beweis” könnte man zum Beispiel eine Anerkennung der Metabolic-Balance-Methode durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen verstehen ;-)

siehe auch: 

Diäten-Vergleich

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Ein Kommentar zu “Metabolic-Balance – fragen Sie Ihren Apotheker!”

  1. [...] Nett, unterhaltsam und ein klein wenig kritisch, dieser WISO-Beitrag zu Metabolic Balance. [...]

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