Mit den Weight-Watchers nach China

Angeregt von optimistischen Schätzungen zum Umsatzpotential bei Übergewichtigen und durchs Übergewicht bedingte Krankheiten wurden in einem Artikel der Financial Times die Möglichkeiten auch in China und Indien angesprochen:


Indien ist bereits heute das Land mit den meisten Diabetespatienten. Bis 2020 könnte die Zahl auf 100 Millionen steigen, fürchtet die WHO. In China sorgt die Verstädterung für einen ähnlichen Trend: Auf dem Land beträgt der Anteil der Übergewichtigen nicht einmal fünf Prozent, in den Städten sind es dagegen bereits 20 Prozent.

In diesem kurzen Abschnitt verbirgt sich ganz eindeutig die Tatsache, dass Übergewicht ein Zivilisationsproblem, eine Folge veränderten Lebensstils ist.  Die Diabetes-Problematik in Indien ist übrigens ein interessantes – und erschreckendes – Problem, aus dem auch wir viel lernen könnten.
Der FTD-Artikel widmet sich jedoch der einen oder anderen Firmenpolitik:

Auch Weight Watchers ist bereits in China angekommen. In einer Kooperation mit dem Lebensmittelkonzern Danone hilft der Konzern seit September 2008 auch in Schanghai beim Abnehmen.

Vorstandschef David Kirchhoff sprach bei der Eröffnung der ersten Niederlassung vor Diplomaten zurückhaltend von einem Pilotprojekt. "Diätprogramme sind in asiatischen Ländern nicht so populär wie in Amerika und Europa", sagt Jing Wu, Analystin von Decision Resoures. "In den Großstädten, wo der westliche Lebensstil mehr und mehr kopiert wird, könnte sich das aber ändern." Darauf lauern etwa Lebensmittelkonzerne und Fastfood-Ketten, die in den USA bereits davon profitieren, dass Millionen Menschen abnehmen wollen oder müssen.

Es ist schon erstaunlich, dass diesem vergleichsweise winzigen und unwichtigen “Projekt” hier so viel Aufmerksamkeit gewidmet wird, als ob die  Weight-watchers eine bedeutende Firma seien.
Bedeutend ist sie jedenfalls in der öffentlichen Wahrnehmung, und dafür wird auch einiges investiert; Kirchhoff:  “Wir arbeiten in vielen Ländern immer wieder mit prominenten Persönlichkeiten zusammen, die eine Vorbildfunktion für viele Teilnehmer haben.”

Das Zitat bezog sich übrigens auf den “Fall Kiewel”, der nicht wirklich vorbildlich war.

Auch die Pharmaindustrie hat so ihre Schwierigkeiten mit dem Verkauf ihrer ”Abnehmkonzepte”: Zum Einen fehlen die wirksamen und nebenwirkungsfreien Pillen, zum Anderen heißt es, in China würden zu viele Plagiate vertrieben.

Schade, dass die FTD sich nicht einmal gefragt hat, was Weight-Watchers und Abnehmpillen in China positiv bewirken sollten:

Aus der Sicht der Traditionellen chinesischen Medizin “geht” die Behandlung von Übergewicht nun wirklich ganz anders, und, wenn wir ihr auch nur ein Quäntchen Wirksamkeit zubilligen, sind solche Programme auch abzulehnen: Das Abnehmen ist nicht das primäre Ziel zwischen Ying und Yang.

(Foto: cc Dale Gillard)

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Ein Kommentar zu “Mit den Weight-Watchers nach China”

  1. [...] Fortsetzung: Mit Weight-Watchers in China [...]

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Frische Kommentare

  • Katrin Schröder: Lieber Klaus-Peter Baumgardt, vielen Dank für diesen wunderbaren Blogbeitrag...
  • Tanja Praske: Hi Klaus aka @fressnet, ein fettes Danke für deine satirische Teilnahme an...
  • Antje: Ich habe nur ein paar Fragen, hab viel gelesen über Mangostantropfen und sehe nichts...
  • HundefreundLukas: Obwohl der Beitrag schon etwas älter ist, finde ich das trotzdem etwas krass
  • christine Bouzrou: Ich fand Ingwer mal ganz schrecklich. Mittlerweile liebe ich ihn :)

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