Abnehmen mit Herbalife – Shakes als Diät oder lieber mehr Initiative & Lernbereitschaft?

Weltweit verkaufen bei Herbalife 1,6 Millionen Direktverkäufer Diätprodukte, Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetika an mehr als 30 Millionen Kunden, 2006 mit einem Umsatz von 3,3 Mrd. Dollar, Tendenz steigend – die Lizenz zum Direktvertrieb in China hat man schon.

Wenn schon viele Diätbücher Abnehmwilligen das Blaue vom Himmel versprechen und lügen, dass sich die Buchdeckel biegen, wird ein Berater, der Umsatz machen will, Dir nur das Beste versprechen?

Dabei dürfte klar sein, dass vor allem verunsicherte Kunden mit angeschlagenem Selbstbewusstsein für die Botschaften von der sinnvollen Nahrungsergänzung empfänglich sind.
Positive Berichte in Abnehmforen gibt es genügend – falls mancher “Berater” als anonymisierter Gast sich lobend über das eigene Produkt äußert, kann kein Webmaster dies nachweisen. Die immer gleichen Argumente pro “Abnehmen mit Herbalife” setzen wir hier jedenfalls als bekannt voraus.

Kleinanzeigen mit Inhalten wie

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werden breit gestreut.

Dass diese Berater, die von ihrer Arbeit auch nicht alle leben können, dem Image selbständiger Ernährungsberatung nicht förderlich sind, ist ein Drama für sich.
Das Argument “kostenlose Beratung” ist m.E. nicht redlich, wenn der Berater (die Beraterin) letztlich nur den Kauf einiger Produkte anzuraten hat, und sonst nichts leistet, außer ein wenig echtem oder vorgespielten Interesse an der Situatin der Kundin/des Kunden.

Eine kostenlose Beratung ist prinzipiell nicht machbar, nur ist nicht nicht immer ersichtlich, woher die Mittel stammen und wer bezahlt. Kosten und Nutzen der bunten Beratungs-Broschüren und Internetportale der Krankenkassen etwa einmal gegenüberzustellen, wäre eine interessante Darstellung.

Bei einer unabhängigen Diätberatung könnte auch schon einmal die Frage nach Lebensstil und Lebensziel auftreten, nach Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Vorlieben und Konflikten, Erwartungen, Hoffnungen und Ängsten.
Diese Fragen haben allerdings ein anderes Kaliber als solche, die mit dem Hinweis auf die optimale Zusammensetzung eines garantiert bewährten Produkts, wie Herbalife zu beantworten sind.

Bei Gewichtsproblemen wäre das Ziel der Beratung, die Veränderungsbereitschaft „unentschlossener Personen“ zu fördern, wobei motivierende Gesprächsführung auf ein konfrontatives Vorgehen gerne verzichtet, das “hin- und her” oder “auf und ab” nicht als mangelnde Einsicht verstehen muss und diagnostische Etikettierungen vermeidet. Wirkliche Empathie kann die Selbstwirksamkeit fördern, jedoch wohl kaum in einem Verkaufsgespräch.

Dass auch Vertreter im Direktvertrieb ihre Aufgabe ernst und wichtig nehmen, ist dabei anzunehmen – natürlich ist es eine “Mission”, Staubsauger oder Nahrungszusätze unters Volk zu bringen und einen möglichst hohen Umsatz, eine merkliche Provision zu erzielen.

Wenn ein hochpreisiger Staubsauger, von einem wortgewandten Vertriebler verkauft, nicht besser ist als ein günstigeres Modell aus dem Fachhandel, wird damit kein allzu großer Schaden angerichtet.

Eine Pflaume, in einer Holzschale in der Sonne liegend und ungemein pflaumig ausschauend

Mittel, die mit dem Versprechen der gesundheitlichen Verbesserung, der Gesundung oder erhöhter Leistungsfähigkeit und leicht abgenommener Pfunde verknüpft sind, wecken jedenfalls Hoffnungen.
“Geplatzte Träume” können nicht nur leichte Verstimmungen, sondern auch schwere Depressionen auslösen.

Es scheint, bei einem Blick in die Abnehmforen, wo die immer gleiche Geschichte von der nur kurzfristig wirksamen Diät, deren Erfolge schneller wegschmelzen als die zuvor verlorenen Pfunde, das gegebene Versprechen, die geweckte Hoffnung in dieser Form auch nicht berechtigt.

Ob die gemachten Aussagen zur Wirksamkeit der angerührten “Ergänzungsmittel” wissenschaftlich objektiv haltbar sind – diese Frage bedürfte einer objektiven wissenschaftlichen Untersuchung, die dann aber auch nicht in der Schreibtischschublade verbleiben dürfte, sondern öffentlichkeitswirksam zugänglich sein müsste.

Für den Fall, dass der langfristige durchschnittliche Nutzen gegen Null geht, wäre Vorsorge zu treffen, auch in Hinblick auf die Existenzgrundlage der in diesem Markt vom Direktvertrieb Lebenden. Denen wäre nur noch anzuraten, sich um andere Beratunginhalte zu kümmern.

Im Falle von Essstörungen mit der Absicht, Nahrungsergänzungsmittel zu verkaufen, zu “beraten”, erscheint ethisch nicht mehr zu rechtfertigen. Da seitens der Politik Prävention und Gesundheitsförderung zur Zeit auf dem Stundenplan stehen, läge es doch nahe, dieses Kapitel mit in den Lehrplan unserer Repräsentanten aufzunehmen.

Dieser Artikel ist eine Ergänzung zum Diäten-Vergleich bei Fressnet.de. So viel kann hier schon verraten werden: Nicht nur die “Herbalife-Diät” hat nicht allzu gut abgeschnitten; Noten werden hier allerdings auch nicht vergeben, denn das wäre bereits Augenwischerei.

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2 Kommentare zu “Abnehmen mit Herbalife – Shakes als Diät oder lieber mehr Initiative & Lernbereitschaft?”

  1. Irgendwie kann ich mir nicht helfen, aber diese Sache mit den Diäten kann ich nicht verstehen. Es ist doch ganz klar, dass ich mein Leben ändern muss wenn ich auf Dauer viel an Gewicht verlieren will und das Gewicht danach in einem “Normalbereich” einpendeln möchte. Es wird auch nicht ohne ein Mehr an Bewegung gehen :!:

    Und selbst wenn mal wieder ein paar Pfunde drauf kommen, dann wird an der Zufuhr etwas reduziert und der Sport was raufgedreht, dann klappts auch wieder. Der Körper reguliert das schon selbst ganz gut. (Selbsterfahrung).

    Lutz

  2. Bei mir hat es ja lange gedauert, bis aus der anfänglichen Skepsis gegenüber “den Diäten” eine entschiedene Absage geworden ist.
    So hatte ich anno Tobak eine “7-Körner Kur” aus dem Reformhaus ausprobiert – die war zu 85 % schrecklich. Dabei hängenbeglieben ist immerhin eine gelegentliche Vorliebe für Buchweizen.
    Ich habe mich jahrelang geweigert, einen Artikel über “Diäten-Vergleich” zu erstellen, weil ich das alled unsinnig fand.
    Mittlerweile äußere ich hin und wieder mal eine – hoffentlich nachvollziehbare – Kritik an dem Diätrummel.
    Mein Bewegungsprogramm ist zwar nicht so konsequent wie Deins, aber dass Bewegung keine Qual sein muss, sondern auch enfach Spass machen kann, dazu will ich morgen einen kleinen Beitrag bringen.

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Frische Kommentare

  • Antje: Ich habe nur ein paar Fragen, hab viel gelesen über Mangostantropfen und sehe nichts...
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  • christine Bouzrou: Ich fand Ingwer mal ganz schrecklich. Mittlerweile liebe ich ihn :)
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