Was darf die Verlängerung des Lebens kosten?

Kürzlich fand sich bei   heise.de ein Artikel, in dem von der lebensverlänernden Wirkung eines Mittels namens  Rapamycin berichtet wurde; bereits betagte Mäuse, die es bekamen, überlebten ihre unbehandelten Mitmäuse.
50 Milligramm (eine Tagesdosis?) seien für 32 EURO zu haben, heißt es gleich zu Beginn des Artikels, und es wurde von einer Wirksamkeit bei “Säugetieren” gesprochen: Macht 1000 Euro im Monat, das ist schnell über den Daumen gepeilt…

Am Rande dieser Meldung sind auch die Osterinseln einmal wieder in den Nachrichten aufgetaucht:

Die organische Substanz ist für einen Mythos wie geschaffen. Schon ihre Entdeckungsgeschichte ist spannend: Rapamycin, auch Sirolimus, leitet seinen Namen von den Osterinseln, Rapa Nui, ab – es wurde zuerst in Bodenproben von diesem geschichtsträchtigen Eiland identifiziert. Wo bald tausend nach wie vor rätselhafte Moai-Steinfiguren aufs Inselinnere blicken, entsteht Rapamycin als Stoffwechselprodukt der im Erdboden lebenden Bakterienart Streptomyces hygroscopicus.

Dementsprechend ist der Artikel auch gleich mit einer Abbildung der Moai-Figuren illustriert.

Die gehören zu einer längst ausgestorbenen Kultur, die dereinst die Wälder ihres begrenzten Lebensraums aus kultischen Gründen abgeholzt hatte und vermutlich in einem Kampf zwischen “Langohren” und “Kurzohren” den kürzeren gezogen hatte, aber auch die siegreiche Bevölkerung wurde bald dezimiert: Durch Versklavung und von den westlichen Welterforschern eingeschleppte Krankheiten.

Wenig ist von der Kultur der Osterinsulaner erhalten: Weltweit verstreut in diversen Museen findet sich hier und da eine Holztafel mit nicht entzifferten Schriftzeichen, von denen es einmal eine ganze Bibliothek gegeben hatte – verheizt.

Auf nacktem Fels wächst bekanntlich nichts:

Als Kommandant Sanvicente zum ersten Mal Lampedusa betrat, fand er ein mit »camarrone (Taxus), Linsen, Wacholder, Mastixbäumen« und »unendlich vielen Olivenbäumen und wilden Johannisbrotbäumen« bewachsenes Land vor.
Doch binnen weniger Jahrzehnte erlebte Lampedusa dasselbe Schicksal wie die sizilianische Mutter. Schon im 19. Jahrhundert war der Wald mit Stumpf und Stiel gejätet und in Form von Holzkohle verscherbelt worden. Wind und Regen wuschen danach den Humus aus.

Wo ganze Kulturen untergehen, weil sie die Umwelt, ihren Lebensraum zerstören, erscheint die Frage nach der Verlängerung des individuellen Lebens absurd. Das jüngere Beispiel (Lampedusa) zeigt auch nur: “Nichts dazu gelernt”. 

Nun wird Rapamycin bereits in der Tranplantationsmedizin angewandt, es unterdrückt das Immunsystem, und eine Anwendung im breiten Maßstab würde etliche medizinische und ethische Probleme nach sich ziehen.

Prompt tauchten also Meldungen über alternative Weisen der Lebensverlängerung auf: Eine gewisse Unterversorgung mit Kalorien scheint den Stoffwechsel bei Primaten so zu beeinflussen, dass die Alterungsprozesse verlangsamt werden.
Und wieder ist nicht bekannt, inwieweit die Gültigkeit des Tierversuchs auf den Menschen übertragbar ist…

Auch von “kulturell bedingten Maßnahmen zur Verkürzung des Lebens” ist zu lesen:  Die Frage “Wieviel bewegen wir und?” lässt sich immer noch (oder immer wieder) mit “Zu wenig” beantworten. Hier mal zum Beispiel ein Bericht über die Situation in Großbritannien… 

Eine Verlängerung des Lebens lässt sich – vielleicht ist das aber auch eine Milchmädchenrechnung – auch erreichen, wenn schädliche Einflüsse abgestellt werden. Mehr Bewegung sollte eigentlich kostenlos zu haben sein.

Stellt sich weiter die Frage, was die “Ausschaltung” schädlicher Einflüsse wie Umwelteinflüsse (z.B. Stress durch Lärm und schlechte Arbeitsbedingungen) und Süchte (z.B. Nikotinsucht, Alkoholismus, Fettsucht) kostet, und wie ein förderliches soziales Miteinander gelebt werden kann.

 

Alt zu werden, ist  auf Okinawa keine Frage von Medikamenten, sondern der Lebensweise. Die älteren Semester werden dort allerdings auch nicht in Altersheime oder Seniorenresidenzen abgeschoben, sondern bleiben  in den alltäglichen produktiven Abläufen integriert.

Wir ahnen nur ungefähr, was die Osterinsulaner falsch gemacht haben.  
Bei der obigen Abbildung scheint ein Teil des ursprünglichen Kultgegenstandes zu fehlen.

Auch darüber, was wir heute falsch machen, gibt es eine gewisse Lücke in der Erkenntnis. Oder nur eine Lücke bei der Wahrnehmung, und den Konsequenzen?

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