“Ernährungskrise” – Die Illusion Von Normalität

Wir sind mal wieder ziemlich Zahlen-fixiert: Die Corona-Zahlen wollen sich nicht bessern, das Klima spinnt systematisch, die Wirtschaft wankt und mit der Welternährung wird es hyperkritisch, wenn die Meeresswpiegel steigen und Milliarden von Menschen festen Boden unter den Füßen suchen. Während Wohlstand wie Armut hierzulande noch in “Autos pro Person” gemessen werden, müssen wir uns “vorbildlich” von jeglicher Ressourcenverschwendung befreien, weil das sonst nicht funktionieren kann mit den erneuerbaren Energien:

Also geben wir das Urlaubsfliegen auf, vermeiden Abfall,  füttern keine Schweine mehr mit Import-Raubbau-Soja von gerodeten Urwaldflächen, sondern futtern selbst Kartoffeln, Linsen und alle möglichen “Veganfoods”.

 

Käsesemmeldampfknödel mit Salat an Fertigsauce

“Altbackenes” ist lecker – und damit “Foodwaste“zu vermeiden, ist auch kein Problem. “Käsesemmellleldampfknödelviertel mit Salat”: Etwas größer dargestellt, erkennt man die Machart etwas besser. Das Interesse am  konkreten Rezept  (also das Interesse, es nachzukochen) ist nicht genau zu schätzen. Sicher ist gleichzeitig, dass der fluffige Knödel auch mit etwas Mehr an leckerer Kräuteressig-Öl-Salatsauce gut und gern harmoniert ;-) .

 

Das wird lecker! Nur – wir lassen uns ordentlich Zeit mit der Umstellung, damit niemand denkt, wir lebten in Umbruch-Zeiten.

Bei “Maischberger” geht es zum Beispiel während der öffentlich-rechtlichen “Klimawoche” um Deutschlands liebstes Kind und die Mobilitäts-Arbeitsplätze beim Autobau, wobei natürlich nicht gefragt wird, wie viel Personal der “öffentliche Transportsektor” brauchen würde, wenn der Individualverkehr “NULL” gefördert würde und dazu die von ihm verursachten Kollateralschäden zu begleichen hätte.

Wo Peter  Altmeyer und Luisa Neubauer  zusammenhocken, ist auch nicht die Rede von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft (die Bauern sind ja keine “Arbitnehmer”, sondern “Selbstständige”), den Hinweis auf die Verkehrswende gibt es nur von einer Seite, und der Verweis auf den Bedarf an Ernährungswende kommt aus falschem Taktgefühl nicht. Damit wird deutlich, dass die Naturverbrauchswende absolut in unserem Sprachgebrauch gehört. Sie ist mit der “ökologischen Wende” verwandt, und deutet viel direkter auf Handlungsfelder hin, wo es anzupacken gilt.

 

 

 

Der Zwerg hat geredet, aber…

Tarek Al-Wazir (* 3. Januar 1971 in Offenbach am Main)  sollte sich mal mit dem mythischen Wesen, das er auf Händen trägt, beschäftigen. Sonst liebt er doch auch Märchen und Mythen: Flughäfen sind gut für die Regionalentwicklung, Flächenversiegelung kann kompensiert werden, Hessische Autobahnen mit Elektro-Oberleitungen – kann man ja mal probieren. Autobahn- und innerörtliche “Speed-Limits” durchsetzen – können “wir” nicht.

Wir sollten mal einen Blick in die Zukunft wagen: Wenn dann nicht mehr jeder in Hessen verkaufte Yoghurt aus der Voralpenregion oder aus Schweden kommt, wenn Käse aus Hessen in Hessen bleibt wie das “Stöffchen”, der Apfelwein, wenn Streuobstwiesen gar den heimischen Most-Bedarf decken könnten – dann findet auf der Autobahn doch viel weniger Elefantenrennen statt.  Die Verkehrswende steht vor der Tür, wenn zum Beispiel nur noch Daten auf große Reise gehen, weil die benötigte Waren vor Ort gedruckt werden, und wenn der Lebensmitteleinzelhandel das Sortiment umstellt auf regionale und echte Lebensmittel.

 

 

Die Speisekarte der Zukunft

Mit den technischen Veränderungen in der Produktion bei gleichzeitig vermehrter Kalorienzufuhr hat man Anfang der 70-er Jahre sich auch im “real existierenden Sozialismus” bemüht, bedarfsgerechtere Ernährung sicherzustellen.

Die „Speisekarte der Zukunft“ setzt auf ausgewogene Kost auf Grundlage hochwertiger Rohstoffe. Ernährungsforschung, Lebensmittelindustrie und die Betriebskantinen der VEB arbeiten dabei Hand in Hand. In den Laboren wird an kalorienarmen Rezepturen geforscht, die Produktion setzt auf Fertiggerichte, während Betriebsrat und Küchenteam Kalorien für den Mittagstisch zählen. Zukünftig kommt trotzdem keine Hightech-Pille auf den Tisch. Gesunde Ernährung in der DDR bleibt lecker und ausgerichtet auf ein angenehmes Lebensgefühl.

Es ist durchaus sehenswert, wie  damals zum Beispiel die “Gläschen für Babys”, heutzutage als Gemüsebreie und Gemüse-Fleisch-Breie von Hipp, Dm Bio, Bebivita und anderen bekannten Herstellern im Handel, schon damals als fortschrittlich propagiert wurden . Dass in der Sowejtunion damals die Herstellung von “Kaviar” auf Pflanzenbasis betrieben wurde, hing mit der Energie, die im Laufe der Nahrungsmittelkette mit jedem weiteren Glied verloren geht, zusammen.

 

Es gibt – außer dem schönen Schein – eigentlich keine guten Gründe, Nahrung tierischen Ursprungs zu imitieren. Wenn die Industrie jetzt pflanzliche Texturen unter echter Panade versteckt und als “Veggieschnitzel” verkauft, sollen meinetwegen die sogenannten Veggies sich daran erfreuenm und ich hoffe, es bekommt ihnen.

Bratkartoffeln aus violetten “Erdäpfeln” sind dann doch authentischer.

 

 

Der globale Überkonsum bringt die Welt zum Kippen

Wollen wir mal “Unsere Welt neu denken”, zukunftsorientiert, ökologisch und sozial? Das machen ja schon Viele, kaufen ein Buch und lesen es, oder stellen es ins Regal, oder Beides.

Im Gespräch mit Jörg Thadeusz erklärt Maja Göpel, woran wir merken, dass unsere Welt an einem “Kipp-Punkt” steht und worin die Einflussmöglichkeiten einer Ökonomin auf eine mögliche Veränderung bestehen.

Beim  “Talk aus Berlin” ging es kürzlich um glückliche Kindheit und (zu) Privates, um Lächeln auf dem Buchcover und “Überkonsum”, wobei das etwas ist, wozu die Anhänger dieses Kults nicht so gere bekennen – und selbst Ernährungsblog, bei dem es auch ums Übergewicht und dessen Bekämpfung geht, scheint den Begriff “Überernährung” zu meiden, obwohl es die doch ohne wenn und Aber gibt.

Die Mässigung als notwendige Gegenspielerin der Überernährung kommt immerhin vor, und ich darf zitieren:

Diätziel:

Das kann lauten:

Essen und Trinken mit Maß und Ziel, mit Vernunft, Genuss und Verstand

Schwierig hierbei ist, dass nicht “10 oder 20 Kg Abnehmen” als Diätziel genannt werden – und dass nichts versprochen wird. Wer Rattenfängern auf den Leim geht, “die Masse” also, findet hier keinen Lockstoff. Zudem deutet sich an, dass “Mässigung” und Zurückhaltung gepredigt oder propagiert werden, und da will das Bauchgefühl, das “Es”, das Lustprinzio nicht unbedingt folgen, also folgern viele “Das ist nichts für mich, da mach’ ich nicht mit”.

“Mäßigung für die Ohren” gibt es – hier nur für Neugierige und Mutige hinter diesem Link:  chamisso-maessigung-mass

Zudem verbirgt sich die Botschaft “Vermeidet es, Euch zu über-essen” bereits, nur ganz leicht verschlüsselt, im Titel dieser Internetseiten – nämlich “Fressnet” ;-).

 

Demzufolge gibt es hier öfters kleine Portionen, auch mal als veganen Imbiss:

Die lila Bratkartoffeln mit Schnittlauch werden von fermentiertem Rosenkohl begleitet, der, zusammen mit viel Knoblauch und etwas Zitrone gegart, doch recht intensiv säuerlich schmeckt – “da muss man durch” und “gewöhnungsbedürftig” ist ja normal für alles, was nicht ins Gewohnheitsraster passt: “großartig“.

 

 Das schlichte vegane Drei-Gänge-Menü

Ich spare uns jetzt viele Worte, zugunsten einigern Bilder:

Der schnell gemachte Salat als Vorspeise

 

Nuss-gefüllte Spitzpaprika, Pilze aus dem Rotweinsud, aufgewärmter Kartoffelkloß – energiesparend zubereitet im Multicooker.

 

Yoghurt plus Labne, püriert, mit Banane

 

Mehr und mehr wird inzwischen über “Weihnachten” gesprochen, und dass dieses Fest in diesem Jahr anders als “immer” wird, ist nur eine Prognose. Nehmen wir auch an, dass es ganz ohne Gans über die Bühne gehen kann; Hauptsache stressfrei.

Wir haben mittlerweile als Alternative zum “Weihnachtsfilm” (“welchen Strream hätten Sie denn gerne?”) übrigens noch die Option “Neuartiges Literarisches Quartett”, mit dem wir sozusagen auf Exkursion gehen können, und außerdem, wie immer, sollte allein schon der Gedanke an “Essen” etwas erheiterndes haben:

 

 

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