Pyramiden, Portionen, Hände und Händchen

Die “energiereduzierte”, vollwertige Mischkost ist vielleicht nicht die neueste Mode und auch nicht der letzte Schrei auf dem Ernährungssektor, aber wahrscheinlich doch ein ganz guter Mittelweg.
Wie wissenschaftlich fundiert dieser Weg ist – lassen wir das einmal offen, denn es gibt keine einheitliche Ernährungswissenschaft, und viele “Wissenschaftler” kommen zu vielen, natürlich unterschiedlichen Ergebnissen.

Bei der DGE hat man im Zusammenhang mit „10 Regeln für vollwertiges Essen und Trinken” im Jahr  2005 in Zusammenarbeit mit dem Bundesverbraucherministerium, also hochoffiziell und nicht unpolitisch,  sowie dem aid infodienst die dreidimensionale Ernährungspyramide herausgegeben, die eine graphische Anleitung zur Umsetzung bietet. Regel Nr. drei ist übrigens:

Gemüse und Obst –
Nimm „5 am Tag“…

DGE und AID haben je ihre eigene Pyramide, kommen wir hier zur AID-Pyramide, die sich als unviersell didaktisches Modell versteht:

Ob man diese Pyramide als gelungen betrachten kann? Eigentlich nicht – denn Getränke verhalten sich zum Essen wie das Schlafen zum Wach-Sein (vgl. Artikel  “Diät”).
Man sollte das Trinken also separat abhandeln. Besonders, wenn man die unterschiedlichen Trinkgewohnheiten von Erwachsenen und Kindern bedenkt.

Das Konzept der aid-Ernährungspyramide orientiert sich streng an den wissenschaftlichen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und des Forschungsinstituts für Kinderernährung. Es kommt ohne grammgenaue Mengenangaben aus, so dass niemand seine Mahlzeiten abwiegen muss. Denn als Maß für eine Portion gilt eine ganz einfache Größe: die eigene Hand.

In Kinderhände passt eine kleine Portion, während die Portionen bei Erwachsenen entsprechend größer ausfallen. Das macht das Konzept für jede Zielgruppe leicht nachvollziehbar.

Die Hand als Maßeinheit – schön und gut – aber bei den  Senioren unter uns verringert sich der Nahrungsbedarf mit dem Grundumsatz, und die Hände werden nicht kleiner, und bei Öl, Fett und Süßigkeiten hat es sich auch ganz schnell ausgehandelt – eine Handvoll Butter plus eine Handvoll Öl ist nicht gerade eine sinnvolle Portion, und welche Portion, welche Menge faktisch empfohlen wird – da kann mal lange suchen.

Bei einer vorgegebenen Anzahl von Portionen pro Lebensmittelgruppe ist es auch überflüssig, mit den Ampelfarben zu operieren – Fett an sich ist nicht “rot” = “böse”, sondern nur in Abhängigkeit von der Aufbereitung und Menge wird es schädlich.

Bei der Portionsdiät gibt es auch die – hier aber nach den unterschiedlichen Bedürfnissen differenzierte – Einteilung der Portionen. Siehe auch: Die Portionsgrößen, illustriert.
Aus der Graphik, die die Aufteilung für ca. 1.400 Kcal darstellt,

wurde ein Konzept, das den Überblick bei der Ernährung durch synchrones Protokollieren und Planen gewährleisten kann – durch ein simples Formular, das deutlich einfacher als eine Steuererklärung zu verstehen und zu handeln ist (Sicher, manche verstehen es nicht – das sind dann aber psychische Widerstände und nicht die Fehler des Formulars).

Das Konzept “Portionsdiät” ist primär als gangbarer Weg, Gewicht “abzuwerfen” oder (dann) zu halten gedacht. Kürzlich kam die Frage auf, ob es denn auch wissenschaftlich evaluiert sei. Nun ja, bei den kompetenten Vorbildern, die die Grundlagen liefern, ist diese Frage eigentlich eher überflüssig. Es gibt – gemessen an der “Fünf am Tag”-Empfehlung, vielleicht ein bisschen zu viel Obst und Gemüse…

Das ist aber kein praktischer Nachteil, und individuelle, eigenverantwortliche Anpassungen sind ja nicht verboten, sondern Ausdruck der Selbstbestimmung.
Die Portionsdiät kann, soll und will ja nur Vorschläge machen, und keine Vorschriften.

siehe auch:

AID, Ernährungspyramide, Gesunde Ernährung, und was wir darüber wissen sollen

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Ein Kommentar zu “Pyramiden, Portionen, Hände und Händchen”

  1. [...] im Wesentlichen mit den Ernährungsempfehlungen der Mayo-Klinik und den Ernährungsempfehlungen der DGE bzw. des AID identisch. Auf der Ebene der Nährstoffversorgung steht die Portionsdiät somit auf sicherem [...]

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