Forschungsergebnisse vermitteln und langsamer essen

Wenn wir uns, bevor wir die nächsten Studienergebnisse konsumieren, einen Moment für die Frage nach dem Zweck der Wissenschaft nehmen – der könnte darin bestehen, Wissen zu schaffen, das auch praktisch verwertbar ist, Orientierung zu vermitteln, schließlich “dem menschlichen Leben Nutzen zu bringen” – dann können wir eher eine angemessene Haltung dem folgenden Untersuchungsergebnis gegenüber einnehmen:


Menschen, die ihre Mahlzeiten schnell herunterschlingen und bis zum Eintritt des Sättigungsgefühl essen, sind … dreimal häufiger übergewichtig.

Natürlich betrifft dieser Sachverhalt nur eine Minderheit ;-) —- die Allgemeinheit ist jedoch von diesen Umständen betroffen:

  • Die Ernährungsgewohnheiten haben sich in den letzten Jahrzehnten geändert.
  • Die Nahrungsmittel sind günstiger und energiedichter geworden.
  • Die Portionen sind größer und die Dauer der Mahlzeiten ist kürzer geworden.
  • Die Esskultur ist beim Besuch von Fast-Food-Ketten, aber auch zu Hause verloren gegangen.
  • Immer mehr Menschen … essen nebenbei beim Fernsehen oder vor dem Computer.

Als Risikofaktor für Übergewicht haben sich das schnelle Essen und das Essen bis zum Eintritt des Sättigungsgefühls herausgestellt – wobei die Kombination von Schnellessen und Essen bis zum Sättigungsgefühl besonders “wirksam” ist.

Sicher ist es nicht schwer, die Frage, welchen Nutzen wir aus dieser Studie für uns selbst ziehen können, zu beantworten.
Ergänzend gibt es hier auch noch den Artikel “Wie wir essen – was wir essen”.

…  Elizabeth Denney-Wilson von der Universität Sydney … hat für die Vorliebe der heutigen Menschen zum Fast Food eine evolutionsbiologische Erklärung.
In der Vorzeit seien Menschen, die ihre Beute schnell und in großer Menge hinunterschlingen konnten, im Vorteil gegenüber langsamen Essern gewesen, glaubt sie. Auch sei die Gefahr, selbst zur Beute wilder Tiere zu werden, geringer gewesen.

Na schön. Nur einmal zur Klarstellung: Inzwischen leben wir im Hier und Jetzt, die Vorzeit ist vorbei, die Angst, beim Essen gefressen zu werden, ist unbegründet.  Und die Wissenschaftler (Nicht unbedingt die, die in der Lebensmittelindustrie arbeiten)  haben seither so einiges unternommen, die Lebensbedingungen zu verbessern. Und so ein bisschen an Kultur hat die Menschheit doch auch entwickelt; zum Beispiel die fast-food-Kultur ;-(
Womit sich die Folgerung: “Es kommt halt darauf an, welchem Kultus wir folgen” ganz zwanglos ergibt.

 

Ergänzend:

Hirschfelder, Günther:
Europäische Esskultur:
Eine Geschichte der
Ernährung von der
Steinzeit bis heute

in Google Bücher

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Frische Kommentare

  • Katrin Schröder: Lieber Klaus-Peter Baumgardt, vielen Dank für diesen wunderbaren Blogbeitrag...
  • Tanja Praske: Hi Klaus aka @fressnet, ein fettes Danke für deine satirische Teilnahme an...
  • Antje: Ich habe nur ein paar Fragen, hab viel gelesen über Mangostantropfen und sehe nichts...
  • HundefreundLukas: Obwohl der Beitrag schon etwas älter ist, finde ich das trotzdem etwas krass
  • christine Bouzrou: Ich fand Ingwer mal ganz schrecklich. Mittlerweile liebe ich ihn :)

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