Die Effizienz von Fast-Food – Jetzt erwiesen!

Dass Fast-Food – also Nahrung, die im (industiellen) Prozess viele Verarbeitungsschritte durchläuft – dick und damit krank macht, wurde bisher mehr vermutet als bewiesen; bisher, doch jetzt liegt der wissenschaftliche Beweis vor:

Hunger ist neben Frieren und Schmerz-oder-Stress empfinden, im allgemeinen und besonderen, eine Angelegenheit, die wir instinktiv fürchten – aber auch, wenn die objektive Gefahr eher gering ist, überbewerten. Hunger kann grausam sein – doch davon will ich jetzt nicht erzählen.

Heute sättigen bereits Schokoriegel (und nicht nur die) – die Kassen der Süß-Industrie, bevor der “kleine Hunger zwischendurch” überhaupt auftritt, also präventiv. Hoch verarbeitete Lebensmittel sättigen besonders effektiv – machen rechnerisch satter als satt, faktisch jedenfalls dick.


Dieses weiche Vollkornbrötchen aus der Plastiktüte firmiert als “Hot-Dog-Roll” und hat nichts mit heißen Hunden zu tun – weil es kein Würstchen verschluckt hat? Richtiges Fast-food ist es aber auch nicht; was kann es also demonstrieren?
 
 

Die dickmachenden Eigenschaften von Fast-food (Höchst beliebt ist die Tiefkühlpizza) mögen auch durch die Zutatenliste bedingt sein, doch etwas Anderes kommt hinzu, wie eine Studie zeigte:

Slow eating, not fast food

A crucial clue as to why the ultra-processed foods caused greater calorie consumption may be that participants ate the ultra-processed meals faster and so consumed more calories per minute. This can cause excess calorie intake before the body’s signals for satiety or fullness… .

Die Bezeichung “Fast food” bezieht sich ja nicht nur auf die Zeit, die es braucht, bis es in den Händen des Essers ist, sondern auch auf die Geschwindigkeit, mit der es gegessen wird. Wer schneller isst, als die Sättigungssignale für ihren mühevollen Weg brauchen, hört zu spät auf.

Wer zu schnell isst, hat zu wenig Zeit zum Genießen

 

Das hatte ich schon unter dem Abschnitt

Hast und Eile – Zeitmangel und hastiges Essen

in einem Artikel über “Dickmacher und die freundlichen Schlankmacher” dargestellt – daus ergeben sich momentan zwei Fragen:

“Wo, bitte bleibt der wissenschaftliche Fortschritt???” auf der einen Seite, und “Wenn theoretisches Wissen  Wissen ist, das uns theoretisch zur Verfügung steht: Wie machen wir daraus praktisches Wissen?” auf der anderen Seite.

 

Ketchup, eine kleine, aber fette Schicht gebratenes und geformtes Hackfleisch, Senf, (Frühlings-)Zwiebel, Tomate, Knoblauch, Gurkenscheibchen, Salz, Knoblauch-Öl als Spray – viel Aufwand für ein halbes Vollkornbrötchen.

 

Um noch einmal zum Thema “stark verarbeitete und wenig verarbeitete Lebensmittel” zurückzukommen:

Zur oben genannten Studie gibt es eine Schlagzeile einer offiziellen Stelle, nämlich den US National Institutes of Health:

NIH study finds heavily processed foods cause overeating and weight gain

Small-scale trial is the first randomized, controlled research of its kind.

Hall KD, et al. Ultra-processed diets cause excess calorie intake and weight gain: A one-month inpatient randomized controlled trial of ad libitum food intake. Cell Metabolism (link is external). May 16, 2019.

 

 

Zuvor war der Zusammenhang zwischen Verarbeitungsgrad der Nahrung und Übergewicht also nicht “offiziell”, kann erst jetzt als bewiesen gelten. Die Befürworter einer “gesunden Vollwertkost” dürfen weitermachen ;-)

Weiterfragen dürfen auch wir, die uneingeweihten BundesbürgerInnen: Wenn Übergewicht nicht nur von Salz-Zucker-Fett herrührt, was sind die “weiteren Zutaten”?


Hier das letzte Bild aus der Serie mit den Vollkorn-Hot-Dog-Brötchen, die jetzt natürlich auch unter Verdacht stehen, schuld zu sein. Ein halbes Brötchen, aufgebacken und gebuttert, mit richtig altem Handkäs’, Zwiebel, Essig und Öl…

 

Typisch für viele “Überlegungen zu unserer Ernährung” ist auch hier die “Prämabel“, das “Vorwort”:

Over the past 70 years, ultra-processed foods have come to dominate the U.S. diet. These are foods made from cheap industrial ingredients and engineered to be super-tasty and generally high in fat, sugar and salt.

“Lebensmittel aus billigen Industrie-Zutaten, die darauf angelegt sind, super-geschmackvoll zu sein und generell einen hohen Fett-, Zucker- und Salzanteil aufweisen”. Was könnte das konkret sein?

Ein Beispiel: “quesadillas, refried beans and diet lemonade.” Eigentlich nicht unbedingt das, was die Alarmglocken klingen lässt – doch mit so einer “Diät” haben die Teilnehmer durchschnittlich “508 calories” pro Tag zusätzlich aufgenommen und durchschnittlich “… 2 pounds over two weeks … “gewonnen”".

 

Der Sinn der Übung

Essen soll sättigen, Trinken soll gegen den Durst sein. Die ultra-verarbeiteten Lebensmittel machen jedoch nicht für längere Zeit satt.
Angenommen, unsere “Befehles- und Steuerungszentrale” oder “innere Körper-und-Seele-Regulierungsbehörde” verfügt über eine Datenverarbeitung für Nahrungskonsum, die auch für Zufriedenheit und Wohlbefinden zuständig ist, könnte die doch in einem Anflug von Intelligenz beschließen:

“Wenn dieses Comfort-Futter, bei dem du nur schlucken und kaum kauen musst, nicht ausreicht, um bis zur nächsten Mahlzeit den Hunger fernzuhalten, wirst Du so lange essen, bis Du gründlich satt bist (also “etwas mehr”).

Die süße, zuckerfreie Limo wird vom System nicht als solche erkannt: “Was süß ist,  hat Brennwert, und wenn konsumierter Brennwert zu keinem Energiezuwachs führt,  müssen noch mehr Kalorien herbei”.

 

 

Dass die Industrie die “verführerischen” Aspekte der Fertig-Nahrung mindern wird, dürfte kaum zu hoffen sei, es sei denn, die Politik macht mal wieder ihre Vorschriften. Doch schon mit einer Kennzeichnungspflicht tut sie sich schwer und gehorcht  “Argumenten” wie der “Nutritions Score” sei wissenschaftlich nicht belegt, führe Verbraucher in die Irre, uns in eine “Kultur der Angst und Verängstigung”, Ampeln seien als System der Verkehrslenkung nie geeignet, Kaufentscheidungen zu lenken und überhaupt.

Bei den Wareniki – Russischen Maultaschen mit Kartoffelfüllung – wird es Manchen ganz warm ums Herz, was bedeutet, dass Essen auch Emotionen und die Seele anspricht. Die emotionale Seite der Ernährung zeigt sich auch 

 

Am Tatort.

Die Tatort-Kommissarin aus Frankfurt/Main, die zur Ermittlung in Nordhessen ein Hotelzimmer bezieht, hat das Motto: “My home is my Kassel”, und sie verhält sich vorbildlos zu der Regel: “Essen Sie, wenn Sie essen, und sehen Sie fern, wenn Sie fernsehen – aber tun Sie nie Beides auf einmal!”

“Faul herumliegen, dabei zappen und futtern, nicht zu vergessen: Die Getränke!”
 

Die Kommissarin, die sich mit Trost-Essen über ihren Beziehungsfrust hinweg rettet, ist ausnahmsweise entschuldigt, solange sie nicht aus Frust über ihre Figur futtert.

Und “die Allgemeinheit” ist bei eventuell vorkommenden Diätfehlern auch entschuldigt, denn die gegebene  Information über “die richtige Diät” reicht nicht.

Radieschen, Kartoffelbrei und Bratwurstbrät mit Zwiebel sollen hier eigentlich eine Pyramide formen, wenn man das Bild auch als mathematische Kurve interpretieren kann: Die sogenannte Ernährungspyramide jedenfalls ist ein Dreieck,  nur eine von 5 Seiten einer Pyramide, eine Äußerlichkeit “im öffentlichen Dienst und Bewusstsein”: Kann weg.
 

Natürlich ist “der Mensch” als mehrdimensionales Gesamtsystem im Zusammenwirken mit vielen Anderen und der (menschengestalteten) Natur und Umwelt zu verstehen, und es gibt immer mal wieder Zusammenhänge, die sich in einem Dreieck darstellen lassen:

“Hier hast Du ein Schema, schau’ es Dir an, und richte Dich danach” – wer so spricht, verhält sich gegen die Würde des Menschen.
 

Dass die Bereitstellung adäquater Lebensmittel nicht funktioniert, kann man ändern, nötigenfalls auch inklusive Erweiterung und Durchsetzung der Adipositas-Leitlinien.

 

Nun, liebe Leser*Innen, sollt Ihr, weil ihr so tapfer am Text geblieben seid, noch mit einem virtuellen Nachtisch belohnt werden – ausnahmsweise ;-)

Die Bratbanane war für ihren Zweck eigentlich zu weich, dafür aber desto süßer. Nur mit wenig Mehl “gepudert” und bei leichter Hitze in Butter gebacken (Bratpfanne). Einfach und schnell zu machen, ohne Zusätze und heiß – was will man mehr?

 

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