Burnout: 80 Prozent Steigerung in 13 Jahren

Den Schaden von  26,7 Milliarden Euro, der durch die neue Volkskrankheit “Burnout” nach Berechnungen des statistischen Bundesamt im Jahr 2006 entstanden ist, kann man sich nicht vorstellen.

Dass 9,3 Prozent aller Fehltage auf das Burn-out-Syndrom zurückgehen, mag man nicht glauben.

Durch einen brutalen Leistungsdruck hänge die psychische Gesundheit der Beschäftigten seit Jahren am seidenen Faden.

Und durch die Wirtschaftskrise verstärkt sich die Belastung weiter.

Die IG Metall hat deshalb zusammen mit dem Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) Forderungen aufgestellt, mit denen sie der Gefahr begegnen wollen. Sie plädieren für Frühwarnsysteme in den Betrieben, um Überforderung schon im Ansatz deutlich zu machen oder zu vermeiden.

Diese Angaben stammen aus einem Bericht, der inzwischen ein halbes Jahr alt ist. Konsequenzen aus der Forderung? Bisher keine. Das Burnout-Syndrom scheint weiter auf dem Vormarsch:

Die Arbeit in den Büros hat sich verdichtet, mit der Flut an Mails kommt der Kopf nicht mehr mit. Die Angst um den Job tut ein Übriges. „Um sich in der Firma unentbehrlich zu machen, geben die Leute das Letzte, oft mehr, als sie können“, schildert Pfarrer Hartmut Zweigle, Betriebsseelsorger im Großraum Stuttgart, die Zustände in IT- und Autoindustrie.

„Viele haben außerhalb der Arbeit keine sozialen Kontakte mehr.“

Dabei nimmt die Arbeitswut unglaubliche Züge an:

Unternehmer berichten davon, dass übereifrige Mitarbeiter sich weigern, Urlaub zu nehmen. Ein Dienstleistungskonzern in Frankfurt bezahlt einen Trainer eigens dafür, dass er die Leute spätabends nach Hause schickt: „Die glauben, wenn um 23 Uhr kein Licht mehr an ihrem Schreibtisch brennt, sind sie Schwächlinge.“

Es gibt das “Hochleistungsleben” mit „der Suche nach dem nächsten Kick, der genug Adrenalin ausschüttet, damit ich mich gut fühle“ und den Burnout der Helferberufe: “… bis heute sind Krankenschwestern, Erzieherinnen besonders häufig betroffen, ausgebrannte Lehrer füllen ganze Kliniken”.

Karriereorientierte Frauen verbieten es sich, “Schwäche” zu zeigen und schlittern – in der unpassenden Männerrolle – erst recht in den Burnout.

“Ganz oben” ist der Burnout sehr selten:

Anerkennung schützt vor Burnout

Die “großen Chefs” gelten als stressresistent – und das hohe Gehalt wirkt wie eine Schutzimpfung gegen den Burnout. Weiterhin empfehlen sich als Gegenmittel:

frische Luft, Bewegung, Interessen außerhalb des Berufs – und, ganz wichtig: stabile private Beziehungen.

Einmal abgesehen davon, dass ein “freiwilliger” 14-Stunden-Tag kaum effizienter ist, als ein durchschnittlicher Tag – bleibt noch das Betriebsklima zu hinterfragen: Es gibt Betriebe, in denen die Beschäftigten weit über 100 Überstunden angehäuft haben, und, wenn sie sie “abfeiern” wollen, sich dafür rechtfertigen sollen.

Solche “kleinen Ärgernisse” zehren in der Summe natürlich enorm und vermitteln nur das Gefühl, als Betriebsangehöriger als Mensch zweiter Klasse angesehen zu werden. Ebenso wäre aber auch zu untersuchen, ob von der vielgerühmten “Kameradschaft” im Betrieb außer einem Mythos noch irgend etwas geblieben ist.

Vielleicht liegt es auch an den Betroffenen? Lässt die “Burn-out-Persönlichkeit“  sich alles von außen diktieren, statt sich nach den eigenen Bedürfnissen zu richten?

Da gibt es die These von der innereren Stimme,  die Stärke und Perfektion verlangt, den Wunsch, es den Anderen recht zu machen – den Wunsch, anerkannt zu werden, also ein narzisstisches Bedürfnis.  Dass der Mensch versucht, sich den Verhältnissen anzupassen, gehört aber zur Überlebensgeschichte der Gattung. Der Gedanke, wir könnten die Verhältnisse den Bedürfnissen der Menschen anpassen, ist noch recht neu und wenig verwurzelt.
Ansonsten kann von hier aus nur empfohlen werden, sich gekonnt zu entspannen – Artikel über Entspannung und Entspannungstechniken lesen ;-)

Quellen:

Süddeutsche Zeitung

Frankfurter Allgemeine Zeitung

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Ein Kommentar zu “Burnout: 80 Prozent Steigerung in 13 Jahren”

  1. [...] Artikel, der zum kürzlich hier eingestellten Beitrag über die Zunahme des Burn-out-Syndroms als Quelle diente, hatte das Syndrom mit einem Bündel abgebrannter Streichhölzer illustriert. Das [...]

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