Suchanfragen, Rezept für Ginger Ale und die Freud’sche Psychoanalyse

Ganz interessant ist die “Konjunktur” der Suchanfragen, die von Google vermittelt werden. Momentan ist “Ingwer abnehmen” der Renner, aber das kann sich bal wieder ändern, und andere Seiten, die einen aktuelleren Text zum Abnehmen mit Ingwer oder auch ohne liefern, sind weiter vorne. Das gibt zu Denken: Die unersättliche Suchmaschine will gefüttert werden und braucht neue Rezepte mit Ingwer.

Rezept mit Ingwer zum Abnehmen: Ginger Ale, selbstgemacht

Ginger-Ale, selbstgemacht, wirksamZwei gehäufte Teelöffel fein gewürfelter, geschälter Ingwer werden im Mörser mit 3 Tl. Rohrohrzucker zerquetscht. In einen Becher geben, 200 ml. Mineralwasser zugeben, den Zucker auflösen, in ein Glas absieben. Das sieht ziemlich trübe aus, also wechseln wir das Thema:
Zu den weniger häufiger, aber bereits mehrfach eingetrudelten Anfragen gehört: “depression ansteckend”.

Das heißt doch, einige da draußen sitzen am Computer und überlegen, ob die Depression eines Anderen ansteckend sein kann. Wer auf achtsamen Umgang angewiesen ist, wird auf unachtsamen Umgang zumindest verstimmt reagieren. Zudem kann z.B. die Identifikation natürlich einiges bewirken.

Verantwortungsvolle Depressive werden einander nicht gegenseitig in die Krise reden, sondern sich gegenseitig aufmuntern. Man sollte es ja nicht glauben – aber es gibt Witze mit “Depression”:

Grüns ältester Sohn ist, um eine Katholikin heiraten zu können, zum christlichen Glauben konvertiert. Da einem frommen jüdischen Vater nichts Schlimmeres passieren kann, versinkt Grün in tiefe Depression und sperrt sich in seine Kammer.

Dennoch geht die Tür auf und ein alter Mann mit weißem Bart tritt ein. Es ist Gott: „Warum weinst Du, Grün?“ – „Soll ich denn nicht weinen, mein Sohn hat sich taufen lassen!“ – „Aber Grün, meiner doch auch!“ – „Ja, und was soll ich jetzt machen?“ – „Machs wie ich: Mach ein neues Testament!“

Gut, das hilft jetzt auch nichts, weil der Witz ziemlich schizophren ist …

Therapeutisch wirken sollte ja die Psychoanalyse, aber was “die Psychoanalyse” ist, hängt in der Praxis sehr von der Persönlichkeit des jeweiligen Analytikers ab. Ihr Bild ist sicherlich von Freud geprägt, aber auch das Verständnis dessen, was die “Freud’sche Analyse” ist, ändert sich. So ist kürzlich die Mitschrift einer Patientin Freuds als Dachbodenfund aufgetaucht und in Teilen auch publiziert worden.

Die Patientin erzählt, wie sie im Alter von vier Jahren mit ihrer Cousine, die noch ein Säugling war, umgegangen war:

Patientin: Ich kneifte sie u. quälte sie immer wieder wenn ich alleine war bis sie schrie …

Auf dem Balkon riss sie alle jungen Pflänzchen aus, die sie für Unkraut hielt, entdeckte, indem sie sich an ein gesimse presste, die Onanie.

Freud: Das ist eine ausserordentliche Erinerung. Plagten Sie auch ihren kl. Bruder?
Patientin: Ich legte ihn z.B. auf den Rücken, dass er nicht mehr aufstehen konnte.
Freud: … Man liebte sie nicht mehr so wie als sie noch allein waren. …
Patientin: Als mein Bruder W auf die Welt kam, fragte ich, als ich ihn sah: warum schreit er nicht?
Freud: Sie streifen so nahe am Geheimnis … , dass ich es ihnen verraten kann: Sie liebten ihren Vater und haben ihm den Treuebruch mit der Mutter nie verziehen. … Sie wünschten … ihrer Mutter, die ihnen den Geliebten nahm, den Tod. Nach und nach werden Sie Beweise dazu bringen u. es wird sich das Rätsel lösen warum sie nicht von ihrem Bruder loskommen.

Da die Geschichte so ausging, dass Frau G nach ihrer Analyse in Wien ihre geplate Hochzeit ausfallen ließ und zu ihrem Bruder nach Paris zog, wo sie eine Stelle in der Psychiatrie annahm, hat sie stattdessen seine Nähe gesucht.

Gelöst hatte sich kein Rätsel, selbst nicht beim Altmeister persönlich, trotz allem Herumgraben in der Vergangenheit. Kein Wunder, wenn Freud streng nach Schema F den Ödipus deutete, von dem er sich nicht lösen konnte.

Warum das Brüderchen nicht geschrien hatte, ob Schwesterlein, als sie ihn auf den Rücken drehte, Gefühle von Macht hatte oder andere Lust, ob es eine narzisstische, um Anerkennung und Bewunderung, die sie evozierte, kreisende Beziehung zum Bruder war, wie es Cousinchen weiterhin ergangen ist und wie Brüderchen, ob sie nicht gerade gegenüber dem Meister entscheidende, Schuldgefühle auslösende Punkte hat unter den Tisch fallen lassen (“der Verdrängung anheim” – unwirksam werden sie deshalb ja nicht) – wir wissen es nicht.

Related posts:

  1. (Un-) Endlich Wunschgewicht; A. Carr, Diät und Gehirnwäsche
  2. Übergewicht und Bezug zum gleichgeschlechtlichen Elternteil
  3. Cola-Musik: Happiness oder Gehirnwäsche?
  4. Calvin Klein-Werbung: Junge Männer in Unterwäsche heizen die weibliche Phantasie an
  5. Rezept Reispfanne mit Zucchini, Kohl und Putenbrust, selbstgemachte Tiefkühl-Fertiggerichte

4 Kommentare zu “Suchanfragen, Rezept für Ginger Ale und die Freud’sche Psychoanalyse”

  1. also Ingwer kriege ich nicht runter! Bäh.

  2. Vielleicht mit Zucker?
    Gerade war ich auf einer Seite zu “Vollwertkost”, da heißt es in einem Artikel:

    Abwechslungsreiche Gerichte und vieles probieren

    Vielleicht ist es ähnlich wie bei Knoblauch – von “einer Spur” (kaum herauszuschmecken) bis “heftig” – es kommt auf die Dosis an.

  3. [...] Ginger Ale [...]

  4. [...] Ginger-Ale, selbst gemacht [...]

Hast Du eine Anregung, Frage, Kritik oder ein Lob? Dann
Gib doch einen Kommentar ab!
(Aber keinen Quatsch schreiben!)

Frische Kommentare

  • Katrin Schröder: Lieber Klaus-Peter Baumgardt, vielen Dank für diesen wunderbaren Blogbeitrag...
  • Tanja Praske: Hi Klaus aka @fressnet, ein fettes Danke für deine satirische Teilnahme an...
  • Antje: Ich habe nur ein paar Fragen, hab viel gelesen über Mangostantropfen und sehe nichts...
  • HundefreundLukas: Obwohl der Beitrag schon etwas älter ist, finde ich das trotzdem etwas krass
  • christine Bouzrou: Ich fand Ingwer mal ganz schrecklich. Mittlerweile liebe ich ihn :)

Rubriken

Archive

Motivation