Zieht der BUND seine Schnuller-Studie zurück?

Da kommt Freude auf: Erst berichtet man über eine Studie, dann gibt es eine Studie zur Studie, und die erste Studie wird praktisch irrelevant.

Also, ich hoffe, hier keine Panik verursacht zu haben: “

"Eine neue Untersuchung von Babyschnullern auf Bisphenol A klingt erschreckend, ist es aber nach Expertenmeinung nicht."

Das war jetzt ein Zitat von Ökotest; einen Tag nach dem Fressnet-Artikel erschienen, bei NUK aufgeführt:

BPA ist einer von mehreren Rohstoffen, der zur Herstellung von Polycarbonat (PC) benötigt wird. BPA wird dabei im Material „eingebaut“ und ist dann darin fest gebunden. Das vom BUND und Global 2000 beauftragte Labor, hat nach einer bisher umstrittenen Methode die NUK Babyschnuller mechanisch zerstört und chemisch behandelt. Dass so aus den PC-Teilen der Schnuller BPA herausgelöst werden kann, ist möglich.

Und das Bundesamt für Risikobewertung (BFR):

… hat das BfR unter realitätsnahen Bedingungen gemessen, wie viel Bisphenol A sich bei Gebrauch des Saugers im Speichel löst, denn nur diese Menge kann vom Kind aufgenommen werden (Freisetzung). … Eine Freisetzung von Bisphenol A aus den Saugern war nicht nachweisbar. Die Untersuchungen wurden mit einer künstlichen Speichellösung entsprechend der Prüfnorm für Spielzeug, das in den Mund genommen wird, durchgeführt.

Laienhaft gesagt: Man kann den Schnuller shreddern und mit aggressiven Chemikalien auslaugen, oder man kann den Versuch unter annähernden Praxisbedingungen durchführen.

Noch einmal das BFR:

Aus Sicht des BfR ist die Substanz in Saugern vermeidbar und unerwünscht. Unklar ist bislang, auf welchem Weg Bisphenol A in die Babysauger gelangen könnte. Dieser Frage geht das BfR in weiteren Untersuchungen nach.
Insbesondere im Hinblick darauf, dass das Vorhandensein von Bisphenol A in den weichen Saugerteilen unerwartet ist, hält es das BfR für erforderlich, die Messwerte zum Gehalt und zur Freisetzung der Substanz mit einer weiteren Analysenmethode abzusichern.

Was mich jetzt noch stört, ist der Konjunktiv “könnte”. Enthalten ist Bisphenol A in einem Teil der Sauger –

In einem Drittel der Proben war kein Bisphenol A nachweisbar. In den übrigen Proben wurden Gehalte gemessen, die wesentlich niedriger waren als die Gehalte, die von den Umweltverbänden veröffentlicht wurden. Das BfR arbeitet gegenwärtig daran, diese Messergebnisse mit einer zweiten Methode zu überprüfen und abzusichern.

freigesetzt wird es in der Praxis wohl nicht. Das war jetzt relativ viel Wind um nichts. Vielleicht gibt es ja doch noch Alternativen zu den “Beruhigungssaugern”, die dann doch so beunruhigend sind.

Und wie war das mit den Plaste-Wasserflaschen?

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8 Kommentare zu “Zieht der BUND seine Schnuller-Studie zurück?”

  1. Flaschen: Zumindest der Frankfurter Versuch vom Jahresanfang war einfach Wasser in die Flaschen zu füllen. Also durchaus praxisrelevant. Aber da gings auch nicht um BPA.
    Bei Babyfläschchen mit BPA ist bekannt, dass sich vor allem durch das Erwärmen BPA löst.

  2. Bei den Wasserflaschen ging es um
    “hormonähnliche Substanzen”, ohne dass eine bestimmte Substanz genannt wurde.
    http://fressnet.de/blog/?p=1891
    Aber man kann es sich wohl denken.
    Die Tragweite dessen ist halt nicht bekannt;
    bzw. die Leute sind allgemein genervt von
    diesen Meldungen, könnte ich mir vorstellen.

    Wegen der Babyfläschchen – dass das dann
    immer noch auf dem Markt ist, verstehe ich
    nicht. Die heutigen Mütter sind doch soo
    besorgt….

  3. Bisphenol-A-Belastung von Schnullern doch nicht so schlimm?…

  4. na hoffentlich sind die mütter und auch väter so besorgt, dass sie beim nächsten Einkauf auf BPA-freie Fläschchen und Schnuller achten. die gibt es bekanntlich ja auch. warum ein Risiko eingehen?

  5. Bisphenaol A ist in so vielen Sachen enthalten:
    “Vor allem in Lebensmittelverpackungen, CDs und Kunststoffgeschirr aus Polycarbonat ist Bisphenol A enthalten. Auch für die Innenseite von Getränkedosen und andere Metallbeschichtungen wird Bisphenol A (als Bestandteil von Epoxydharzlack) verwendet.” (Website MAM)

    Also, wo man es weiß und wo es vermeidbar ist, sollte man doch darauf achten, es nicht zu kaufen, wenn niemand weiß, ob es Auswirkungen haben kann.

    Und neuerdings auch:

    http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/sexualitaet/potenz/erektile-dysfunktion-plastikbestandteil-schadet-potenz_aid_453221.html

  6. @ Petra:
    Ich seh das ähnlich.

    @ corinna:
    Der Focus-Artikel hätte allerdings in die Rubrik
    “sicherer Arbeitsplatz” gehört, weil da die Be-
    lastung mit den Arbeitsbedingungen zusammen-
    hängt. Und warum die Studie zu Bisphenol-A -
    Auswirkungen auf die Potenz jetzt ausgerechnet
    aus China kommen, wissen wir natürlich nicht.
    Hier kommt wohl niemand auf die Idee, dass es
    da Zusammenhänge geben könnte…

  7. aber die amerikaner sehen das ja ähnlich!!!!

    das zeug gehört einfach verboten!!! egal wo es drin steckt.

  8. [...] wenn man das Thema einmal aufgreift, muss man dran bleiben. Was den Speichel, der den Schadstoff aus dem Schnuller löst, [...]

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