Abnehmen mit Hoodia? – Später, vielleicht…

hoodia Die Geschichte um den “Wunderkaktus”  (“Hoodia gordonii, oft auch einfach nur Hoodia bzw. unzutreffender Hoodia-Kaktus genannt, ist kein Kaktus sondern eine sukkulente Pflanze” [Quelle]), ist schon recht verwirrend:
Die den Hunger unterdrückende Wirkung ist zwar schon seit einiger Zeit bekannt, erkennbar seriöse Hoodia-Präparate gibt es aber so gut wie nicht, und die Berichterstattung hinkt den Tatsachen hinterher.

Ersparen wir uns hier die Legenden um die Entdeckung der dem Gehirn Sättigung vorgaukelnde Wirkung; das eigentliche Problem besteht für hiesige Konsumenten darin, dass der Wirkstoff hierzulande rechtmäßig eigentlich nicht zu erhalten ist:

Hoodia gordonii steht in Südafrika unter gesetzlichem Naturschutz; die ganze Gattung Hoodia wurde im Jahr 2004 auch international unter Artenschutz gestellt (13. Vertragsstaatenkonferenz zum Washingtoner Artenschutzübereinkommen). Damit dürfen sowohl ganze Pflanzen als auch Teile und Erzeugnisse daraus (z. B. pharmazeutischen Produkte / Nahrungsergänzungsmittel) nur gehandelt werden, wenn eine naturverträgliche Herkunft nachgewiesen wird.

Aus den Anfängen des Hoodia-Booms (2005)  findet sich ein Arte-Artikel:

Die steigende Nachfrage großer Pharmaunternehmen lässt die Hoodia-Bestände rapide sinken. Nur wenige seriöse Händler legen Wert auf schonende Sammlungen. Im südlichen Teil der Kalahari fallen nur 20 Millimeter Regen pro Jahr – da braucht die Wüstenpflanze viel Zeit zum Wachsen. Seit die Wildbestände zurückgehen, gibt es Versuche, Hoodia zu kultivieren. Gut bewässert auf Sand und Kompost wächst die Pflanze plötzlich doppelt so schnell wie in der Natur. Dass sie damit doppelt wirksam ist, bezweifeln Spezialisten. Trotz dieser Zweifel ist die Nachfrage vor allem im Internet sehr hoch.

Wenn man die kommerziell erhältlichen Hoodia-Präparate unter die Lupe zu nimmt, sind die “… Resultate dieser Analysen (…) ernüchternd: Die große Mehrzahl dieser Mittel enthalten überhaupt kein Hoodia. Einige enthalten Spuren, aber bei weitem nicht genug, um effektiv zu sein. [Quelle]

Bleibt die Frage, ob Hoodia auch kultiviert werden kann, und immer wieder findet sich diese Frage bejaht, aber mit der Einschränkung, dass die “Kulturpflanze”, bei doppelter Größe und doppelt schnellem Wachstum, unter Umständen nicht wirksam sei.

hoodia

Das ist jedoch offenbar der Fall: In Natur.de beschreibt HARALD STUTTE seinen Selbstversuch:

Und dann nötigt mich van den Heever, Versuchskaninchen zu spielen. Ich esse morgens ein daumengroßes Stück Hoodia. Es sieht aus wie eine Zucchini, eine Zucchini mit Stacheln. Der leicht bittere Geschmack erinnert an eine grüne Paprika. Die Mittagszeit vergeht tatsächlich, ohne dass sich der sonst stets präsente kleine Hunger meldet. Und trotz der Hitze muss ich mich überwinden, etwas zu trinken, denn auch das Durstgefühl scheint abhanden gekommen zu sein. Erst am Abend meldet sich der Appetit wieder.

Der Reporter hatte einen Farmer besucht, der  Hoodia auf einer Fläche von 25 Hektar anbaut.

Was mit der Ernte geschieht, weiß man nicht:

Fest steht lediglich, dass Unilever das Produkt seines Schaffens abnimmt. Was die daraus machen, weiß er nicht. Von Zeit zu Zeit bekommt er Besuch vom Forschungs-Manager des Konzerns.

Wir wissen also nicht, was Unilever mit dem natürlichen, und vielleicht nebenwirkungsfreien Appetitzügler vorhat. Das wäre ja eigentlich eine interessante Frage, auch unter ethischen Gesichtspunkten. Zum Beispiel: Was darf eine erfolgreiche Gewichtsreduktion kosten?
Oder: Wäre es sinnvoll, den Verbrauch von nicht-sättigendem Junk-food mit Appetitzüglern zu senken?

Und besonders unter psychologischen Gesichtspunkten: Kann man, wenn man mit medikamentöser Unterstützung abgenommen hat, eigentlich noch behaupten: “Ich habe abgenommen”?
Würde mit solchen Mitteln nicht die Fähigkeit zur Selbstregulation deutlich eingeschränkt, also auch die Notwendigkeit eines gesunden Lebensstils in gewisser Weise sabotiert?

Und was passiert, wenn Magersüchtige das Mittel in die Hände bekommen?

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