Die Magie der Worte – warum Affirmationen hilfreich sein können

Eine Affirmation zum Abnehmen sollte schon einigermassen passen, aber die “Ich-wiege-78-Kilogramm-Sequenz” hatte ja auch nur experimentellen Charakter. 
So etwas unerforschtes wie eine Affirmation kommt ja in keiner offiziellen Empfehlung vor, wird aber recht häufig gesucht.

Vor 25 Jahren gab es noch an jeder Ecke (in Universitätsstätten) einen Copy-Shop, und so konnte ich gestern noch einmal in einem dicken Aktenordner blättern, der eine Kopie des sicherlich raren Buchs

Das Magische und das Schöne:
Zur Symbolik von Objekten und Handlungen
Ernst E. Boesch, Stuttgart-Bad Cannstadt 1983

enthält.  S. 138:

… magische Beschwörungsformeln sind für die, die sie verwenden, oft unverständlich. So werden die siamesischen Mantras … in einer Sprache [gebetet], die selbst die, die sie rezitieren, meist kaum verstehen. … sakrale Worte [besitzen] für den Gläubigen eine immanente Kraft, die sich herleitet einmal aus der Heiligkeit dessen, der die Worte zuerst gelehrt hat (Buddha), zweitens aus dem Inhalt der Worte selbst, und drittens durch die Übertragung von Kraft durch Buddha auf die lange Folge seiner Jünger (Sangha).

Die dreifache Basis des Glaubens an die Kraft sakraler Worte:

  1. Der Buddha, als Entsagender und mitfühlender Lehrer:
    die Quelle des Wortes
  2. Das Dharma (die Lehre) – die Verkörperung dieser makellos weitergegebenen Worte
  3. Das Sangha (die Schar, die Gemeinschaft) mit seinen Mönchen ist der geeignete Übermittler der Worte.

Anders gesagt: Der Buddha ist gegenwärtig in dem geweihten Bild und den Reliquienschreinen, die Worte sind verkörpert im Buch, der Mönch in menschlicher Gestalt.

Diese Dreiheit von Vorstellungen ist nicht allein dem Buddhismus eigen, wird doch Ähnliches auch in anderen Religionen ausgeführt.

Was die Gesundheitslehre und die Wurzeln der Weisheit, die Lebensweise betrifft, ist hier auch ein wenig aus unserem Kulturkreis dargestellt.

Daneben gibt es Lehren, die nicht so direkt als Glaubensgemeinschaft “auffallen”, weil die Lehre ohne religiöse Organisation auskommen muss: Beim Vegetarismus etwa wirkt im Hintergrund die Lehre von der Seelenwanderung (die auch Pythagoras vertrat),  bei der es aber keinen identifizierbaren Religionsstifter gibt.
Andere Kulte haben bewusst auf die schriftliche Festhaltung verzichtet, dennoch ist anzunehmen, dass ihre Lehren (implizit) tradiert worden sind.

Nun hat eine selbst erfunden Affirmation wenig mit überlieferten, abgesicherten heiligen Worten zu tun, außer einem gewissen sakralen Gehalt, oder der sakralen Form. Aber: Was wirkt, wirkt:

Die dem Wort und dem Ritual zugeschriebene Macht kann … sogar dazu führen, dass man nciht zuzuhören, sondern nur dabei zu sein braucht, wenn die Worte gesprochen werden. Kingsbill berichtet von einer Tempelzeremonie, der er beiwohnte, dass siebzehn Mönche gleichzeitig siebzehn verschiedene Predigten verlasen; das würde, so erklärte man ihm, dem Zuhörer auch siebzehn mal mehr religiöse Verdienste eintragen, als wenn nur ein einzelner Priester eine einzelne Predigt hielte (1960, S. 148) 

So viel (oder sowenig) hier also aus der “esoterischen Ecke”.

Festzuhalten bleibt, und das scheint mir das Wesentliche zu sein, dass es gar nicht immer darauf ankommt, rational nachvollziehbar zu argumentieren – das wäre bei einem Mantra, einem Amulett oder der Bachblüten-Therapie eher kontraproduktiv.

Und für jene, die da meinen, ein wenig mehr Spiritualität in das Leben einbringen zu sollen, sei noch einmal gesagt: Das haben wir bereits überall, in einer verqueren Form, an jeder Plakatwand und in jeder Werbesendung macht man sich die sakrale Form zu Eigen: Nur heißt es dann nicht Mantra, sondern Slogan

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Ein Kommentar zu “Die Magie der Worte – warum Affirmationen hilfreich sein können”

  1. [...] hat. Wer mit den Wirkprinzipien nicht zurecht kommt,  muss sich halt sagen lassen, dass er von Magie nicht allzu viel versteht. Dabei ist das Alles ganz einfach, hat mit Wundern im eigentlichen Sinne [...]

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