Nachtrag zum Anti-Diät-Tag

Das Nachdenken über Diät, das mit dem  Anti-Diät-Tag angeregt werden sollte, war allzu intensiv nicht: Es wird “locker” weiter vorgeschrieben, wer wann was zu sich nehmen soll, das Medienecho war eher verhalten, die Zeitungsartikel zum Thema eher dünn. Aber auch das gab es:


Man soll essen was man will, wenn man zu viel wiegt, ist es auch egal, denn dann ist man immer schön warm… Dünne Menschen würden immer nur frieren…

Klar, das sagt der Herr Pollmer, der mit “Iss doch, was Du willst und so viel Du willst” eine Marktlücke entdeckt hat. Ansonsten meinten Fachleute:

  • «Kurzfristige Diäten sind absolut nicht sinnvoll»
  • «Die Abspeckprogramme helfen alle nicht»
  • «Diäten sind der Weg in die Fettsucht»

Die kurzen Zitate stammen von Marita Völker-Albert von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Sylvia Baeck vom Berliner Verein Dick & Dünn und dem Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen, Professor Manfred Fichter.

Von der Entstehung des Jo-Jo-Effekts kam man ganz organisch zur Entstehung der Essstörung wie auch zu deren Überwindung:

Gerade für junge Leute sei es … wichtig, den eigenen Körper zu akzeptieren und nicht aberwitzigen Schönheitsidealen nacheifern zu wollen.

Das Hauptproblem für Essstörungen sitzt nach Einschätzung von Professor Fichter allerdings tiefer: «Nicht das Essen an sich macht dick, sondern das in sich ‘Hineinfressen’, das aus Frust Essen», betont er. Essgestörte, vor allem diejenigen, die an Magersucht oder Bulimie leiden, haben nach den Erfahrungen Fichters hauptsächlich Störungen der Gefühle. «Diese Menschen haben verlernt, auf ihre Körperwahrnehmungen wie Hunger, Sättigung oder Müdigkeit und auf ihre Gefühle wie Glück oder Verletztheit zu achten.»

Es bleibt mal wieder völlig offen, warum Magersüchtige und Bulimikerinnen mehr, und Fresssüchtige weniger verlernt haben sollen, auf Körpersignale und Gefühle zu achten, auch impliziert das “verlernt-haben”, dass es da schon einmal adäquate Strategien gegeben habe …

Die “aberwitzigen Schönheitsideale”, denen nachgeeifert wird, sind allerdings zum Teil gesellschaftlich vorgegeben: Barbie hat aberwitzige Körperproportionen, taugt eigentlich nicht als Spielzeug und wird doch geliebt. Dieses eher weibliche Problem von Schönheit und Schönheitskonkurrenz hat sich in der Neuzeit verschärft:

Es geht nur noch um Äußerlichkeiten, während  wahre Schönheit von innen kommt, und vom Betrachter zu entdecken ist. Schneewittchen musste sich jedenfalls keine Mühe geben, “die Alte” zu übertrumpfen, SIE wurde zur gegebenen Zeit vom Spiegel bestätigt.

Ohne Spiegel ist auch kein Narzissmus denkbar – aber die Anti-Diät-Diskussion wird geführt, ohne “den Narzissmus” zu bedenken. Nur Pollmer hält uns den Spiegel vor: “Fresst doch, was der Markt hergibt; Dicke leben länger und glücklicher” – oder so ähnlich.

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