LOHAS – Nachhaltigkeit und Politik-Scheu

Die Studie zu “den Lohas”, über die auch hier kürzlich berichtet wurde, bleibt unter Verschluss. Aber man verrät immerhin, dass man nicht ungern einen “Beitrag zur Abschwächung des LOHAS-Mythos geleistet” hat.

Karmakonsum, das Zentralorgan für ethisch korrekten Konsum, berichtete am 12.11.2008, dass amerikanische Studenten den “Eco-Lifestyle” bevorzugen.

Über Öko-Betriebe und -Marken zu berichten, ist dort ja auch selbstverständlich.

Gleichzeitig – ungefähr gleichzeitig gibt es eine Diskussion über Gräben zwischen Alt-Ökos und LOHAS resp. “Soft-Core-Ökos”.

Dabei erscheint der “Alt-Öko” als etwas “lustfeindlich” und dogmatisch, der Neo-Öko scheint auf dem “lust- und freudebetonte(n) Weg” zu sein.

Es bleibt natürlich offen, ob der “Alt-Öko”, den es in Reinform ja gar nicht gibt, nicht auch seinen Lustgewinn gehabt hat, etwa bei der Erstbesteigung des Kühlturms von Biblis II, damals, als er in den Medien noch auf die Titelseiten kam.

Den “reinen Öko” dürfte es jedenfalls nur höchst selten gegeben haben, mit “Alternativ” war das meiste durchmischt, und am dogmatischsten, aber erbittert zersplittert, ging es bei den K-Gruppen zu.

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Der Alt-Öko in seiner JugendEs bleibt bei aller Synthese zwischen alt und neu die Frage, wie umgehen mit “Den LOHAS”, die laut oben angeführter Studie ja konservativ, naturromantisch, unpolitisch, usw. sind. Andererseits: Wer ist das nicht? Und wie könnte eine zu große Ich-Bezogenheit überwunden werden?

“Mit dem Mainstream in die Öko-Revolte” – das könnte noch heiter werden. Anders gesagt: Von Revolten ist grundsätzlich abzuraten, führen sie doch grundsätzlich direkt ins Revoluzzer/Lampenputzer-Dilemma.

Bei den Nachhaltigkeitsblogs gibt es das Wort “soziale Verantwortung” nur im Zusammenhang mit “Die Firma betreffend” als “CSR”.

Dann gibt es noch jede Menge Verantwortung für die Umwelt und deren nachhaltige Nutzung, Nachhaltigkeit im traditionellen Sinne verstanden als Verantwortung, “dass was nachwächst”.

Der Nachwuchs interessiert, wenn er ein Öko-Bewusstsein hat; wie links oben illustriert.

Wenn in Deutschland die Schüler wegen der schlechten Bildungs-Bedingungen an den Schulen auf die Straße gehen (wohl berechtigt, da die Ausgaben pro Schüler gegenüber “großzügigen” Ländern um 7/12 niedriger sind), kümmert das die Nachhaltigkeitsszene keinen Deut – jedenfalls wird nicht darüber gebloggt.

In die Bildungspolitik sollten sich Jugendliche lautstark einmischen … Die Politik gehe eklatante Mängel in der Ausbildung von Lehrern und in der Ausstattung von Schulen nicht konsequent an.

Zumindest eine kleine Presseerklärung hätte doch sein dürfen, könnte man meinen.

Nur, das geht nicht, bei einer dezentralen Bewegung. Sicher, auch die Schülerbewegung, die sich zudem altersbedingt immer wieder neu formieren muss, hat einen geringen Organisationsgrad.

Allerdings ist sie nicht unpolitisch.

Und bei der Schulpolitik, die mehr als vieles Andere über die gesellschaftliche Zukunft entscheidet, hilft “Shopping verändert die Welt” wohl nicht mehr weiter, müssten “die Nachhaltigen” durchaus auch einmal deutlich werden. So lange sie dies nicht tun, wird die Diagnose “unpolitisch” gelten.

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6 Kommentare zu “LOHAS – Nachhaltigkeit und Politik-Scheu”

  1. Umso mehr ich mich LOHAS befasse, desto stärker drängt sich folgende Frage in den Vordergrund:

    Hat es in den vergangenen Dekaden schon einmal eine “Bewegung” gegeben, die sich nicht selbst durch ihr Handeln, also quasi von “innen” heraus definierte (ohne dass dieses Mit-Machern explizit geäußert oder festgelegt wird; man “macht” einfach und ist dabei), sondern die ausschließlich, wie es für mich bei “den” LOHAS den Anschein hat, von “außen” definiert wird?

    Gewiss, man kann sagen, LOHAS ist ein Lebensgefühl, eine Lebenseinstellung, was sicher zutrifft, aber nichts desto trotze: Ich bekomme die Protagonisten nicht richtig zu fassen.
    Wie geht es diesbezüglich anderen?

    Hans

  2. @ Hans-Jürgen: Was mir zu Deiner Anmerkung/Frage einfällt:
    Dadurch, dass bei “LOHAS” ja nicht von “dem Lebensstil …”, sondern von “Lebensstilen, die von der Sorge um Gesundheit und Nachhaltigkeit” geprägt sind, wird das Phänomen nicht sonderlich greifbar – und manche sprechen kurzerhand vom “Mythos LOHAS”.

    An diesem Punkt müsste man sich eigentlich darüber verständigen, was “Mythologie” denn eigentlich ist: Eigentlich doch nicht mehr und nicht weniger als “Erzählkunst”; nach einer Definition von KERENYI “die Kunst, von Göttern zu erzählen”.
    (Und Geschichten, die völlig aus der Luft gegriffen sind, mag niemand hören; insofern wird das “LOHAS-Thema” schon seinen wahren Kern haben.)

    Mancher sagt vielleicht “Ja, ich bin LOHAS-affin”, und nur recht wenige behaupten, sie seien ein(e) LOHAS; wegen der sprachlichen Konstruktion verbietet sich das ja auch.
    Bei Konstrukten wie dem “Neuen Sozialisations-Typus” (“NST”) scheint es sich ähnlich zu verhalten: Eine soziologische/psychologische Beschreibung eines Phänomens, der man bis zu einem gewissen Grad folgen kann, wobei die Beschreibung die Sicht der Dinge wieder mitprägt – und aus einem anderen Blickwinkel sieht es so aus, als hätte der Autor der Studie gewisse, eigene Interessen verfolgt.
    Bei Studien zum Thema Lebensstil und Konsum sind die wirtschaftlichen Interessen offensichtlich, und die Marktforscher und -Beeinflusser müssen sich profilieren.

    Beim Vergleich mit den Bewegungen der Vergangenheit fällt auf, dass “damals” noch mehr mit Wandzeitungen, Flugblättern, Transparenten gearbeitet wurde; heute gibt es durch das Internet ganz andere Möglichkeiten und Sachzwänge.
    Es finden sich also eher “Internetauftritte” von Personen und Institutionen (“Auftritt” beinhaltet auch “Bühne” und “Präsentation”, Selbstdarstellung) – ganz so schlimm, dass jeder sein eigener Avatar ist, wird es aber doch nicht sein ;-)

    Mein Gefühl ist, dass hier nicht immer mit offenen Karten gespielt wird, das Spiel vorwiegend von den jeweiligen Einzelinteressen reguliert ist und bis zu einem solidarischen Miteinander (orientiert an gemeinsamen Zielen) noch einige Lernprozesse erforderlich sind.

  3. Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort! Da steckt so viel drin, das muss ich mir erst alles mal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen.

    Viele Grüße,

    Hans

  4. Ich bin auch zutiefst verwundert, wie sehr das Thema Bildung aus der ganzen Diskussion immer herausgehalten wird. Allerdings will ich da auch nicht groß schreien, weil ich einfach zu sehr “vorgeschädigt” bin.
    Irgendwie habe ich das Gefühl, der LOVOS nimmt das ernster, weil er garnicht darum bemüht ist, eine gefällige Mittendrin-Position in der Gesellschaft einzunehmen. Wer Alternativ leben will, muss sich um alternative Bildung für seine Kinder kümmern. Den was nutzt das schönste “vorleben”, wenn die Schulfreunde McDonalds und das Kinderprogramm von RTL2 toll finden.

  5. @ Hans-Jürgen: Ich danke Dir!

    @ Horst: Aktive “Alternative” sind wohl so etwas wie die Stecknadel im Heuhaufen, wenn man sie braucht, findet man sie nicht. So war zu “Schülerstreik” kein cc-Foto zu finden, jedenfalls nicht vom 12. November 2008.
    Mit einer anständigen Ganztagsschule wären die genannten Probleme schon deutlich kleiner; insgesamt.

  6. [...] auf dem Markt, im Wettbewerb, einen äußerst schwierigen Stand haben. Wenn wir den Einfluss der LOHAS an der Anzahl der Teestuben bemessen, bleibt noch viel zu tun (ergänzender Link: Liste [...]

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Frische Kommentare

  • Ernst: Dieser Brotaufstrich klingt auf den ersten Blick sehr lecker. Doch Leider fehlen für mich...
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