Der Mensch ist, was er isst – sinnlose Stammtisch-These oder ein Satz mit Bedeutung?

Es geschieht häufiger, dass von einer ganzen Philosophie im allgemeinen Bewusstsein gerade mal ein einziger Satz, eine Überschrift, ein Buchtitel übrigbleibt.

Ludwig Feuerbach “Der Mensch ist, was er ißt” gehört zu dieser Kategorie. Ohne viel Nachdenken wird der Satz als Überschrift für Ratschläge zur gesunden, ausgewogenen  Ernährung, als  Wahrzeichen für Ernährungs-wissenschaftler, Oecotrophologen, Diätassistenten, Lebensmitteltechnologien und Lebensmittelchemiker oder zur Erhaltung der “sittlichen Reinheit” religiöser Gruppen verwendet: “Wer Schweinefleisch isst, wird schwul”. [Quelle]

Was der schöne Satz eigentlich sagen wollte, erschließt sich über seinen Urheber, Ludwig Feuerbach. Hilfreich sind die Überlegungen von Dr. Harald Lernke zu dem Leitsatz “Der Mensch ist, was er isst” in seiner Verwendung als Stammtischthese.

«Wider den Dualismus von Leib und Seele, Fleisch und Geist» wettert der stürmische Neuerer, dessen Schriften seine Zeitgenossen Karl Marx und Friedrich Engels – trotz aller Unterschiede – als „eine wirkliche theoretische Revolution“ erleben.

Der Dualismus – die getrennte Betrachtung von Leib und Seele drückte sich zum Beispiel in Descartes bekanntem Satz “Cognito ergo sum”, “Ich denke, also bin ich” aus.
Der “denkende Mensch” war “das höchste der Gefühle”, die Philosophie hatte sich auf den “Geist” zu beschränken, der als Voraussetzung der Materie gedacht wurde: Ohne höheres Wesen keine Schöpfung, keine Ordnung und auch kein Leben und Denken. “Am Anfang war die Idee” ist die “Grundidee” des Idealismus. Feuerbach war damit nicht einverstanden und wandte sich gegen

“… die idealistische Vorstellung, wonach sich die menschliche Wirklichkeit allein im Geiste abspielt: „Der Leib ist die Existenz des Menschen; den Leib nehmen, heißt die Existenz nehmen; wer nicht mehr sinnlich ist, ist nicht mehr.“

Was für die psychosomatische Medizin Grundlage ist – die Einheit von Leib und Seele, wurde von Feuerbach durchaus polemisch dargestellt:

„Was haben sich nicht sonst die Philosophen den Kopf zerbrochen mit der Frage von dem Bande zwischen dem Leibe und der Seele! … Was haben sich nicht die Philosophen mit der Frage gequält: Was ist der Anfang der Philosophie? Ich oder Nicht-Ich, Bewußtsein oder Sein? Oh, ihr Toren, die ihr vor lauter Verwunderung über das Rätsel des Anfangs den Mund aufsperrt und doch nicht seht, daß der offene Mund der Eingang ins Innere der Natur ist .. !”

Basis des Denkens ist also der Körper (Das alte Motto: “Ich denke, also bin ich”  kann als “Ich fühle, also bin ich” beibehalten werden); Basis des Denkens und der Unterscheidung von Ich und Nicht-Ich ist die Ernährung, was sich mit heutigen Befunden der Erforschung der frühen Kindheit deckt.

Missverstanden wie das “Der Mensch ist, was er isst” (Schweinfresser werden selbst irgendwie schweinisch”) wird auch das “Ich denke, also bin ich”. Mögliche Fehlinterpretationen: “Ich bin, weil ich denke, und nur, so lange ich denke” oder “Ich bin, was ich denke, dass ich bin”. Wir “sind” auch im Schlaf und im Traum, aber selten objektiv, was wir denken, dass wir seien.

Der Aphorismus vom Sein und vom Essen entstand bei der Besprechung eines Buches über Stoffwechsel und gesunde Nahrung, und sogleich entwickelte Feuerbach eine neue Philosphie, den Essistentialismus (genauer gesagt, die kritische Theorie der Essistenz).

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Abnehmen mit Feuerbach – Der Mensch ist, was er isst

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3 Kommentare zu “Der Mensch ist, was er isst – sinnlose Stammtisch-These oder ein Satz mit Bedeutung?”

  1. [...] “Der Mensch ist, was er isst” – das ist kürzlich Thema bei Fressnet gewesen. Auf Englisch, und frei Übersetzt: “You are what you eat”. [...]

  2. [...] Hier wurde ein eher schlankes, wohlproportioniertes Flaggenmädel gebraucht, um davon abzulenken, dass die richtigen AmerikanerInnen inzwischen mehrheitlich übergewichtig sind. Der Mensch ist, was er isst… [...]

  3. [...] Der Mensch ist, was er isst – sinnlose Stammtisch-These oder ein Satz mit Bedeutung? [...]

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