Phantomhunger, Figur, Diät und Narzissmus

„Diese Abnehm-Eiweißdrinks mit ihrem Sägemehl-Nachgeschmack sind – also wirklich – eine Zumutung; ich bekomme das jedenfalls nicht hinunter!“
Mit dieser Aussage hatte ein Ex-Kollege „begründet“, warum er nichts entscheidendes gegen sein Übergewicht unternahm; das „Zaubermittel“  Protein-Shake wurde als „die“ Möglichkeit verstanden, auf weniger Kilokalorien zu kommen, ohne sich den schmerzhaften Qualen des Hungers auszusetzen.

Während Presse, Funk und Fernsehen Figur und Diäten je nach Lust und Jahreszeit regelmäßig abhaken, bleibt es dabei, dass Übergewicht eigentlich ein Tabuthema ist, bei dem man nicht „ans Eingemachte“ geht, sondern oberflächlich bleibt oder wird.

Alle versprechen dabei, das Patentrezept zu überbringen – bis auf Fressnet.de. Hier wird auch der/die/das Unscheinbare gewürdigt. Und wir legen Wert auf Gegenseitigkeit, beim Erfahrungsaustausch. Bei Gruppen spricht man dann von „Arbeitsgruppe“, was bei Übergewicht mit der Schwierigkeit daherkommt, dass Betroffene sich eher abhängig oder nicht so autonom, wie sie es gern hätten, vorkommen – das wird sich ändern, indem der Drang, voranzukommen, sich verstärkt.

Eigentlich könnte die Atmosphäre etwas geselliger sein, wenn hier etwa gefragt wird: „Und wie bereitet Ihr eure Kapuzinerkressen zu?“

Sie soll sogar für ein (selbstgemachtes) Pesto gut sein, aber ich gestehe, dass ich bis gestern noch nie ein Blatt oder eine Blüte von Kresse im Mund hatte. Das Schmecken war sozusagen eine Selbsterfahrung, die man auch in einer Selbsterfahrungsruppe „organisieren“ könnte, wenn die Scheu vor Selbsthilfe in der Gruppe erst einmal schwindet.

Limk-Tipp zu Kapuzinerkresse

Kichererbsennudeln liegen jetzt in den Regalen des Lebensmittelhandels als käufliches Handelsgut – ähnlich wie Nudeln aus roten Linsen, doch trägt so ein Angebot wahrascheinlich mehr zur Verwirrung als zur gelingenden Diät bei.
Dieser Imbiss mit Räuchertofu und Champignons bezieht seinen Geschmack von eingedampfter, selbst gemachter Gemüsebrühe und sättigt gut bis überdurchschnittlich.

Kichererbsennudeln in mediterraner Gemüsesuppe

Nudeln aufsetzen, Gläschen-Inhalt erhitzen und noch ein wenig passendes Gemüse hineinschnippeln, und nach 10 Minuten Küchen-Arbeit auch schon servieren – das kann man dioch noch vertreten!? Die Zutatenliste der Fertig-Gemüsezubereitung:

24,5% Tomatenpüree*, 15% rote Paprika*, 14% Karotten*, 12% Zucchini*, 9% Zwiebeln*, Traubensaft* aus Traubensaftkonzentrat, 6% SELLERIE*, Sonnenblumenöl*, Stärke*, Zitronensaft* aus Zitronensaftkonzentrat, 1,6% Tomatenmark* (zweifach konzentriert), Meersalz, Kräuter* (Basilikum, Petersilie, Oregano, Liebstöckel, Rosmarin), Gewürze* (Knoblauch, Paprika, Pfeffer). *Zutaten aus kontrolliert biologischer Erzeugung

Bei industriell hergestellter Fertignahrung gibt es den einen oder anderen Verdacht – etwa, dass bei der Verpackung Weichmacher im Plastik stecken, die sich lösen und bei den Konsumenten als Dickmacher wirken. Oder dass Zusätze verwendet werden, die als billige Geschmacksverstärker die Wahrnehmung überlisten und die Geschmaclserwartungen prägen.

Also gilt es. bei hochgradig verarbeitetem „Convenience Food“ die Zutatenliste zu studieren und z. B. bei zugesetztem Zucker Abstand zu halten.

Wer jemals von „Billigfleisch“ geredet hat, wird dabei nicht an „freischwimmende Bio-Forellen“ gedacht haben. Dann und wann darf man einfach nicht auf den Preis achten. Interessant sind dann die möglichen Varianten der Zubereitung; ich habe mich fürs Dämpfen entschieden und wurde mit wunderbar saftigem, weißen Fleisch belohnt. Nicht vergessen, den Fisch mit Zitrone zu beträufeln!

Die Stärke in den Kartoffeln wandelt sich bei vorgekochten Kartoffeln in „resistente Stärke“ um, die stoffwechselmäßig als harmlos gilt.

1000 Tricks und Kniffe, dem Übergewicht entgegenzusetzen

Ein Fernseh-Aufnahmeteam für eine Dokumentation zu dirigieren muss eine feine Sache sein, selbst wenn es ums eigene Übergewicht geht. Dabei kann sich folgendes herausstellen:

„…  die Formel „Übergewichtig gleich zu viel essen“ greift zu kurz. Odysso-Autorin Dagmar Stoeckle ist selbst betroffen. Ursprünglich mal sportlich und schlank, kommt sie nun kaum runter von ihrem Übergewicht. Und macht sich auf die Suche nach den tatsächlichen Ursachen.“ 105 Kilo – ein Jahr danach | SWR odysso

Es ist schon frappierend, dass sich bei einer Diätberatung herausstellt, dass das mitternächtliche süße Betthupferl gestrichen werden muss – und die Liebhaber von „salzig, kräftig oder scharf“ müssen entsprechend auf genau diese „Mitternachtsmahlzeiten“ )oder „Snacks“) verzichten…

Hier im Blog gibt es bereits eine Kurzdarstellung dieser Doku, in der unter anderem der Spruch „Kleine Fehler – große Wirkung“ fällt – der „Kommentar“ von damals: „Es ist halt jeder Mensch unterschiedlich, und die ideale Universallösung gibt es nicht – da muss sich jeder seinen eigenen  Weg suchen.“ Damit hat sich auch die Frage geklärt, wo und bei wem die eigentliche Adipositas-Arbeit stattzufinden hat. Über kooperative Formen der Unterstützung sollten wir noch mal nachdenken und uns austauschen.

Schließlich hat auch Frau Stoeckle Hilfe in Anspruch genommen, vermutlich mehr, als weniger prominente Normalsterbliche bekommen.

 Wahrscheinlich ist es naiv, stur nach dem Motto „Der Mensch ist, was er isst“ sich um entsprechend „förderliche Rezepte“ zu kümmern, aber auch hier muss Fortschritt machbar sein – und das oft mit Versuch und Irrtum. Mein neuester Versuch:

Baba Ghanoush mit Mso-Paste satt Tahini. Ein schöner Dip, finde ich!

Bei der Diskussion der Ursachen des Übergewichts  fehlt der Link zu „Übergewicht und Narzissmus“ meines Erachtens überzufällig – als gäbe es da keine Zusammenhänge.
Das könnte damit zusammenhängen, dass „Narzissmus“ heutzutage pseudowissenschaftlich von Jedermann und Jederfrau ungestraft verwurstet werden darf, auf der Grundlage einer toxischen Clicksammelsucht und in der selten bestätigteen Hoffnunfg, als Influencer Cash zu machen.

Auf PSCHOLOGIE HEUTE kommt Adipositas seltener vor als in der Realität, mentale Krankheiten und/oder Metabolisches Syndrom könnten demnach Ursache oder Folge sein – da wird es wenige identische Verläufe geben.
Es wäre zu überprüfen, welchen Anteil die („immer nur graduelle“)  „Narzisstische Persönlichkeitsstörung“ bei der Adipositas-Entstehung haben kann.

Trauerweide – im Wind

Wir befinden uns wieder einmal in einer Zeit des Umbruchs. Famliäres ändert sich, Formen der Kommunikation gestalten sich neu, und der eigentlich uralte Narzissmus macht Geländegewinne. Er, der Narzissmus, spielt bei der Beantwortung vieler Fragen eine Schlüsselrolle.

„Man kann zwischen zwei Dimensionen des Narzissmus unterscheiden:

  • Grandiose Narzissten sind durch folgende Merkmale charakterisiert: anmaßendes Selbstbild, Neigung sich selbst zur Schau zu stellen, Streben nach Bewunderung von anderen und hohes Selbstwertgefühl. Sie erreichen höhere Werte der spielerischen Liebe.
  • Vulnerable Narzissten: Berichten über Fantasien der eigenen Großartigkeit, schwanken aber zwischen Gefühlen der Über- und Unterlegenheit und haben ein schwaches Selbstwertgefühl. Sie erreichen höhere Werte der spielerischen, pragmatischen, besitzergreifenden, romantischen und altruistischen Liebe.

Besonders bemerkenswert ist: Der vulnerable Narzissmus hängt sowohl positiv mit beziehungsförderlichen als auch mit -störenden Liebesstilen zusammen. Denn romantische Liebe korreliert positiv mit Partnerschaftszufriedenheit, während der Zusammenhang für spielerische Liebe negativ ist.“

Das mögen komplexe Zusammenhänge sein, doch „irgendwie“ aus dem je eigenen Leben bekannte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es komplett sinnlos ist, sich mit dem „Narzissmus-Komplex“ zu beschäftigen.

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