Von den Jo-Jo-Spielchen der Prominenz

“Jo-Jo-Spielchen”, zum Beispiel, wenn es um Filmrollen geht, fänden wir doch immer wieder spannend, heißt es bei GLAMOUR, und ein Körnchen Wahrheit wird schon dran sein. “Mal eben” 10 Kilo abnehmen, um in die Rolle einer Ballerina

zu schlüpfen – so etwas muss dann aus beruflichen Gründen sein.

"Ich habe 20 Pfund abgenommen. Ich musste so ästhetisch wie eine Ballerina aussehen und dieselbe Haltung einnehmen. Am Ende wog ich 43 Kilogramm und man sah nur noch Knochen. … Ich habe fünf Monate gebraucht, um das Gewicht zu verlieren, aber nur fünf Tage, um es wieder drauf zu kriegen" (Mila Kunis)

Trailer: Black Swan

Auf der anderen Seite gibt es Stars, deren Leibesfülle sich als Markenzeichen erwiesen hat – und die auf Dauer darunter leiden: Der “Wildecker Herzbub” Wilfried Gliem (64) hat zwar schon mal beachtliches von seinen 130 Kilos verloren, aber auch wieder zugenommen:

So viel zu wiegen ist ungefähr so, als würde man sich je einen Sack Zement auf Bauch und Rücken schnallen und beide mit sich rumtragen

– also kein Zustand. Und:

Wer dick ist, denkt jeden Tag daran, mit jeder einzigen Bewegung wird man daran erinnert. Alle Dicken, die sagen: »Ich bin so zufrieden wie ich bin«, die lügen.“ Aber der Weg zum „Leichtgewicht“ sei verdammt schwer – und er zu schwach. „Diäten rauben einem die Kräfte, ein extremer Energieaufwand.“ [Hamburger Morgenpost]

Vielleicht sollte der Hesse sich mal von Raimer Calmud beraten lassen, oder vom Hausarzt, oder sich einmal mit der Portionsdiät auseinandersetzen: Die Idee, “erst mal keine Diät” zu machen, ist ja gar nicht so verkehrt.

Erschwerend kommt hier ja noch hinzu, dass das Abnehmen im Alter durchaus spezielle Probleme bereitet und gar nicht unkritisch ist. 

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3 Kommentare zu “Von den Jo-Jo-Spielchen der Prominenz”

  1. „Wer dick ist, denkt jeden Tag daran, mit jeder einzigen Bewegung wird man daran erinnert. Alle Dicken, die sagen: »Ich bin so zufrieden wie ich bin«, die lügen.“

    Nun kommt es immer auch darauf an, was man meint wenn man etwas sagt und nicht was man sagt. Das völlig überzogenes Gewicht das Leben nicht leichter macht, ist logisch. Aber: das ein Mensch einfach trotzdem zufrieden mit sich und im reinen mit der Welt sein kann, das ist unbestritten, auch wenn das viele nicht akzeptieren können, die mit sich selbst uneins sind.

    Mit der Zeit gewöhnt sich der Körper auch an höhere Belastungen und manche Körper haben tatsächlich mit erheblicher Mehrbelastung kein Problem, alles eine Frage von Sportlichkeit und Veranlagung. Denn mit dem Gewicht wächst auch die Muskulatur, die Belastbarkeit von Knochen und Gelenken. Wichtig ist m.E. vor allem die Grenze, bei der die Körperstatik durch Fehlstellungen in Mitleidenschaft gezogen ist, also z.B. Bänder an den Knien ständig in unnatürliche Richtung gezogen bzw. gedrückt sind, weil die Beine so dick sind, das sie auseinandergedrückt werden und der Gang zum watscheln ausartet oder der Rücken ständig im Hohlkreutz hängt, weil der Bauch dann doch zu stark vorne zieht.
    Jeder sollte wissen: Ein Mensch der nur 50 Kilo wiegt aber jeden Tag 10 km Joggen geht, belastet seine Gelenke zum Teil erheblich mehr als ein Dicker, der mit 50 Kilo Übergewicht herumläuft. Allerdings fördert das Joggen die Belastbarkeit und ist ein natürlicher Ablauf, den der Körper gut wegsteckt. Einseitige Belastungen durch Übergewicht und Bewegungsarmut sind problematischer.
    Jeder Dicke muss sich klar sein, das sein Körper unter der ganz normalen Trägheit mehr zu schaffen hat, als diese Schlanken Leutchen, denen das hüpfen und hoppeln schon in den Schoß fällt.
    Auf dieser Ebene stimme ich also teilweise Wilfried Gliem zu.

    Offensichtlich aber hat der Wilfried Gliem keine Ahnung das Gewichtsreduktion fast nie von langfristigem Erfolg gekrönt ist. Es gibt sie nicht, die funktionstüchtige Diät. Der Körper hat seine eigenen Gesetze und die haben wenig mit dem zu tun, was der menschliche Verstand sich so ausdenkt, wie z.B. mit 60 Kilo weniger bin ich kerngesund und so super glücklich und zufrieden und hüpfe frivol in die nächste solide Partnerschaft zu meinem Prinzen/Prinzesschen…
    Nein, der Mensch lernt Glück nicht durch ein geringeres Gewicht, sondern indem er sich erst einmal selbst lieben lernt so wie er ist.
    Der Weg heißt also Selbstakzeptanz. Das heißt zu akzeptieren wer wir sind, woher wir kommen und was wir sind und was wir darstellen. Aus diesem Elan des Mit-Sich-Selbst-Im-Reinen-Seien entstehen dann ganz andere Verhaltensmuster und Möglichkeiten. Man wird automatisch attraktiver, weil zufriedener. Das Leben wird zu einer ertreulicheren Angelegenheit. Leichtigkeit stellt sich ein, weil ein kräftezehrender Dauerk(r)ampf gegen sich Selbst ein Ende findet.
    Und dann, wenn man soweit ist, dann kann man ernsthafter dazu übergehen die eigenen Bedürfnisse wahr zu nehmen oder auch aufzugeben (Was im Grunde das Wesen von Gewichtsreduktion ist), weil man aus authentischen Beweggründen handeln kann kann und nicht mehr nötig hat, aus inneren oder aufoktroyierten Zwängen heraus zu handeln, was das Scheitern bereits im Vorfeld manifestiert.

  2.  

    Die Ausführungen zur Körperstatik finde ich sehr gelungen. Man könnte noch den Punkt Herzgesundheit ergänzen:

    • Blutfett
    • Blutzucker
    • Blutdruck
    • Bauchumfang

    sollten im Zweifelsfall mit dem Arzt besprochen werden.

    Gerade bei den Künstlern gibt es allerdings viele Zwänge: Die “Herzbuben” haben ein fröhliches Image (“Hab’ Sonne im Herzen, oder so?),  können also nicht plötzlich anfangen, melancholische oder garstige Lieder zu singen. Was aber, wenn einem “Herzbub” eine Laus über die Leber gelaufen ist?

    Im Konkurrenzkampf um Quoten und Beliebtheit, die Gunst des Publikums hat man’s nicht leicht…

    Selbstakzeptanz – “zu akzeptieren wer wir sind, woher wir kommen und was wir sind und was wir darstellen” – fehlt da nicht noch das “… und wohin wir gehen”?

    Sicher, eine “Zwangsdiät” wird schwierig. Nicht einmal die Gesundheit ist da eine regelmäßige Motivation: “Da verzichte ich doch lieber auf ein paar Jährchen, als beim Essen zu darben” – das hab’ ich tatsächlich schon gehört. Solche Leute haben nach meiner Beobachtung einen “süßen Zahn” und kennen ihren jeweiligen Lieblingszuckerbomben gegenüber wenig Zurückhaltung. “Zucker als Nervennahrung” heißt es dann – dabei sind eher die B-Vitamine Nervennahrung (?).

    Sicher, auch in diesen Fällen geht es nicht ohne Selbst-Akzeptanz, aber bitte nicht in dem Sinne von “unter allen Umständen nichts verändern”.

    Wenn jemand mit den “Problemzonen Bauch, Po, Oberschenkel” kaum noch schnaufen kann, wegen zwei Treppen den Fahrstuhl nimmt, gibt es da vermutlich noch die Problemzonen Herz und Lunge.

    Das wird dann alles akzeptiert, und die “Fremdakzeptanz” bleibt auf der Strecke: Das habe ich schon wahrnehmen müssen, dass ich dann als Mahner und Aggressor wahrgenommen und gar bekämpft werde.

    Da ist mir eine tolerante Selbstakzeptanz auch wesentlich lieber.

    Zum Schluss: Die genauen Daten von Wilfried Gliem liegen mit nicht vor. Ich nehme mal an, dass er sich zu viel vorgenommen und viel zu schnell abgenommen hatte. Auch mit 100, 200 oder 300 Gramm Abnahme pro Woche kommt übers Jahr viel zusammen – wer das dann hält, hat mehr gewonnen als jemand, der dem Jo-Jo Effekt unterliegt.

    Die Set-Point-Theorie hat vielleicht einen wahren Kern, aber es wär’ wohl fatalistisch, sie hier zur Erklärung heranziehen zu wollen. Es mag ein Körpergedächtnis geben und ein verinnerlichtes Körperschema; die Selbstakzeptanz müsste sogar so weit gehen, hier Veränderungen zu gestatten.

  3. @ Hannzi

    Endlich mal jemand, der genau das sagt, was viele Leute denken! Toller Kommentar!!

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