Der Nebenbei-Diät-Mythos der Stiftung Warentest

“Mach mal Pause – mach mal Diät!” So ein Motto könnte bald auf uns zukommen; die “Diät für Nebenbei” jedenfalls steht schon in den Startlöchern und wird von der altehrwürdigen Stiftung Warentest vertrieben. Für mich hört sich das an wie “Diät für zwischendurch” – nicht so ganz ernst gemeint, ein bisschen wie “Stricken und Plaudern” – wobei man nicht weiß, was jetzt eigentlich die Nebensache ist.

Kleine figurfreundliche Veränderungen addieren sich und so erreicht man individuelle Ziele ohne in die Jojo-Falle zu gehen.

Das steht so in der Beschreibung zum Buch, und die Idee ist bekannt: Von vielen Diät-Tipps die drei Richtigen auswählen, ergibt schon einen kleinen Gewinn.

Das Doppelseiten-Konzept ist wissenschaftlich fundiert und überraschend: Links steht, was dick macht, rechts, womit man in derselben Situation Kalorien spart, aber keine Zeit verliert.

Die Autorin: Elisabeth Lange hat Ernährungswissenschaften studiert, war Ressortleiterin Kochen bei Brigitte und ist seit vielen Jahren Bestseller-Autorin (Quelle)

Zu den Aufgaben der Stiftung Warentest gehört auch die Information über gesundheits- und umweltbewusstes Verhalten. (Quelle)
Das Image der Stiftung ist gut genug, dass ein Test-Urteil von den Verbrauchern als verlässliches Kriterium akzeptiert wird.

“Nebenbei Diät” ist möglich – diese Behauptung gehört aber in das Kapitel “Diät zwischen Märchen und Wahrheit”…

Ansonsten: “Schlank werden für Zwischendurch” – so der Untertitel von “Die Nebenbei-Diät” heißt ja wohl nur, dass nach dem “Zwischen-Schlank” wieder das “Normal-Übergewichtig” folgt – und so etwas verkauft sich…

Psychologische Faktoren beim Übergewicht (von Kindern) führen zu folgenden Fragen:

Welche Strategien haben Kinder, um mit Frustration umzugehen? Können sie auch einmal “etwas aushalten”? Haben sie ein gesundes Körpergefühl? Wie steht es um das Selbstwertgefühl, unabhängig von der körperlichen Erscheinung und um den Willen, sich angemessen auszudrücken? (Quelle: Interview mit Dr. Andreas Wiefel, ehemals Oberarzt an der Kinder- und Jugendpsychiatrie-Klinik der Charité, ist Kinder- und Jugendpsychiater mit eigener Praxis in Kreuzberg)

Ähnliches gilt auch für Erwachsene, die sich nicht nur körperlich (Ernährung und Bewegung) umstellen, sondern auch “seelische Gewohnheiten” verändern müssen.

Dass manches, was in der “Warentest-Nebenbei-Diät” vorgeschlagen wird, plausibel klingt, mag ja sein. Jedoch funktioniert das einfache Entweder-Oder-Spiel in der Praxis nicht immer.

Honig oder Pflaumenmus

ist so ein Beispiel: Wer Lust auf Honig hat, soll sich vom hohen Zuckeranteil abschrecken lassen.
Fruchaufstriche wie Pflaumenmus, Apfel- oder Birnenkraut hätten zwar auch die einen hohen Zuckeranteil, bei der Herstellung werde aber auf zusätzlichen Zucker verzichtet. 10% weniger Kalorien und zugleich mehr Ballaststoffe sind aber nicht so arg relevant; Wer mit Augenmaß sein ‘Frühstücksbrot schmiert, spart allemal gegenüber denen, die Mus, Marmelade oder auch Honig löffelweise naschen.

Vollkornreis oder Kartoffeln

Der Körper könne die im Vollkornreis  enthaltenen Mineralstoffe nicht optimal verwerten. Die Kartoffel enthalte die Hälfte an Kalorien, quasi kein Fett und eine Menge Ballaststoffe.

Aber beide Lebensmittel haben ihre speziellen Vorteile und sind unbedenklich. Zu einer China-Pfanne passen Kartoffeln bei aller Liebe nicht, und Reis mit Sauerkraut und Rippchen wäre eine Katastrophe. Aber, wer will, soll nebenbei Diät machen ;-)

Hartkäse oder Weichkäse

Hier wurde mit dem unterschiedlich hohen Wassergehalt und dem umgekehrt proportionalen Fettgehalt im Endergebnis argumentiert. Entscheidender ist wohl die Menge an Butter auf dem Brot, und: Hauptsache, es schmeckt.

Bratwurst oder Schaschlikspieß

Prima: Beim Schaschlikspieß findet sich auch Gemüse, bei der Bratwurst nicht. Einleuchtend ;-)

Pommes-Frittes oder Klöße

Wegen dem Fettgehalt…

Antipasti oder Gurken

Ob in Fett oder in Öl eingelegt, macht schon viel aus bei der Beilage.

Pizza, gekauft oder selbst gemacht

Klar, ganz klar. Und wer macht die Pizza noch selbst? Und hat es nicht auch schon selbst gemachte Pizza mit Massen an Käse gegeben – um die Lieben und sich selbst zu verwöhnen?

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3 Kommentare zu “Der Nebenbei-Diät-Mythos der Stiftung Warentest”

  1. Könnte aus der Rubrik “Kurioses” stammen, ist aber aus einer Pressemeldung (oder Pressemitteilung?):

    “Wer im Restaurant isst, startet am besten mit einem Salat, zu dem er das Dressing extra bestellt. Um Kalorien zu sparen, wird nur die Gabel vor jedem Bissen in die Soße getaucht. Viel Fett vermeidet, wer eine klare statt einer gebundenen Suppe bestellt und bei den gut sättigenden Beilagen wie Kartoffeln, Reis oder Nudeln um eine fettfreie Zubereitung bittet.”

  2. [...] das lässt sich nur unter Berücksichtigung der übrigen Ernährungsgewohnheiten sagen. In der “Nebenbei-Diät” wird uns erklärt, dass Pflaumenmus gesünder sei. Aber da kommt es natürlich auch auf die [...]

  3. [...] ungesunden Lebensweise vermengen, den einen oder anderen Diättipp annehmen und sich an der “Nebenbei-Diät” versuchen.  Unverbindliche Regeln: Das ist,als könnte man heute auf der rechten Seite, [...]

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