Fernsehen und Diät – Teil 2

Es gibt heute eine Unzahl von “Fernsehformaten”, und viele, immer individuelle, Konsumgewohnheiten.
Nehmen wir als Arbeitshypothese einmal an, dass das Fernsehen in gewisser Hinsicht der Nachfolger des Kinos ist (wir sprechen ja auch vom “Pantoffelkino”…

Das Kino war in Teilen wiederum der Nachfolger des Theaters. Die eine oder andere Tragödie ist auch verfilmt worden, und das Spiel mit den filmischen Möglichkeiten, der Illusion und Bildbearbeitung, Effekten gehört beim Film dazu.

Die “Genres” sind vielfältig – da gibt es Tragödie, Komödie, Märchenverfilmung, Abenteuer- und Heldengeschichten, Sagen, Slapstick, Heimatfilm und anderes.

In der Zeit vor der technisch reproduzierbaren Kultur waren bewegte Bilder auf Theater, Marionettenspiel, vielleicht noch Schattenspiel begrenzt.

Andere Geschichten, die wir uns heute anschauen, wurden mündlich erzählt: Sagen, Märchen, religiöses. Immer gab es die Möglichkeit der Rückmeldung, eine Verbindung zwischen Sender (Erzähler) und Empfänger (Zuhörer), und die Bilder entstanden beim Zuhörer im Kopf – wie von selbst…

In der Antike wird das Theater die mächtigsten kulturellen Eindrücke vermittelt haben, und es gab keine beliebigen Geschichten, sondern eine Anzahl an quasi heiligen Dramen  (viel besprochen zum Beispiel die Ödipus-Geschichte), die alle Zuschauer in ihrem Bann zogen.

Szenenapplaus, Rufe wie “ah” und “oh” geben die Gefühle der Zuschauer wieder, die über dies Äußerungen auch eine Mitteilung erhalten, wie ihre Mit-Zuschauer empfinden.

Das Drama, das auf der Bühne entwickelt wird, geht ja stets dramatisch aus. Der Held ist in Intrigen verwickelt, macht Fehler, begeht Irrtümer, stirbt.

Der Held ist ein Mensch wie Du und ich, wir haben Anteile des Helden in uns, hätten vielleicht manchmal, wie Ödipus, den eigenen Vater erschlagen können – aber so etwas auch nur zu denken, geht zu weit: Auf der Bühne geschieht es.

Der Held stirbt stellvertretend, uns zur Warnung gewissermaßen, das Theater ist eine seelische Reinigung, Katharsis: “Durch das Durchleben von Mitleid und Furcht (von griechisch eleos und phobos, auch Jammer und Schauder übersetzt) erfährt der Zuschauer der Tragödie als dessen Folge eine Läuterung seiner Seele von diesen Leidenschaften.”

Für uns geht es darum, weniger tragisch zu handeln, sondern Alternativen, Lösungen zu finden.

Aus den Märchen, die immer gut ausgehen, haben wir vielleicht einen “Grundoptimismus” mitgenommen, vom Drama kennen wir die Grundkonflikte, und wohin sie führen können.

Wir haben alle unsere “kleineren Dramen”, die wir durchleben, und zu lösen haben.
Mit Fernsehen und Internet können wir uns vielleicht zu 90% davon ablenken.

Mit Geschichten, denen die klare Struktur fehlt, die “nur” darauf aus sind, die Sinne zu reizen oder zum träumen einzuladen, oder mit Diskussionen, die den Gang zum Stammtisch und zwischenmenschliche Kommunikation ersetzen (müssen).

Die Fernsehmacher sind rührend besorgt, ein gutes Programm zu machen. Wären die Zuschauer ähnlich besorgt, sich ihr eigenes Programm zu machen, das aus Aktivitäten und nicht aus passivem Programm-Konsum besteht – was wäre dann eigentlich?

Fernsehen, um “abzuschalten”, ist üblich. Zu dem Gewinn, der sich aus dem Abschalten des Fernsehens ergeben kann: “Diät leben” braucht Zeit. Und ist selbst gestaltete Zeit kein Gewinn?

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Ein Kommentar zu “Fernsehen und Diät – Teil 2”

  1. [...] treibe? Antwort im Artikel: Fernsehen ist schädlich für die Diät und im folgenden Artikel, der die kulturelle Bedeutung von “Unterhaltung” [...]

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