Spiritualität und Gehirnaktivität

Da es hier schon einen Artikel “mit Esoterik  abnehmen” gibt, liegt es vielleicht nahe, der Meldung, der Sitz der Spiritualität im Hirn sei jetzt gefunden, nachzugehen.

Italienische Wissenschaftler haben neue Kenntnisse über die  Spiritualität  gewonnen, heißt es heute in Meldungen, die sich eher im hinteren Teil der Zeitungen befinden.

Die Forscher … untersuchten … das Gefühl der Selbsttranszendenz, also die Fähigkeit, sich nicht nur als isoliertes Subjekt, sondern quasi als Bestandteil des gesamten Universums zu fühlen. [Quelle]

Wahrscheinlich sind sie dabei von den Veröffentlichungen von Andrew Newberg, einem amerikanischen Neurobiologen und Radiologen inspiriert worden. Er hält jede Erfahrung –

dazu zählt er auch jede religiöse oder spirituelle Erfahrung – für eine Konstruktion des Gehirns. … So fand Newberg zum Beispiel heraus, dass beim Beten die vorderen Stirnlappen die Führung übernehmen. Diese Bereiche steuern auch die Konzentrationsfähigkeit des Menschen. Ist er dagegen sehr tief in ein Gebet versunken oder gibt er sich der Meditation hin, drosseln manche Gehirnareale ihre Aktivität stark, …  Sind die hinteren Scheitellappen besonders inaktiv, so die Ergebnisse von Newberg, kann es zur Selbsttranszendenz kommen: dem Gefühl, das eigene Ich zu verlassen, die irdische Verankerung zu verlieren und sich mehr als Teil des gesamten Universums zu verstehen. [Quelle]

Ein Vortrag von Dr. Taylor, die während eines Schlaganfalls wechselnde Bewusstseinszustände erlebt hat, und dabei auch “das Nirwana erfahren” hat,  verdeutlicht vielleicht, was “veränderter Bewusstseinszustand” bedeuten kann. Allerdings kann man sich auch an der euphorischen Art des Vortrags stören  (ist Euphorie ansteckend? – Beim Publikum im Video durchaus) und es muss wohl offen bleiben, ob Dr. Taylors Erfahrung reproduzierbar ist. Bei den meisten Schlaganfall-Patienten hat das Ereignis durchaus andere Auswirkungen…

via microdesia.com – wobei die Kommentare auch recht interessant sind.

Fantastic, everyone should see this and be inspired to be a human BE-ing.

fand ich zum Beispiel ein nettes Wortspiel.

Andererseits – seien wir einmal pragmatisch: Die Fähigkeit, sich als Bestandteil des gesamten Universums zu fühlen, ist bei echten Problemfällen doch nicht sehr lösungsorientiert.

Die “Selbsttranszendenz-Forschung am Gehirn” könnte auch in eine spekulative Sackgasse führen, denn zu einem verbesserten Selbstbewusstsein führt diese Bewusstseinserforschung wohl kaum.

Anders gesagt: Es ist ein fundamentaler Unterscheid, ob man die Entstehung von Träumen neurobiologisch erklärt, oder ob man Träume versteht, so dass auch für spirituelle Empfindungen, Erfahrungen, Erlebnisse gilt: Es kommt immer auch auf die Deutung an. Es ist – wieder – wie bei den Träumen: Es gibt nicht nur Wunschträume, sondern auch solche, die eine tiefe, oft schlichte Wahrheit enthalten.
Dabei gilt für die Träume: Man hat sie. Dass man nicht träumt, gibt es nicht, wohl aber, dass man sie nicht erinnert.

Erinnert man sie nicht, hat man zum Unbewussten weniger Zugang. Was das bedeutet, wäre einen eigenen Artikel wert. Ist jemand interessiert?

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