Harald Schmidts Depression und der Quark

Dass er wegen seines oft respektlosen und zynischen Humors in den Medien den Spitznamen Dirty Harry erhielt [Quelle], soll jetzt nicht so sehr interessieren, sondern mehr der Aspekt Zynismus und Ironie.
Es mag neue Formen von Satire im Fernsehen geben, und es gibt Menschen, die “wie aus der Pistole geschossen” satirisch reagieren:

ich bin eigentlich ein fröhlicher Mensch. Natürlich kenne ich so Depri-Phasen, aber meine Gefährdung liegt eher im Sucht-Bereich. Vor allem Alkohol. Aber das habe ich im Griff, nach der zweiten Flasche Rotwein ist für mich Schluss. (Harald Schmidt in der Frankfurter Rundschau)

Das ist natürlich eingeübte Ironie:

Ironie—Lüge über das was man weiss, als ob man es nicht wüsste.

Hinter der Maske ist gut lügen und an der Oberfläche “witzig”, wenn auch nicht wirklich fröhlich sein.

Die Deutsche Depressionshilfe, deren Schirmherr Harald Schmidt … ist, wurde im April 2008 in Leipzig gegründet. Sie setzt sich als unabhängige, gemeinnützige Stiftung für eine bessere Versorgung Depressionskranker, mehr Forschung und Aufklärung ein. Sie ist ein Bund aus Ärzten, Betroffenen und Unternehmen…

Ein anderes Wort für “Maske” ist “Larve”, wenn man etwas versteckt, larviert man es, und so kommt es zum Begriff “larvierte Depression”.
Das hätte der Schirmherr mal erklären sollen, aber  der gelernte Clown hat ein Konzept und  behauptet, gefährlich zu sein:

ich habe eine wirkliche Begabung: Ich merke sehr schnell, was jemanden echt verletzt. Das kann ich, das ist ja auch mein Beruf. Das ist ein unglaubliches Gefühl, wenn einem sozusagen in einem Bruchteil einer Sekunde der Satz einfällt, der den anderen trifft bis ans Ende. Dieser Satz muss dann raus. Mittlerweile sinkt die Hemmschwelle gegen null.

Was eine ziemliche Aufschneiderei ist – die Gags (Humor geht anders) heben sich ja gegenseitig auf:

Die erste Kabinetts-Sitzung dauerte nur 20 Minuten. Oder wie Rainer Brüderle sagt: Eineinhalb Flaschen Rotwein.

Minister Guttenberg war sauer über die 20 Minuten. – Er hat
gesagt: “Dafür stehe ich nicht zwei Stunden vor dem Spiegel im Bad.”

Wir bekommen natürlich immer nur die Rolle des Harald Schmidt zu sehen, bei der der Text gar nicht sein eigener sein muss. Feuerstein gab ihm die Alpha-Rolle und spielte selbst die zweite Geige, so etwas prägt, ist aber in der Neuauflage mit Pocher schief gelaufen.

Vielleicht “leidet” Schmidt auch an einer narzisstischen Depression, wenn er schon damit kokettiert:

 

ZEIT: Herr Schmidt, während unseres Gesprächs blicken Sie immer wieder auf den Fernseher in Ihrem Büro. Das Gerät ist ausgeschaltet, warum schauen Sie trotzdem hin?

Schmidt: Weil ich mich im Glas der Scheibe kontrolliere.

ZEIT: Also gucken Sie immer wieder gerne hin?

Schmidt: Ich kann mich dem nicht entziehen. Schon als Kind habe ich in den Spiegel geschaut. Meine Oma sagte immer: Pass auf, der kommt einmal raus und holt dich!

[Quelle]

Wegen mir kann Harald Schmidt sich in seine Rolle als Depressions-Schirmherr  vertiefen, Therapie machen und Authentizität üben.

Eine ironische  Einleitung wie “Vier Millionen Depressive in Deutschland – das kann nicht nur am Fernsehprogramm liegen!” sollte aber ohnehin noch überarbeitet werden; wenn der  Gag auch eigentlich nicht ganz schlecht ist, wäre hier doch die schlichte, traurige Wahrheit zu sagen.

In einem Leserbrief wird Befremdung über die “gewählte” Vertretung der Sache der Depressiven zum Ausdruck gebracht:

… verhebt sich hier sichtlich an einer Thematik, an der er selbst nicht ganz unschuldig ist; seine zynischen und menschenverachtenden Talkshows stehen in krassem Gegensatz zu dieser wichtigen öffentlichen Aufgabe! Hätte er einen Funken Anstand (und Verstand) im Leib, müßte er verschämt wegen grenzenloser Überforderung diese Schirmherrschaft niederlegen! Der Stiftungsvorstand, wohl selbst ein Therapiefall, will hier wohl den Teufel mit dem Beelzebub austreiben und hat nicht mehr alle Tassen im Schrank!!

worauf in einem anderen Leserbrief geantwortet wird:

… Quark … 

Richtig! Wozu auch seine Nase in diesen Quark stecken – wieder mal ein Artikel, der überhaupt nichts mit Gesundheit zu tun hat…

Related posts:

  1. Harald Schmidt: Mehr Quark!
  2. Zusammenhang zwischen Fast-food und Depression
  3. Sucht, Selbsthilfe, Depression und Esssucht
  4. Depression: Vorbeugen mit der richtigen Ernährung
  5. Schokoladen-Hunger und Depression

Ein Kommentar zu “Harald Schmidts Depression und der Quark”

  1. Ist H.S. jetzt Bock oder Gärtner? Jedenfalls wieder auf Sendung ;-(

Hast Du eine Anregung, Frage, Kritik oder ein Lob? Dann
Gib doch einen Kommentar ab!
(Aber keinen Quatsch schreiben!)

Frische Kommentare

  • Evelin: Hallo Klaus-Peter, …..ich hatte Zeit, Deinen wunderbaren Artikel zu lesen. Er macht...
  • C. Schulze: Auch, wenn diese Kommentare schon recht lange her sind, möchte ich doch etwas dazu...
  • Robert: Was für ein einzigartiger Blog! Diese fast schon skurrile Kombination aus...
  • DerJens: Ich verstehe. Vielen Dank für deine adäquate Antwort :)
  • Stefanie: Oh, das freut mich aber, dass dich meine Mini-Cheesecakes angelockt haben :-) Ich...

Rubriken

Archive

Motivation