Schummeln, Mogeln, Beutelschneiden: Vom Wert des schönen Scheins

So künstlich wie das bezeichnete Produkt ist das Wort, das sich jetzt in die Deutsche Sprache gemogelt hat: Analogkäse… Ob sich dahinter ein Skandal verbirgt? Wahrscheinlich ja: Wer Pampe bekommt und für Käse bezahlt, wird betrogen.

Mit Pflanzenfett im Sahneeis verhält es sich ähnlich, künstliche und “naturidentische” Aromastoffe (warum gibt es keinen Joghurt, auf dem “naturähnliche Aromastoffe” deklariert werden?)  gaukeln den Geschmacksnerven falsche Tatsachen vor, und vor allem das Auge wird getäuscht, wenn etwas an der Oberfläche aussieht, wie das natürliche Vorbild, es sich aber nur um ein Imitat handelt.

So konnten Laminat und “Kunststoffurnier” in die Haushalte einziehen, niemand regt sich auf, und es gibt kaum ein Armaturenbrett ohne den eingeprägten Effekt von Leder; sogar Aluminium wird mit Plastik imitiert, und ganz selbstverständlich werden Poly-dingsda-Fäden als Wolle bezeichnet.

Gefakte Leserbriefe im Auftrag von Staatsunternehmen, “Vermächtnisse”, um nicht deklarierte Parteispenden einzuschleusen – das könnte eine lange Liste werden.

Formschinken ist Schinken, der besonders gut in Form ist, Fleischwurst ist Fleisch in Wurstform, und Kunststoff ist der Stoff, aus dem Kunst hergestellt wird. So einfach ist das.

Nun behaupten Verbraucherzentralen das Gegenteil, steigt foodwatch auf die Barrikaden (auch das stimmt überhaupt nicht, in Wirklichkeit wollen sie den Verkehr nicht blockieren, sondern mit Hilfe von Ampeln regulieren), Tatsache ist: Uns wird ein X für ein U vorgemacht.

Übrigens hat sich keine Verbraucherzentrale aufgeregt, wenn die Zigarettenreklame behauptet, ihre Produkte enthielten den Duft der Grossen Welt, den Geschmack von Freiheit und Abenteuer, oder sonst eine süße Versuchung. Das ist schließlich auch nur gelogen.

Eigentlich ist man es leid, über diese Dinge zu schreiben, ist doch mit dem alten Sprichwort:

“Es ist nicht alles Gold, was glänzt”

längst das ganze Thema abgedeckt.

Dass inzwischen auch Müll und Schrott “vergoldet” wird, erschreckt dann doch, ist aber ganz logisch: Wenn die Kultur auf dem “als-ob” Prinzip beruht, Erfolg hat, wer so tut, als ob er sein Metier beherrsche, die Politik so tut, als ob jegliche Probleme gelöst seien … – auch diese Reihe lässt sich weiterführen.

Und in diesem Getriebe sind Verbraucherzentralen und ähnliche “kritische” Organisationen auch nur kleine Rädchen, die sich mit angelegten Scheuklappen brav mitdrehen.

 

Mit Dank für den Hinweis auf die Plagiat-Falle an Christoph vom Bandssscheiben-Blog

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2 Kommentare zu “Schummeln, Mogeln, Beutelschneiden: Vom Wert des schönen Scheins”

  1. [...] war das noch bei dem Skandälchen, als die Bahn sich für Geld schmeichlerische Postings und Leserbriefe schreiben ließ? Genau: Man kann nie wissen, wie diese Meinungen in Foren und Wikis zustande [...]

  2. [...] modifizierten Käse zum Käse-Imitat ist der Weg nicht allzu weit; und der Schmelzkäse-Aufstrich und die “Scheibletten” enthalten [...]

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