Frankfurt am Main: Das Küchenluder erklärt den Tod der Diät – und wann gründet sie eine Selbshilfegruppe für Übergewichtige?

In der Rubrik “Panorama” gibt es heute bei der FR einen Artikel von Petra Mies. Sehr unterhaltsam: Das heißt, alles, was wir übers Abnehmen und Diäten – Reduktionsdiäten – schon wissen und kennen, wird sehr nett noch einmal durchgekaut; der zeitliche Abstand zum  “Moppel-Ich” von Susanne Fröhlich ist jetzt groß genug für eine kleine Neuauflage…

Ein dünner Artikel: Von einem Gespräch mit Susie Orbach bleib nur dies:

Die hochintelligente und international renommierte Therapeutin Susie Orbach erklärte mir in London, wie gefährlich das Szenario der Essstörungen ist (isst?). Ihr Credo: Wir sollen essen, wenn wir Hunger haben. So banal, so wahr. Wenn sie mal über die Stränge schlage, sagte die Anti-Diät-Expertin, "dann halte ich mich einfach am Folgetag ein wenig zurück".

Das also bleibt von der feministischen Anti-Diät-Bewegung.

Aber loben muss man den Artikel auch, für diese Stelle, die sich des Phantomfetts annimmt:

Dramen rund um die Figur erlebt auch die Chefin eines bundesweit bekannten Dessous-Geschäftes in Frankfurt täglich. "Ich sehe hier die tollsten Frauen in der Kabine mit wahnsinnigen Figuren, die ins Sportstudio bis zum Abwinken gehen, und sie alle finden sich total hässlich." Sie ergänzte, ihren wunderschönen, opulent-wohlgerundeten Körper streichelnd: "Dann kann ich auch gleich fett bleiben."

Frau Orbach, um noch einmal auf die feministische Diät zurückzukommen, meinte, dass die Esssucht mit dem unbewussten Wunsch, dick zu werden, verbunden ist, und die Funktion des Dick-Seins bestehe darin, vor weiblicher Konkurrenz und vor männlichem Interesse zu schützen…

Esssüchtige erleben keinen Hunger, sondern essen, um ihre Affekte zu regulieren, weil sie traurig, nervös, gelangweilt, gestresst usw. sind, meinte sie.

Katja Kaygin schrieb 2004 in ihrer Rezension zum Anti-Diätbuch:

Neben einem Plädoyer für Selbsthilfegruppen gibt die Autorin Tipps für den Umgang mit der Esssucht…

Das alles wird hier unterschlagen; dafür bekommen wir ein Patentrezept:

Seid dürr, seid dick, egal. Lasst Euch nicht operieren, macht keine Diät – Bikini hin, Badehose her. Seid wie Ihr selbst.
… Denn schön ist, was in sich wohnt. Seid glücklich.
Das Rezept: Wer unbedingt abnehmen will, sollte Maß halten und Sport treiben. Es gilt, Gemüse, Obst, Vollkorn und das andere Zeug zu essen, von dem ohnehin jede und jeder weiß, wie gesund das ist. Und immer schön und viel Wasser und Früchtetee saufen.

Soll das “Früchtetee saufen” bedeuten, dass Alles nicht so gemeint war, und nur ein Spaß? Wenn Petra Mies diese Frage beantworten könnte – das wäre nett. Aber warum sollte sie ausgerechnet hier “vorbeilesen”?

Zum Anhören:
Einige Vorträge über Essstörungen (Wien 2007)
(Aber Vorsicht: Der “Stoff” ist mehr belastend als hilfreich)

Zum Lesen:
Essstörung als Orientierungsstörung
Kann es Patentrezepte geben?
Hunger
Das Phantomfett

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