Ernährung in der Krise – Wunschvorbild MdBs – Wer isst Alles auf?

Die Wahl ist gelaufen, die Probleme, die im Wahlkampf unter den Teppich gekehrt worden sind, müssen  nur noch – neben den angeprochenen – bearbeitet und gelöst werden. Von nachhaltiger Ernährung oder ökologischer Landwirtschaft zum Beispiel war nicht die Rede, obwohl  in diesem Bereich  bei der Klimakrisen-Bewältigung genauso die Ärmel aufgekrempelt werden müssen  wie zum Beispiel im Verkehrssektor oder bei den sozialen Fragen. Was können wir von den Mitgliedern des Bundestags (MDBs) erwarten?

Dass unsere Ernährungsweise sogar in globaler Hinsicht soziale Krisen auslöst, sollte in Zukunft nicht mehr automatisch ausgeblendet werden – Sojaanbau auf  Urwald-Land, Fischstäbchen aus Fängen, die armen Ländern “vor der Nase weggefischt werden” oder auch arktischer Krill, den sich (Mega?-)Tonnenweise aus der See saugt, wer über die Technik und die damit verbundene Macht verfügt: Das kann die Menschheit besser lösen. Wenn rund um den Krillfang eine Goldgräberstimmung herrscht, ahnen wir, wie das ausgehen wird.

Das “Gold” ist das Öl, das der Krill aus den verzehrten Kaltwasseralgen angereichert hat, letztlich also Algenöl – das ist als Nahrungsergänzungsmittel rentabel, wenn auch unklar bleibt, ob die enthaltenen Omega-Fette wirklich so wichtig für die Intelligenzentwicklung und elastische Adern sind, wie manchmal gemunkelt wird.
Beim – chemisch gleich gestrickten – Fischöl hat eine sich verbreitende Skepsis wegen Quecksilberbelastungen und Ähnlichem eingesetzt…   Grundsätzlich ist ja eine Verbindung von Biologie und menschlicher Gesundheit vorauszusetzen; nur in Stichworten: Zur Gesundheit gehört ein gesunder Geist, der auf ein gesundes Gehirn angewiesen ist, das für seine Funktion – volkstümlich ausgedrückt – “Gehirnschmalz” gebraucht, der wiederum aus möglichst gesunden Fetten in der Nahrung aufgebaut wird.  Verbundene (integrierte) Ernährungskonzepte  besagen:

“… gesundes Essen ist undenkbar ohne soziale, ökologische und ethische Verantwortung!” Eine Fokussierung auf die Ernährungsempfehlungen der DGE ist aus Sicht von Slow Food nicht vereinbar mit der Notwendigkeit uns so zu ernähren, dass Biodiversität und die untrennbar mit ihr verbundenen kulturellen Räume, Techniken und Traditionen gewahrt und das Klima geschützt werden.

Vor diesem Hintergrund ist beispielsweise die empfohlene Menge Fisch von ein bis zwei Mal pro Woche untragbar.”

Der Zusammenhang von Umwelt- und Ernährungspolitik zeigt sich nicht nur bei Überfischung, Plastik und  Gift im Fisch – auch  Palmöl im Brotaufstrich bleibt nicht ohne Folgen, und die psychosoziale Funktion der Mahlzeiten wird von Arbeitszeiten und Kinderbetreuungsmodellen berührt, politisch aber wenig reflektiert.

Was wir bekommen, was uns ernährungspolitisch “zum Fraß vorgeworfen” wird und was wir brauchen, ist zu unterscheiden. Ebenso natürlich “achtsames Essen” und “Sättigung wie gewohnt” und “Schlingen”.

Der  “Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) beim Bundesministerium für Ernährung und  Landwirtschaft” (wbae) hat vor gut einem Jahr “Empfehlungen für  eine moderne Ernährungspolitik” veröffentlicht – und zwar, dem Namen des Autorenkollektivs entsprechend, wissenschaftlich fundierte Empfehlungen. Die Empfehlungen haben es in sich – wurden aber nur brav zur Kenntnis genommen und höchstens ansatzweise umgesetzt:

Das Gutachten lässt nichts aus, was zu einem modernen Begriff von Ernährung gehört. Viele Tabellen und Grafiken unterstützen die Argumentation. Dem Wissenschaftlichen Beirat ist mit seinem Werk eine umfassende, schnörkellose und vor allem ehrliche Betrachtung gelungen, die sich zu lesen lohnt.”

 

Die Kritik am Gesundheitssystem geht im Wust der kritischen Betrachtung unter – Motto: “Man kann doch nicht alles lesen”. Zum Beispiel steckt in dem Satz

“Das Gesundheitssystem und öffentliche Einrichtungen sehen Ernährung eher als Nebenthema an”

doch eine gewisse Menge an Sprenstoff:

Die Fortsetzung

“Unter einem hohen Kostendruck werden erhebliche Qualitätsdefizite in Kauf genommen und kontraproduktive Signale an die Klient*innen und in die Gesellschaft gesendet”

ergänzt – wenn auch chiffriert – dass “Billig und Gut” nicht zusammengeht.
Die Anfangsanforderung, dringend bei den Gemeinschafts-Ernährungseinrichtungen wie Krankenhaus, KITA, Schule, Universität, Firmenkantine mit “Junk” als Ernährungsnorm Schluss zu machen, steht allerdings wirkungslos auf geduldigem Papier.

So eine Portion Nudeln mit Stangenbohnen, die problemlos auch in größerer Ausführung sichtbar wird, muss auch irgendwie abgeschmeckt werden. Hier ist “Butter bei die Bohnen” gekommen, viel Knoblauch (gerieben), Thymian und Salz; die selbst gemachten, extralangen Dinkel-Bandnudeln haben noch 3 TL. selbst gemachtes Ketchup (wenig Zucker, aber extrem kräuteriger Essig) abbekommen.

 

Das war also vegetarisch. Die Butter durch ein passendes Pflanzenöl zu ersetzen, würde das Gericht zum veganen machen.  “Stangenbohnen mit Nudeln” sind vielfach noch unvorstellbar.  Das liegt an eingeschleiften Gewohnheiten und schwach ausgeprägter Phantasie – “Schnitzel, paniert” ist und bleibt der Renner in der Deutschen Betriebskantinenkultur:

 

Investitionen sind bei dieser reformbedürftigen  industriellen Fleischerzeugung absolut notwendig: Die Megaställe abreißen und kuschelige, artgerechte Aufenthaltsorte ohne Übervölkerung erstellen ist bei einer sozialökologischen Transformation ein Gebot der Stunde.
Doch da fordern marktliberale Elemente die Selbstregulierung der Biologie plus, der Gerechtigkeit zuliebe, Steuersenkungen! Maja Göpel meint:

 

Ausgerechnet jetzt, wo reiche Menschen 0,1 Prozent Zinsen zahlen, brauchen sie Steuer­erleichterungen, damit sie anfangen zu investieren? Das ist absurd.

 

Es könnten ja auch mal wieder die kleinen Leute investieren, oder Kommunen, die Öko-Bauernhöfe gründen und Arbeit schaffen – nicht unbedingt nach Bundes-Angestellten-Tarif (“kommunal”), sondern vielleicht nach einer Formel, die Mindestlohn und erwirtschafteten Gewinn, nach Abzug von weiteren Zukunftsinvestitionen, verbindet.

Foto/Graphik stammt aus “Supersize me 2″, einem Film, von dem man zumindest den Trailer gesehen haben sollte: Das Essen ist nicht “healthy”, aber immerhin “HELLthy”. Die weiße Schrift stammt aus dem Film, die rote habe ich noch ergänzt, die Aussagen in weiß widerlegt der Film, das Problemfeld “Antibiotika” ist dort vergessen worden.
Dieses Turbo-Geflügel  ist  kein schlechter Futterverwerter, verbraucht allerdings biologisch bedingt mehr Kalorien, als es liefert.

Das turboschnell wachsende Geflügel wird mit nichtssagenden, kostenlosen “claims” beworben- besonders aufschlussreich die Illustration der Möglichkeit, freien Auslauf zu genießen:

Das kann also “Freilandhaltung” sein, wenn auch nicht für alle.

 

Wenn es jetzt darum geht, “…. ob ein rot-grün-gelbes Dreierbündnis in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik tiefgreifende Veränderungen bewirken kann”, dann doch vor dem Hintergrund der  klimabedingt unverzichtbaren Reformen im Energie-, Bau-, Agrar/Ernährungs- und Verkehrssektor.

 

Im Ernährungsektor gilt, dass Tofu ein guter Ersatz für Fleisch ist, wie auch Tempeh. Gleichzeitig ist deren Herstellung im industriellen Massstab aber dem Geschmack nicht zuträglich – der Genuss bleibt auf der Strecke.  Ware, die aus kleineren Werkstätten, “Manufakturen” kommt, hat ein Problem mit der mangelnden Nachfrage.

Was die Bildung betrifft, darf es auch gern etwas mehr sein. Damit unsere frischgebackenen Wunschbundestagsabgeordneten und überhaupt Alle sich mal mit der Einsicht in eine Sache und der Konsequenz aus der Einsicht auseinandersetzen können. Nur über den kulinarischen Wert der Kantine zu lästern ist zu wenig,.

Revolutionär geht es erst zu, wenn alle Kantinen ein Grund zur Freude sind – für Mensch und Tier!

 

Quarkspeise mit abgetropftem Yoghurt nebst jungen Klein-Pellkartoffeln und “Schnittlauf-frisch-aus-dem-Blumentopf”. Olivenöl und Paprika.

Wer souialökonomisch denken kann, kann auch nachvollziehen, dass die (“bedingungslose”) #Biolebensmittelgrundversorgung  herbei muss.  Wenn bei denen, die wenig haben, das BIO-Prädikatsessen  zum “Neuen Normalfall” werden kann, orientieren sich wohl auch die Besitzenden um.

Kleine Studie zur Resteverwertung: Ein Restchen Reis war übrig, eine Menge Champignons sollte verarbeitet werden, aus Haltbarkeitsgründen.

Champignons raspeln, in der Pfanne mit Öl garen/”eindicken”, gut würzen, dabei etwas Sojasauce verwenden, mit frisch geriebenen Semmelbröseln, dem gekochten Reis und Sesampaste (Tahin)  eine formbare Masse herstellen, diese in passende, gedämpfte Chinakohlblätter wickeln, braten und mit Sriracha-Sauce und Ketchup dekoriert servieren.

Motto zur Resteverwertung:

In ganz Deutshland kochen Leute mit Resten. Nur nicht  im “Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft”!

 

Gar nicht so selten sind Eltern, die die Teller der Kinder leeren, aufessen, was sonst Reste wären. Das zeigt, wie unterschiedlich die Motivationen zum Essen sein können, das lässt erahnen, dass die “Therapie der Volksseuche Adipositas” gar nicht so einfach wird. Wenn  die Politik sich dieser Aufgabe überhaupt stellt.

 

 

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  • Evelin: Danke für diesen wunderbaren Artikel. Den Fotos sieht man an, dass die Gerichte...
  • Claudia: In diesem Artikel ist nicht immer klar, ob du etwas kritisierst oder empfiehlst –...
  • Andy: Also ich verbinde ja meinen Biergarten Besuch immer mit einer Fahrradtour und suche mir...
  • Peter: Hallo Klaus-Peter, ich lese mich grade durch die neuen Teilnehmer bei Meike durch die...
  • Timo: Die nusshaltigen Tempeh sehen super aus. Da bekomme ich richtig Appetit.

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