Bananen-Eliten, gezuckerte Erdbeeren, Klimafolgenverfolgung, Ende Gelände

Eine Bananenrepublik zeichnet sich durch ihre Obst-Exporte aus, wird eigentlich von den Obsthändlern regiert, und der Ausdruck ist nicht mehr gebräuchlich. Heute werden unstabile Staaten von der Energie- und Rohstoffwirtschaft, dem Drogenhandel, Menschen-Raub, Finanzsektor und  und Korruption bestimmt.

Mag die eigentliche Verfassung auch demokratische Zustände vorschreiben, gibt es in unregelmäßigen Abständen Militärputsche, oder von außen angezettelte „sonstige Aufstände“ – neulich waren Bilder aus einem südamerikanischen Land mit blutigen Demonstrationen, brennenden Barrikaden und Autos auf der Straße im Fernsehen zu sehen. Die „bessere Gesellschaft“ vergnügte sich im Opernhaus beim Kulturgenuss,  und der Kommentator erzählte dazu etwas von der „korrupten Elite“ dieses Landes. Hierzulande würde man doch zumindest erwarten, dass ein Oberbürgermeister zu den Barrikaden eilt, um zu schlichten 😉

Wahr ist allerdings auch, dass die Frage „Woher wissen wir, dass unter den „Vermummten“ tatsächlich Demonstranten waren und nicht auschschließlich Polizisten?“ in Bezug auf die „Hamburger Krawalle“ zwar übertrieben ist, aber auch nicht ganz abwegig erscheint.

Hier noch einmal das Thema „Erdbeeryoghurt“: Nur Erdbeeren und Yoghurt, sonst nichts, außer ein wenig Zucker. Nicht mehr als nötig, verrührt und unverrührt. Der Yoghurt ist selbst gemacht, aus dem „Multicooker„.

 

Wenn alles rund um „Bananen“, „Kaffe, Kakao, Kautschuk, Kokain, Kanonen, Kalorien“ und vielleicht auch „Zuckerrohr-Ökonomie“ von dieser feinen Gesellschaft bestimmt wird, kann unschwer mit Marcus Tullius Cicero, römischer Politiker, Anwalt und Philosoph, 106–43 v. Chr. belegt werden, dass ein unschönes Phänomen in diesem Zusammenhang  (Staatsdiener, die in die eigene Tasche wirtschaften) nicht allzu neu sein kann:

Der Staatsdienst muss zum Nutzen derer geführt werden, die ihm anvertraut werden, nicht zum Nutzen derer, denen er anvertraut ist.

So ein Satz fällt ja nicht ohne Bedarf. Nur mal zur Abwechslung: Von unseren Politiker fordern, sie sollten sich nützlich machen – kann das ein schöner Spass und ein Heilmittel gegen die Politkverdrossenheit sein?

Nützlich wäre ein „Schluss mit der Gehirnwäsche“ – im Falle „Zucker“ gibt es zum behaupteten Liebesbeweis einen kleinen Film, der geht so:
Mädel sitzt mit Typ 1 auf Sofa und langweilt sich. Es klingelt. Typ 2 will ihr ein großes Lebkuchenherz schenken, das mit „zuckerfrei“ gelabelt ist. Mädel knallt ihm die Tür vor die Nase und langweilt sich weiter (mit Typ 1).
 
  • Wo die Jugend Zucker meidet, müssen Zuckerrübenbarone verhungern.
  • Durchschnittsverbrauch Zucker bisher: 35 Kilo.
  • Zucker-Sucht zu diagnostizieren, ist nur unvoreingenommen möglich.
 

Politiker zur Aktion auffordern wird wahrscheinlich kein einfacher Spass, weil die Politik allzu träge ist.

Bei den „Menschheitsaufgaben“, die im Moment hauptsächlich in mehreren Wenden bestehen, ist keine Partei und keine Institution allzu beweglich – Ernährungswende, Verkehrswende, Abwenden vom Versch-wende-n, dazu das Herstellen stabiler Wohnverhältnisse, die Rentenwende samt Diskrepanz zwischen satten Pensionen und  Mini-Renten, –  und ganz allgemein die Energiewende…

Als Kolumnist hat Richard-David-Precht prognostiziert, dass

„… wir einfach so weitermachen, bis die ganze Erde vollständig zerstört ist. Denn all das [Kapitalismus, Konsumismus, Nachhaltigkeit] ist alternativlos.

Und ist es nicht besser, gar nicht zu existieren, als ohne Energieverschwendung, Massentierhaltung, Plastiktüten und Flugreisen zu existieren?“

Ich würde Herrn Precht absolut zustimmen wollen: Überhaupt zu existieren, ist Energieverschwendung; anschließend bleibt ein wenig Restmüll, aber nichts, was die Ewigkeiten überdauert, wir gehen samt unserer Wirts-Kultur unweigerlich unter.  Die Souvenirs von den Reisen – auf Flohmärkten massenhaft zu finden – erscheinen wertlos, wenn niemand sie will, und nur die wenigsten Mitbürger kennen den wahren Wert wirklich seltener oder künstlerisch gestalteter Plastiktüten: Konsumismus ist sinnlos genug, um alternativlos zu sein.

Verkleinern wir im Kampf wider den Konsumismus die Portionen, schwenken auf den Kurs „Snackifizierung“ ein – oder haben wir noch eine Alternative?
Reifer und dabei milder, „cremiger“ Ziegen-Camembert mit ebenfalls reifer Erdbeere und einem Tropfen gereiftem Balsamico-Essig ist jedenfalls alternativlos, und dass es so eine „süchtig machende“ Leckerei nicht endlos gibt, wird manchmal bedauert, manchmal gut geheißen.

 

Am PIK – Potsdamer Institut für Klimafolgenverfolgung –  stimmt Anders Levermann uns darauf ein, dass die Verantwortung für den Klimawandel nicht auf die Schultern des Einzelnen gehöre:

„Der Handlungsdruck ist real. … Jeder Einzelne ist weiterhin in der Verantwortung … informiert und beharrlich zu bleiben – die Politik und Institutionen nicht vom Haken zu lassen …“.

Mit individuellem Verzicht sei die Welt nicht zu retten, diktiert er stolz der BILD-Zeitung, stolz auf seine Erkenntnis: Fleischverzicht ist Quatsch, obwohl es bloß um eine Reduktion geht, um Klimadiät zum einen und Klimadiät zum anderen.

Nebenbei: Der individuelle Verzicht auf eine Flug-Reise bewirkt natürlich nur eine winzige Co2-Ersparnis gegenüber der staatlich gelenkten Maßnahme „Kerosinsteuer“ und „Flughafengebühr“. Dabei gibt es auch mal Interessenskonflikte, wenn der „Hafen für die Luftschiffe“ Einnahmen generiert, die mit Lärm und Luftverschmutzung  für die Bewohner „im Einzugsbereich erkauft“ werden.

Mal wieder die pure Utopie: Der Erdbeerkefir ist trinkbar, die Minze essbar, der Trinkhalm kompostierbar: Die reinste Heile-Welt-Schnulze, absolut -bar 😉

 

Das Drei-bis-Vier-Volksparteien-Spiel

Im August 2018 äußerten sich zwei Veteranen der SPD im Zentralorgan der Partei, im „Vorwärts„: Die entscheidenden Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft seien

  • „… die drohende Zerstörung der Natur,
  • die Verringerung der sich ständig erweiternden sozialen Kluft und
  • die Zähmung und Kontrolle des seine Macht kontinuierlich steigernden neoliberalen Kapitalismus.“

Eppler und Vogel durften noch einmal zeigen, welcher Kurswechsel zu den veränderten Zeiten gehören würde  – und wie unbeeinflussbar die einstige Volkspartei Ballast abwirft, Personal über Bord „schmeißt“, Kurs hält,  schrumpft und …  –  das hat sich von selbst gezeigt. Mit vorübergehend zwei Kapitäninnen und einem Kapitän stehen die Chancen, auf den vorbestimmten Eisberg zu treffen, gut.

 

„Etwas mit Grün“ ist bei „grünen Themen“ doch angebracht, oder nicht?

 

Die „christlichere“ Volkspartei  erwägt – falls das Volk die Maßnahmen, die zum Überleben der Menschheit erforderlich sind, akzeptiert –  gesllschaftspoltische Veränderungen durch Führung und Vordenken:

„Erwartungen und Ideen, Ängste und Hoffnungen der Bürgerinnen und Bürger sind von Anfang an in die strategischen und notwendigerweise zügigen Entscheidungsprozesse einzubinden.“

Das kann heiter werden. Mit „Bewahrung der Schöpfung“ als „Markenkern“ gibt es dann nicht das zu neuem Leben erweckte spritsparende Gogomobil, sondern  ein putziges Ökomobil als Rentnerauto mit Wackeldackel auf der Hutablage – doch muss es dabei nicht bleiben, denn

„…  wir glauben an neue Ideen, Tatendrang und Zukunftsoptimismus. Uns leitet dabei unsere ethische Verpflichtung gegenüber unseren Mitgeschöpfen ebenso wie gegenüber den kommenden Generationen und der Schöpfung als Ganzem.“

 

Von der Schöpfung reden wir vielleicht ein andermal.
Schöpfungsmythen gibt es viele, und sich aus der Überlieferung einen vier-Zeilen-Wertekanon zusammenzubasteln kann nichts werden, zumal, wenn es nur um populäre Phrasen geht – so gesehen beim Bundes-tags-mitglied K.-P. Willsch: Wer aus Weinreben Kreuze bindet, die den Besitz von Werten anzeigen sollen, greift allzu tief in die die mythologisch-symbolische Trickkiste.

Nur – was tun, wenn der Schöpfer wollte, dass die Pole eisbedeckt seien und bestimmte Berge Gletscher tragen, der Mensch aber mit Hilfe dieses fiesen Treibhaus-Zusammenhangs das regulierende Eis auftaut?
Also wie die Schöpfung bewahren?

Nebenbei muss Frau Kramp-Karrenbauer auch verstehen, wie ihr lockerer Umweltoptimismus auf die pessimistischeren Mitbürger*Innen und Mitbürger sich auswirkt:

Wenn untätige Menschen Regierungsverantwortung und Leitkompetenzen besitzen – oder tätig werden und die Weichen falsch oder viel zu spät stellen vergeht mir jeder Optimismus. Ganz abgesehen von dem grässlichen Deutsch, das hier vertextet und verhunzt wird. Das wäre noch zu verschmerzen, wenn die unfähige Fraktion wenigstens einsähe, dass die Grenzen des gesunden Wachstums schon lange überschritten sind.

Ganz abgesehen davon sind noch viele relativ einfache Fragen zu lösen und Widersprüchlichkeiten aufzulösen, etwa:

„Das kann nicht richtig sein“ wie bei einer Rechenaufgabe mit falscher Lösung – Aber wie ist der richtige Lösungsweg, das korrekte Ergebnis?
Angie ist hilflos und traut sich nicht, zu fragen, wie man das Problem löst.

 

Nicht zu vergessen sind immer noch die globalen Probleme: Die Gletscherschmelze im Himalaya kümmert indische Umweltwissenschaftler, kann – wir kennen das Muster – anhand aktueller Satellitenaufnahmen und alter Spionagesatellitenaufnahme über längeren Zeitraum nachvollzogen werden.

Das muss man doch mal mit eigenen Augen gesehen haben, munkelt es bei der dritten, der grünen Volkspartei, und aus mäßig unterrichteten Kreisen heißt es, mit einer grünen Verteidigungsministerin wäre dann eine Informations-Fraktions-Reise mit einer vollrestaurierten Transall möglich. Wobei vielleicht doch zuerst Sibirien bereist werden sollte, um apokalyptische internationale Gefahren abzuwenden.

 

„Das Volk will geführt werden“ – das ist eine These, mehr nicht, die läuft darauf hinaus, dass es wie in einer Monarchie Machthaber und Sager gibt und Steuerzahler, die mit Leib und Seele dafür sorgen, dass es unseren Fürst- und Höflingen, die das Sagen haben, gut geht.

 

Was ist jetzt „Aufklärung“?

„[die Leute] … tun, was sich bewährt. Ich bin da illusionsfrei, dass es über Aufklärung läuft. Sie müssen sich an bestimmte Argumente und Praktiken gewöhnen.“

Wenn ein Soziologe in der TAZ  so spricht, auf die Vernunft und Initiative der oberen Schichten, der „Eliten“ setzt, ist das ein durchaus gefährliches Spiel. Die Eliten könnten sich ja je ihre kleine Arche kaufen und dem Anstieg der Meere gelassen entgegensehen.

Kündigungsschutz, Mutterschutz, Mindestlohn hatte Armin Nassehin als Beispiele für das, woran man sich gewöhnen kann, genannt; günstigere Tarife für die Bahn, günstiger als als jedes Fluggerät könnten bei einem schnellen Takt auch zu einer Gewöhnung führen, und so weiter.
Sicher, da müsste auch mal ein Machtwort gesprochen werden – vom gut-Zureden und wegen einer noch so hochwertigen Aufklärung  hält kein Braunkohlebagger die Schaufeln an.  Auch diesen Zusammenhang sieht der Soziolog‘:

„Die Kunst der Eliten ist es, den Leuten Dinge zu sagen, von denen sie denken, dass sie sie selbst gesagt haben“

Was will er damit sagen?

Zunächst einmal: Es geht um die Kunst der Propaganda. Da hatten Zigarettenhersteller Kampagnen mit „Influencerinnen“ gestartet, die in einer Scheindemonstration blaubestrumpft durch die Straßen marschierten, ihr Recht auf Rauchen in der Öffentlichkeit beschrieen. Kunstvoll wurde die Botschaft „Raucht, ihr Frauen, raucht!“ transportiert, und die Medien machten kostenlos mit, hatten ja etwas zu berichten.

Es geht um Meinungsmache, Stimmungsmache, Gewohnheiten und Verhalten. Weil es so diktiert wird, gehören zusammen:

  • Fleisch/Lebenskraft,
  • Feierabend/Bier,
  • Party/xyz.
  • Freunde/Grillen,
  • Essen/Fast-food,
  • Urlaub/Flieger/Kreuzfahrt,
  • Strom/sauber/Steckdose:

Das muss ja alles „passend“ verknüpft werden, im Interesse der Dividenden (und der Höflinge auf der Achse Berlin-Ingolstadt, beispielsweise).

 

Diese verdrehten Nudeln heißen laut Packung „Gemelli“, sind mit Sardellen, Kapern, Tomaten, Knoblauch und nicht viel mehr zubereitet; nennen wir das Gericht „Gemelli Siziliane“. Es macht ja nichts, wenn die Sizilianer dieses Nationalgericht gar nicht kennen; Noch nicht 😉

 

Und wo ist die Elite?

Das ist eine schwierige Frage, ungefähr so schwierig wie die Frage an Herrn Scheuer:

„Was war denn das für ein Malheur mit der Maut? Sind Sie Elite oder Niete?“

„Eliten“ sind es ja, laut ungeschriebener Sprachregelung, eine Art „bessere Gesellschaft“. Natürlich kümmert Scheuer sich jetzt ab sofort um „Güter auf die Bahn“, um hervorragende Lokomotiven und Waggons mit Flüsterbremse, Energierückgewinnung und GPS-Ortung,  genug Schienen, Strom und Personal, Reserven für Unvorhergesehenes, besorgt die fehlenden Gleise, um Stuttgart im kommenden Bahntakt zu integrieren und verteilt die Schulden der Bahn unter den Vorständen, deren Entschlusskraft das Defizit verursacht hatte. Überdachte Radwege und emissionsfrei Schifffahrt, Flugtaxen, wo der ÖPNV unterfordert ist, Busse mit Neigetechnik, Treppenlifte und, und, und…

 

Den Politiker*Innen Dinge sagen, von denen sie denken, dass sie sie selbst wollen

So eine Vorstellung wirkt vielleicht „ulkig“ und nicht ernst gemeint – doch ernstzunehmende Forderungen an die Politik sind auch dabei und werden mehr und mehr auftauchen.

Verknüpft mit „Anreizstrukturen“ wie Wähler*Innenstimmen für Politiker mit ökologischem Wohlverhalten könnte sich der Soziologen-Spruch zu einem „Lernen wir, den Politiker*Innen Dinge zu sagen, von denen sie denken, dass sie sie selbst gesagt haben“ entwickeln.

„Dem Wohle des Volkes und nicht bloß meiner kleinen Karriere zu dienen…“ – oder so ähnlich haben sie ja ohnehin geschworen.

 

Die Kunst des Regierens

Cicero, dessen Worte doch kaum ungültig geworden sind (und als eine „Privatmeinung“ gehörig missverstanden wären) hätte genug Abstand zum Heute, um sagen zu können, ob neue Zeiten, „neue Umstände“ auch neue Wege und Lösungen erfordern. Oder ob wir uns (parallel) nach uralten Grundsätzen richten müssen:

„Stellen Sie für jede Achse eine dynamische Balance her!“ Ist das verständlich genug oder nicht so ganz?
 
 

 

„Die Klimakrise aufzuhalten bedeutet eine Großaktion, die jeden Menschen auf der Erde involviert. Es bedeutet, unsere Art zu leben und zu wirtschaften komplett zu verändern.

Die Klimabewegung ist dabei, genau dies einzufordern. Unsere Welt, unsere Gesellschaft befindet sich im Umbruch, vergleichbar vielleicht mit der französischen oder industriellen Revolution. Dieser Umbruch übertrifft beide in seinem Ausmaß gleichzeitig um ein Vielfaches: Wir kämpfen um die Existenz des Lebens auf der Erde.“

Kathrin Hennberger, Sprecherin von „Ende Gelände“, in ihrem Gastbeitrag auf Freitag.de.

 

Die Freitags-SchülerInnen-Aktionen sollten weitergehen, wie auch die Umweltbewegung Fortschritte machen muss – weil es um „Mutter Erde“ geht.

Somit geht es auch um unsere Gesellschaft, in der die Kids bälder, als sie vermuten, selbst Verantwortung übernehmen werden – bitte mehr am Gemeinwohl  als dividendenorientiert.

„Die Alten“  sollten sich, mit einer unterstützenden Haltung und im Bewusstsein, selbst nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, bei diesen Veränderungen engagieren – eine schöne Begründung findet sich in jedem ordentlichen Wertekanon.

 

Und außerdem:

Radio im Internet – „Hörsaal

 

 

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