Noch keine Konzepte für Adipositas-Selbsthilfe

Wenn die Fraunhofer-Gesellschaft einen PDA entwickelt, der Daten sammelt und Abnehmwillige mit Informationen versorgt, dürfte das ähnlich zu bewerten sein wie das Mandometer. Dieser “Adipositas-Begleiter” ist so lange treu, wie seine Akkus halten, aber keine Sekunde lang menschlich.

Aber dieses technische Gerät wird unter der Überschrift “Hilfe zur Selbsthilfe” beschrieben.

Punktuelle Artikel zur Selbsthilfeproblematik:

Wenn auch ein Drittel der Bevölkerung adipös sein mag – auf einer Versammlung hessischer Selbsthilfegruppen erschien ein einziger Vertreter einer Selbsthilfegrupe bei Adipositas.

“Schreiben als Therapie” (z.B. bloggen) ist keine Lösung für die breite Masse.

Selbsthilfegruppen müssten sich als Arbeitsgruppe verstehen – aber es gibt praktisch keine, und somit auch keine Kommunikation von Gruppen untereinander.

Abnehmkurse oder Selbstbehauptungstrainings sind kein Ersatz, und auch die Weight-watchers verfolgen kein kompatibles Konzept.

Individuelle Beratung und Selbsthilfegruppe wird als suspekt beargwöhnt.

Der Bezug auf die klassische Diät und die Ausgewogenheit von Arbeit und Ruhe, Wachen und Schlafen,  Gemüt usw. ist nur schwer zu vermitteln.

Arges Übergewicht ist regelmäßig mit Schuld- und Schamgefühlen verbunden. Gäbe es Selbsthilfegruppen, wäre die Teilnahme schon eine Art Outing, bedingt ein Eingeständnis einer gewissen Hilflosigkeit, evtl. einer Sucht, wie bei AA oder Overeaters A.

Gäbe es Selbsthilfegrupen für Übergewichtige, könnte die Teilnahme aber auch relativ selbstverständlich sein.

Nur – bis Selbsthilfegrupen für Übergewichtige selbstverständlich sind, ist die Anstrengung, eine zu gründen und zu betreiben, unverhältnismäßig außerordentlich groß.

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4 Kommentare zu “Noch keine Konzepte für Adipositas-Selbsthilfe”

  1. [...] Blogs kein Kommunikationsinstrument zwischen Adipositas-Selbsthilfegruppen sind, liegt übrigens nur daran, dass es von ganz wenigen, speziellen Ausnahmen abgesehen, keine [...]

  2. [...] “noch keine Konzepte für Adipositas-Selbsthilfe” (Februar 2008) [...]

  3. Seit wenigen Wochen stimmt die Aussage das es noch keine Konzepte für die Adipositasbehandlung gibt nicht mehr. Wir haben in MV gemeinsam mit Leistungsanbietern, den Krankenkassen, dem MDK, die KV, die KGMV ein medizinisch indiziertes Konzept zur konservativen Therapie entwickelt, welche auch von den Krankenkassen bezahlt wird und wenn jemand nach 52 Wochen kein Erfolg beschieden ist bekommt der Betroffene nach Antragstellung zu einer bariatischen Behandlung auch die Genehmigung zu dieser OP. Auch die lebenslange Nachsorge der Betroffenen erfolgt über ambulante Adipositaszentren. Sehr wichtig in diesem Konzept sind die Selbsthilfegruppen, sie werden an jeden Zentrum angegliedert um so sicherzustellen das jeder Betroffenen die Möglichkeit hat sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Der Landesverband Adipositas MV e.V. gibt gerne weitere Informationen wenn diese gewünscht werden.

  4. Danke für den Hinweis! Und:

    Schaun wir mal.

    Auch die Mediziner sollten auf die Idee kommen, dass ein Frühwarnsystem, Prävention weit im Vorfeld allemal besser ist, als das Skalpell mit seinen nicht unerheblichen Nebenwirkungen.
    “Vor Beginn einer Behandlung ist eine eingehende Diagnostik bei der Ärztin/beim Arzt erforderlich, um den gesundheitlichen Zustand bestimmen und ein sinnvolles und geeignetes Behandlungsprogramm festlegen zu können. ”

    So jedenfalls im WIKI zu lesen- Letzlich aber sind Betroffene, die zum Beispuiel 10 Kilo abgenommen haben und das auch halten konnten, was das Abnehmen betrifft kompetenter als der Hausarzt, der sich in die Situation gar nicht einfühlen kann.

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