Ernährung, Nachhaltigkeit und Gesundheit

Bei der Ernährung – oder “Lebensmittelversorgung” – geht es, wie meist in unserem System, ums Geld, ums Geschäftemachen, um Erfolg und Profit – und wo es Gewinner gibt, bezahlen bei jeder Lotterie die Verlierer, und die Bank gewinnt immer.

Man könnte jetzt sagen: “Es gehr aber auch um Kultur und Lebensstil, um Wohlfühlfaktoren, himmlisches Essen, himmlischen Kaffee, oder die Traumfigur”, und das damit beweisen, dass es entsprechende Ratgeber gibt, sogar als Podcast bei APPLE:

Die Existenz solcher Ratgeber beweist nicht viel: Dass es Leute gibt, die so etwas erstellen, und Zuhörer, das ja. Dass es auch hier ums Geld geht, wenn die HerausgeberPlatformbetreiber die Wege ihrer Kunden tracken und sich haarklein damit auskennen, welche Interessen, Wünsche und Ängste ihre Konsumenten haben, dass sie mit diesem Wissen über einen Datenschatz verfügen, mit dem wiederum Geld gemacht wird, können wir “erschließen”, folgern, und die Chance, dass wir damit einen Treffer landen, schätze ich sehr hoch ein.
 

Dass es “komische Probleme” mit der “gesunden Ernährung” gibt, legen Podcast-Titel wie  “Die Diät fängt immer morgen an” – oder auch: “Wer es nötig hat, leidet an Verschieberitis” nahe.
Ein weiteres Motto: “Hört damit auf, ein “Gewichtsziel” erreichen zu wollen”, wobei das übergeordnete Motto wohl “Die beste Freundin ist nur einen Mausklick entfernt” lautet.  Die schwesterliche Freundin bietet sich als “Influencerin” auch bei Instagram, Facebook, Twitter an – eine eigene Wesite mit gehaltvollen Beiträgen erübrigt sich, sie bekommt ja auch so (scheinbar) mühelos den gewünschten “Traffic”, oder einen Bruchteil dessen. Die Tricks der Influencer*in sind relativ simpel, so kann sie beim Plaudern über “die Bikini-Figur” gleich die Marke der aktuellen Bedaemode nennen.

Auf gut hessisch nennt man das “Gebabbel” oder, in Anklang an den Meinungsaustausch am dörflichen Waschplatz, “Gewäsch”. Akademisch verbrämt, sprechen wir von “narzisstischer Nabelschau” und befinden, dass solches Reden über “Übergewicht” der Konfrontation mit der eigentlich gegebenen epidemischen Entwicklung der Adipositas konfliktvermeidend ausweicht.

Eine auf öko-freundliches Verhalten zielende  Aussage wie “die richtigen Schlank-Chilies musst Du schon selbst anziehen” ist innerhalb dieses Systems eher sinnlos, weil daraus keine Umsätze erfolgen werden, das Erfolgserlebnis eine Weile auf sich warten lässt, und überhaupt sind die Konsumenten zu Konsumenten erzogen.

 

Dieser Konsumismus führt zum Leitmotto “Ich kaufe, also bin ich”, und ich kaufe meine Selbstdarstellung wie eine Kulisse, vor der ich mich präsentiere, indem ich Selfies in die kleine, weite Welt sende.
In Wirklichkeit müssen die Leut’ kaufen, wenn sie etwas wollen, das sie eigentlich auch “geschenkt” bekommen könnten, denn sie haben nicht gelernt, wie man einfache Sachen selbst machen kann. Im Zweifelsfall heißt es: “Ach, das ist den Aufwand gar nicht wert – da ist es günstiger, das zu kaufen.”

Schön, dass die Marktnische “Fruchtessig” ihren Bewohnern das Überleben sichert – das Segment ist nicht sehr groß, Vielen sogar unbekannt.
Stattdessen steht in vermutlich jeder Küche ein Fläschchen mit einem dunklen, dickflüssigen, süß-säuerlichen Essiggebräu “di Modena” herum.
 

Wie berechnet man den ökologischen Fußabdruck des selbstgemacheten Essigs, wenn der (ausschließlich?) aus Resten gemacht wird, die ansonsten weggeschüttet worden wären?

Unter ökologischen Gesichtspunkten ist der selbstgemachte Essig hier klar im Vorteil – auch wegen der Verpackungsfrage, denn hier werden  Einwegflaschen zu Mehrwegflaschen.

Wie verbreitet das Wissen um die häusliche Essigherstellung ist, wäre eher am Rande von Interesse, denn natürlich macht nicht jede(r) selbst, was machbar ist – wozu haben wir auch die Arbeitsteilung? Doch weite Bereiche der lokalen Lebensmittel-Produktion (Bäckereien, Molkereien, Gärtnereien, Mühlen usw.) sind längst schon gestorben, und wenn “lokal” sich sogar auf das Erbgut des Saatguts bezieht, ist das die Ausnahme, die die Regel “Massenproduktion” bestätigt:

“Regionale Linsen”, die auch regional vermarktet werden – das wäre doch mal ein potentieller Dauertrend. Mehr Umsatz für den Hofladen und mehr Diversität auf dem Acker – irgendwelche Einwände?

 

Natürlich kommen da Einwände: “Das muss sich auch lohnen”, “Die Verbraucher wollen sowas garnicht und wissen es nicht zu würdigen”, “Schnell, günstig und unkompliziert muss es rund ums Essen zugehen – ich kauf’ alle paar Wochen ein, zwei Paletten H-Milch, da verdirbt nichts und es ist viel einnfacher als damals, als ich noch Kühe hatte”, so der Altbauer, dessen  Bauernfrühstück bei Tönnies geschlachtet wurde, der schon mal eine Dose aufmacht, damit es Linseneintopf gibt.

Linsen-Anbau in Deutschland findet praktisch nicht statt, wir beziehen die “Körnerleguminosen” beispielsweise aus Kanada oder ernten sie im eigenen Garten – doch dem eigenen Garten sind die “Steingärtner” längst entfremdet, und für eine unbekannte Zahl von Mitbürgern ist das eigene (Garten-)Grundstück so wenig Wirklichkeit, dass sie nicht einmal positiv davon träumen und sich mit “macht ja nur Arbeit” an einen schlechten Trost klammern.

Es geht ja nicht darum, Nicht-Gärtner zur Gartenarbeit zu zwingen, sondern ihnen die Möglichkeit einzuräumen: Das fängt bei der Wissensvermittlung, der Aktivierung und Anlage von Schulgärten an – das wäre so wichtig wie der Schwimmkurs im kommunalen Schwimmbad. Zu oft fällt Beides aus, in unserer zerbröselnden Gesellschaft. Ist nicht die Möglichkeit, produktiv-tätig mit der Natur umzugehen, eigentlich ein menschliches Grundbedürfnis, oder ein Menschenrecht?

 

Dabei kann Gartenbau kann  zu hohen Erträgen führen: Im Gewächshaus bis zu vier Kilo Ingwer pro Quadratmeter. Die Hausmittel, die in den  Klostergärten vergangener Zeiten wie auch noch ähnlich in den bekannten “Apothekergärten” angebaut wurden, haben ja durchaus ihre Berechtigung; Ingwer und Gelbwurzel haben es mit guten Gründen ins hiesige Warensortiment geschafft.

Kuppelförmige Gewächshäuser von hoher Stabilität (nach Buckmister Fuller) könnten seriell zu relativ niedrigen Kosten erstellt werden, aber auch lokal und ressourcenschonend mit viel Recycling entstehen – wenn die Gartenbau-Betreiber dann noch als Anbau einen Stall fürs Geflügel errichten, wäre in Puncto Nachhaltigkeit schon viel gewonnen.

Möhrensalat mit “grüner Sauce” aus Labne, Ziegenyoghurt und Kräutern, besonders Dill, Pellkartoffeln und Ei.  *
Für den Möhrensalat geschälte und dampfgegarte Karotten zu Würfeln schneiden, mit Sauce aus Kräuteressig, Hanföl, Sesamöl, Senf, reichlich Chili- und Paprikapulver und etwas Salz vermischen und mindestens zwei Stunden marinieren lassen.
Das Ei aus dem Multicooker war weicher als erwartet und ließ sich nicht wie geplant pellen; auch die etwas weichere Variante ist hinnehmbar.

 

Die Viehaltung der “kleinbäuerlichen Landwirtschaft” hatte schon ihren Sinn, weil die Tiere häufig ihre naturgegebenen Verhaltensweisen leben konnten; ich habe noch Hühner gesehen, die samt Hahn auf “ihrem” Hof lebten, scharren, staubbaden, Futter suchen, flattern und so weiter konnten, gutes Futter bekamen oder auch mal auf einem Acker liegengebliebene Ähren leerpickten, frischgefallene Maikäfer massakrierten und Regenwürmer als Delikatesse schnabulierten. Aus Haushalt und Garten kamen Essensreste; es wurden aber auch extra “Hühnerkartoffeln” gekocht.

Heute gibt es nicht einmal beim “Bio-Ei” eine Gewähr für tierwohl-gemäße Verhältnisse, eher das Gegenteil, offenbar verdrängen importierte Eier die heimischen Eier, bekannt werden zudem  grausame Bilder, die hoffentlich nicht repäsentativ sind. Genießen ist so nur mit Verdrängung möglich, es herrscht untergründig

Die Schizophrenie beim Eierkauf

und man wünscht sich wenigstens, selbst schauen zu können, woher das Ei aus der Pappschachtel stammt, viele Hühnerstall-Webcams. Nach einem Fernsehbeitrag namens “gefälschte Eier” mit vorwiegend unerträglichen Inhalten stellt sich zudem die Frage:

Was haben die 2 Millionen Zuschauer bisher unternommen?

In der “Hartaberfair”-Sendung vom 22.06.2020 herrschte ein gewisser Konsens, dass
 

“Die billige Bratwurst auf dem teuren Grill … halt hohe Nebenkosten [hat].”

Bei den vielen Landwirtschaftsminister*innen in unserer Bundesrepublik darf man sich wundern, warum die Nebenkosten in der Preiskalkulation bisher nicht aufgetaucht sind – da benehmen sich Führungskräfte so vernünftig wie die Autofahrer, die nur das Benzin als “Kosten des Fuhrparks” betrachten, und Abschreibung, Raten, Versicherung, Reparaturen usw. ignorieren.

Nun sollen überall “Dumpingpreise” geächtet werden,  bloß: Die generelle Agrar- und Handelswende müssten alle zusammen wollen, was nicht immer jeden mit  der gewünschten vollständigen Freiwilligkeit beim Zahlen oder Verzichten beseelen wird.

Einen teuren, dabei Solar-betriebenen Solargrill besitzt offenbar auch Karl Lauterbach, der gegen Ende der Sendung Karl-Josef Laumann zum solaren Tempeh-Grillen einlud – Moderator Plassberg war perplex und versprach, dieses “Dem-Beh oder was” in einem “Faktencheck” erläutern zu lassen. Demnach erfreut Tempeh “… sich … immer größerer Beliebtheit.” Auch (gelegentliche) Allesfresser dürfen Tempeh essen: Wer jetzt glaubt, die Freude herrsche (nur), wie behauptet,  “… bei Vegetariern und Veganern …”  ist schon unbemerkt einem Fake aufgesessen – so schnell kanns gehen.

 

“So’n Obstsalat hat halt hohe Nebenkosten, also lebt ressourcenbezogen auf großem Fuß, stimmt’s?”
 
 
“Das ist halt mal so.  Da kann man nichts machen. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben”:

Auch beim (exotischen) Obst gibt es die versteckten Nebenkosten bei Wasser, Bodenzerstörung, Öko-System, Arbeiterinnen ohne Papiere, Kranken-und Sozialversicherung, Transportkosten und Umweltverschmutzung aufgrund der Einwegverpackung samt deren Herstellung.

Ab und an, wenn nicht im Allgemeinen, wird so ein “lecker Obstschälchen” halt von der gesundheits- und kalorienbewussten Angestellten oder Selbsständigen erstanden, mal als Hauptmahlzeit, seltener als vitaminhaltige Schleckerei und statt Pralinen – “praktisch ist es allemal”. Da mache ich keinen “Faktencheck” mehr.

 

Denken wir uns mal ein, zwei Generationen zurück: Damals hätte die Betrachteer*Innen hier neben den Seerosen noch eine kulinarische Leckerei entdeckt, heute sehen wir mit anderen Augen auf das Bild und sehen den Frosch als schützenswertes Wesen von eigentümlicher Gestalt. Im botanischen Garten oder im Palmengarten ist der Frosch so eine nette. kleine Attraktion, in “der Natur” gibt es immer weniger feuchte Orte zum Überleben – und ein paar “Inseln” für vom Aussterben bedrohte Tiere sind nicht genug, weil solche Arten auch den genetischen Austausch neben der Fortpflanzung im abgegrenzten Gen-Pool brauchen.

 

Anders gesagt: Wir haben Fortschritte gemacht, indem wir “Frosch” nicht mehr automatisch mit “Essen” verknüpfen und denken nicht daran, Frösche zu esssen, doch gleichzeitig müssen wir bei der Förderung von “Diversität” auch viel mehr dafür tun, zuallerst die Bodenversiegelung radikal stoppen: Wir brauchen nicht ständig neue “Logistikzentren”, wenn z. B. die Lebensmittelproduktion lokal stattfindet.

In den tiefsten Tiefen unseres Bewusstseins hat der Frosch eine symbolische Bedeutung, da er häufig als Märchengestalt vorkommt. Das gilt wohl auch für den Lotus, der aber nicht das Gleiche wie “Lotos”, die Metapher des Schlaraffenlands ist.

Bei den Märchen- und Mythengestalten geht es um Entwicklung, oder “Stufen menschlichen Bewusstseins”. Da gilt es, Hürden zu überwinden und Einsichten zu entwickeln, möglichst noch vor dem Sterben erwachsen zu werden.

Die “ökologischen Folgen menschlichen Verhaltens”   haben es noch nicht in die Hitparade der Mythen geschafft, aber es reicht vielleicht, sie im Bewusstsein zu verankern. [Obwohl: Sintflut, biblische Plagen - aus anderen Kulturen gibt es wohl noch weitere apokalyptische Sagen - Berichte vom selbstverschuldeten Untergang alter Kulturen gibt es ja doch ... ].

Sagen wir mal so – nachdem jetzt alles gesagt ist – stellt sich jetzt halt bloß noch die Frage: “Wie machen wir weiter – mit unserem Untergang oder mit dem Kampf dagegen?

Selbst, wenn das nur eine rhetorische Frage war, bleibt:

“Was ist zu tun, und wie setzen wir das um?”

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