Wettkegeln fürs Klima, Biologische Vielfalt & progressive Tafelrunden

Veränderungen lassen sich nur durch Veränderungen bewirken, also nur mittelbar. Bei einer Kegelbahn stehen an dem einen Ende neun Kegel, und je nach Geschick und Glück kannst Du sie mit der Kugel, die Du “schiebst” umlegen.

Versuchen wir, diesen Faden weiterzuspinnen, und an der Klimakrise anzuknüpfen (die eigentlich niemand mehr wirklich leugnet, weil wir alle mit den ersten Auswirkungen täglich konfrontiert sind):

Die wichtigste Ursache der Katastrophe, die sich als “Wandel” in die Medien geschlichen hatte, sind die Treibhausgase, die Mensch durch seine Energiewirtschaft in die Umwelt entlässt. In einem Gewächshaus mit Scheiben aus Fensterglas wird es warm, weil die Wärmestrahlung eintritt und den Raum erwärmt – wie Gase die Funktion jener Scheiben erfüllen können, verstehen wohl die Wenigsten, und unsere “Populärwissenschaftler” haben es nicht erklärt, die Lehrer haben es nicht erklärt, und die meisten Politiker*innen haben es auch nicht verstanden, geben sich aber sachkundig. Das ist gemogelt!

Zu den Kegeln, denen es an den Kragen gehen muss, zählen

  • Industrie
  • Verkehr
  • Landwirtschaft
  • Abfallwirtschaft
  • Lösemittel
  • Landnutzung
  • Forstwirtschaft
  • Verkehr
  • Wohnen/Heizen/Kühlen (Quelle)

Durch das Übergewicht der Automobilindustrie sind die Bereiche “Industrie” und “Verkehr” innig verquickt, und Hinweise, eine Deutsche Auto-Dynastie sei der RASEREI verfallen, lassen an der Vernunft der Wirtschaftslenkung und der hier gestalteten Produkte zweifeln: Schneller als nötig, überdimensioniert, übermotorisiert und tonnenschwer:
Das geht auch sparsamer und bei der Bahn, die keine Batterien mitschleift, weil sie den Strom aus dem Fahrdraht ziehen kann, effizienter. Leider nicht so pünktlich wie wünschenswert – dafür fehlt das Personal.

Weil wir endlich einsehen sollten, dass Deutschland nicht der Nabel der Welt ist, können wir den Zusammenhang von Landnutzung und “Forstwirtschaft” um den Aspekt Urwaldvernichtung und Brandrodung ergänzen:
Global entstehen hier 10% des atmosphärischen Co2. Das bedeutet nicht, dass wir mit “unseren” Bäumen gut umgehen – die eindruckvollen alten Bäume werden nicht gepflegt und gehen ein.
Was die Obstbäume betrifft: Angeblich übersteigt der Aufwand (Baumschnitt, Obst per Leiter pflücken) den Ertrag (Euros).

Die hiesige “Kulturlandschaft” verarmt, weil sie “aufgeräumt” und zubetoniert wird – auch, um Raum für Flughäfen zu gewinnen, die allgemein der Gesundheit der Bevölkerung schaden.

Wollen wir das eigentlich?

 

Am Rückgang der biologischen Vielfalt (“Biodiversivität”) lässt sich aufzeigen, wohin die Reise geht – Wissenschaftler haben hier eine drastische Formulierung gewählt:

Von der Krise zur Katastrophe

Genetische beziehungsweise Artenvielfalt wird durch die “Begradigung” und Vergiftung der Landschaft, die Reduzierung des Lebensraums ins Museum verwiesen, wo ausgestorbene Falter noch unter Glas besichtigt werden können; Bildung soll dem Artenschwund etwas entgegensetzen;

Aus pädagogischer Sicht ist dabei „Schwarzmalerei“, die auch als Katastrophenpädagogik bezeichnet wird, unbedingt zu vermeiden. Vielmehr sollte es darum gehen, Handlungskompetenzen zu vermitteln, die es ermöglichen, dem Problem des voranschreitenden Biodiversitätsverlustes konstruktiv zu begegnen.

Aus heutiger Sicht wäre es geboten, noch zu den Verschiebungen (und zum Schwinden) der Lebensräume durch klimatische Effekte etwas passendes anzumerken, eigentlich auch bei “Handlungskompetenz” gleich die politische Einflussnahme in den außerschulischen Bio-Unterricht zu integrieren. Das war 2012, im Entstehungsjahr obigen Zitats, kaum vorherzusehen.

Pressefoto von biofrankfurt.de - Lila-Goldfalter (Lycaena hippothoe) “… kommt auf nähstoffarmen Frisch- und Feuchtwiesen vor. Er ist wohl durch Intensivierung, Zerstörung und Überbauung des Feuchtgrünlandes in den Talbereichen verschwunden und wurde auf den Flächen bei Regensburg letztmals in den 1980er Jahren gesehen.”
Die ökologische Landwirtschaft sollte definitionsgemäß ökologische Belange so berücksichtigen, dass sie keinen Raubbau betreibt. Eine politische Forderung wie die nach der Bedingungslosen Bio-Lebensmittelgrundversorgung ist hier wohl angemessen.

 

Eine unserer alltäglichsten Tätigkeiten ist das Essen; die Art unserer jeweiligen Kostform kann von der Religion, von Gewohnheiten, Moden und Vorlieben abhängen. Klimarelevant ist diese wiederholte Alltagstätigkeit allemal, die Speisen können aus mehr oder weniger naturnaher Landwirtschaft stammen, oder aus dem Garten, vom Balkon.

 

Fleisch

Im alten Testament gibt es diese Episode vom “Tanz um das goldene Kalb”, die auf die menschliche Neigung, Rindviecher zu verehren, hindeutet; eine Weile zuvor hatte Europa auf einem Stier reiten müssen, und heute besteht das Angebot der Schoko-Industrie, lila Kühe zu verehren: Dabei bleibt die Vernunft auf der Strecke, und das ist so gewollt.

Was eigentlich ein banaler Fleischlieferant sein könnte, wird mit mythischen Elementen verwoben, wird so zum Objekt eines Götzendienstes – überbewertet, wie der einstige Slogan vom “Fleisch als Stückchen Lebenskraft es eingebleut hatte. Verbände und Lobbyisten wollen bestimmen, wie sich Genuss gestalten lässt und keine Alternative (an der nicht viel zu verdienen wäre) zulassen.

 

Der unterschiedliche ökologische “Fußabdruck” von “normaler” Kost und fleischloser Ernährung legt nahe, sich der “planetary health diet” oder “Klimadiät” zuzuwenden, weil eine überwiegende pflanzliche Ernährung gegenüber “mehr Fleisch, Wurst, überhaupt tierisches” die bessere Ressourcenverwendung ist und eine global ausreichende, gesunde Sättigung ermöglichen würde. Nur so eröffnete sich auch eine Chance, Agrarwirtschaft weniger intensiv zu betreiben und der “ungestörten Natur” Raum zu geben.

 

Breite Bandnudeln mit Sesampesto, mit gedämpften Champignons und roher Tomate. Vegan per Zufall – und gewollt ;-)

 

So schlimm wie die Greta-Hasser sind die Umwelt-Gutpolitiker, die zum Radfahren einen Fototermin brauchen, alltäglich mit Chauffeur unterwegs sind und die “Umweltbesorgten”, die uns erzählen, wir wir essen müssten, damit die Welt weiter um die Sonne kreist und sich um ihre Achse dreht – eine Ernährungsumstellung ist eine Veränderung des Lebensstils mit Konsequenzen, diese Leute werfen uns die Rede von der Notwendigkeit so vor die Füße, dass es sich wie “Verzicht, Verzicht, Verzicht” und “Askese und Genussmangel” anhört, wobei im Refrain noch “alles, was Du bist, ist schuldig, schuldig, scchuldig” mitklingt.

 

Kartoffelsalat mit Radieschen und Beilagen; die Sauce: Ein Rest Quark-Kefir-Kräuterbrotaufstrich mit Olivenöl, die Frikadelle mit 50 Gramm Hühnerhackfleisch, gedünsteter Zwiebel und frisch geriebenem Paniermehl. Senf gehört dazu! Zubereitet unter Verwendung des Multicookers.

 

Das Energie/Ressourcensparen bei der Auswahl der Zutaten und der Zubereitung lässt sich noch steigern, wenn man nicht nur eine Kartoffel zubereitet oder zwei, sondern gleich einen ganzen Topf: Abgesehen von ein wenig Mehrarbeit macht es nicht besonders viel Extra-Mühe, gleich für mehrere Personen zu kochen.

Die Idee vom Food-Sharing ist leicht zur Idee, gemeinsam, in einer Gruppe zu tafeln, zu erweitern. Schließlich geht es “überall” darum, dem Zerbröseln von Familie und Gesellschaft etwas entgegenzusetzen und gelegentlich auch darum, aus der Alltagstretmühle herauszukommen.

Suesskartoffel mit gedämpftem Gemüse; die Sauce besteht aus dem Gemüsesaft und Olivenöl, ist mit Curcuma gefärbt, mit Kokosmehl angedickt.

 

“Wir hungern danach, uns mit Anderen zu verbinden”

- unterlaufen das jedoch mit “distancing and defensiveness”, mit Distanzierung und Verteidigerei, meinte mal der twitternde Psycho-Therapeut Dr. Steven Brownlow.

Den Wunsch hemmt die Abwehr; wenn dieser Konflikt kein faktisches Verbot zum Resultat haben soll, geht es darum, die “allgemeine Ambivalenz” anzuerkennen.

Man könnte versuchen, solche Widerspüchlichkeiten dialektisch aufzulösen, fragen “Was spricht dafür, was dagegen, und eine Synthese zu finden. Eine “Mindestoffenheit” vorausgesetzt, wartet die Erkenntnis, dass sich Wunsch und Ambivalenz auch beim Gegenüber finden.

Doch spricht das nicht gegen ein gemeinschaftliches Tafeln und “food-sharing”. Wenn es gut schmeckt, spricht das dafür, wenn es von einem progressiven Gedanken (“ökologische und soziale Erfordernisse”, Engagement) getragen wird, ebenso.

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