Dinieren mit dem Smartphone, Gesundheits-Politik und ganz viel Müll

“Das Handy isst mit” war in einem Fernsehbeitrag so eine Zwischenüberschrift, die deutlich zeigt, wie weit wir schon sind.

Andererseits: Als von 8 Jahren ein Fraunhofer-Institut auf die kommende “Tracking-Welle” aufspringen wollte, hatte sich niemand über nichts gewundert und alle fanden es normal, mit einer kontrollierenden “App” adipöse Kinder zügeln zu wollen.

Die Kinder sollten, so war der Plan, in einer Kurklinik, möglichst an der See, von “adipös” hin zu “normal” verschlanken, und mit der App Genügsamkeit und Leistungsbereitschaft erlernen. Dass die grundlegenden Einstellungen, jenseits aller genetischen Prägung, in den ersten Lebensmonaten gelernt werden und absolut fix sind, dabei möglicherweise zu allem Übel auch noch nicht bewusst, kann so eine Kontroll-App, wie sie jetzt für Bewegung und Treppensteigen in Mode ist, nicht berücksichtigen.

 

Da könnte ich anfangen, an mir selbst zu zweifeln  wenn  es hier auch nicht das Handy, sondern eine richtige Kamera ist, bei meinen fotographischen Mahlzeiten-Protokollen.

Auch die Zielgruppe ist eine andere:

Mit der Zielgruppe “Alle” hat man allerdings so seine Schwierigkeiten: Die verändern sich “dynamisch”, sind neuer “Gemeinschaft” gegenüber feindselig eingestellt – eben narzisstisch, verhalten sich wie beim Einkauf im Supermarkt – da allerdings zahlen sie beim Gang durch die Kasse.

Bei einem Blog mit dem Untertitel “Abnehmen und Diät” ist eher nichts als der übliche Durchschnitt, das übliche Blabla zu erwarten und

“… wenn Dein Blog besser wäre und beliebter, besser ankäme, hätte du auch 50.000 Follower und könntest davon leben…” – das war jetzt zynisch, das denkt auch niemand!

Klar – wenn es noch nicht einmal vorher-Nachher-Bilder gibt, keine Prominenten-Geschichten, keine Abnehmen-mit Garantie-Rezepte, keine Frisurenmodeberichte und weder Handtaschenmode noch Haushaltstipps (“Hilfe – mir ist eine Tüte Leinsamen auf den Boden gefallen und ich will die nicht alle einzeln aufklauben – was kann ich tun?”) – wo es doch so viele Fachleute gibt, die sich engagieren…

 

Salzzitrone und Kimchi gehen keine Koalition ein, vielleicht eine Kooperation. Daraus folgt allerdings: Nichts.

Kompetenz haben immer die Anderen – insofern sehen die auch keinen Anlass, sich an einem “Kompetenznetzwerk Gegengewicht” zu beteiligen:

Menschen mit Diabetes, Adipositas und Bluthochdruck sollen besser vertreten werden, fordern die Deutsche Diabetes Gesellschaft und die Deutsche Hochdruckliga.

Da haben wir es doch:  Selbst die Fachärzte fordern, dass ihre Patienten etwas für sich tun lassen, nicht: Etwas für sich selbst tun. Müsste die Medizin nicht bei diesen relativ einfachen Fragen die Patienten “ertüchtigen” können, für sich selbst zu sorgen, sich mit ihrer Lebensweise auseinanderzusetzen?

Die rote Beete ist ein Radikalenfänger, besonders, wenn roh fermentiert; das soll sehr gesund sein. Warum ist sie dann nicht in der Apotheke erhältlich, warum verschreibt sie kein Arzt?

 

Da gibt es die Floskel von der “sprechenden Medizin”; der Arzt sollte Zeit und Verständnis aufbringen, und auch die “heilende Umgebung” ist hierzulande nur in Edel-Krankenhäusern Realität, rudimentär.

 

Gesundheit, Glyphosat

Wenn doch auch “die Gesundheitspolitik” keinen Anlass zum Handeln sieht, weil, da war einmal eine

“… Risikobewertung der zuständigen Geschäftsbereiche des Landwirtschafts- und des Umweltministeriums, die einem Einsatz nicht entgegensteht“, teilte das Gesundheitsministerium auf Anfrage in Berlin mit. „Da sich an den Fakten seitdem nichts geändert hat, sehen wir keine neue Sachlage, die dieser Bewertung entgegenstehen sollte.“”

Zwar gibt es eine Meldung, dass mal jemand nicht einverstanden war:

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach widersprach heftig und kritisierte die Erlaubnis zum weiteren Einsatz des Unkrautgiftes als verantwortungslos. So wie das Mittel verwendet werde, sei es sehr wohl krebserregend.

Es gibt auch die dazugehörige Bundestagsrede, aber das Video muss man sich selbst suchen.

Aus einem TAZ-Interview:

Ein gesundheitspolitischer Sprecher der SPD kann sich nicht einfach einmischen?

Doch, aber ich hätte CDU-Gesundheitsminister Gröhe, der sich noch nicht zu Wort gemeldet hatte, nicht zuvorkommen wollen. Das macht man in einer Koalition natürlich erst, wenn es nicht mehr anders geht.

Und dann kracht es erst recht. Den amtlichen Risikobewertern traut auch keiner mehr. Und nun?

Nun hat Lauterbach einmal ganz deutlich seine Meinung gesagt, dass das Pflanzengift, das mehr vernichten kann als “nur Unkraut”, verboten gehört, dass Zigaretten, wären sie nicht schon traditionell auf dem Markt, heute keine Zulassung bekommen könnten, und auch Passivrauchen sei überaus gefährlich. Auch Übergewicht sei überaus krank(-machend).

Meiner Meinung nach ist die nicht abebben wollende Übergewichtswelle ja vom Farbfernsehen verursacht. Filme, Nachrichten und Werbung in Schwarz-Weiß zu senden, würde sofort wirken.
Mit einem bunten, kalorienarmen, veganen, gemüselastigen Reis-Linsensalat kann hier niemand therapeutisch wirken.
Deshalb wird auch nie ein gesundheitspolitischer Sprecher machbare Rezepte ansprechen, sondern es immer bei Sprüchen belassen, was sich auch für die Diät- und Medienindustrie bewährt hat.

 

Ein Bodenverbesserer ist Glyphosat auch nicht. Antibiotika würden die Bodenfruchtbarkeit schädigen, die werden also nur im Stall breit gestreut, aber als Nebenwirkung des “Unkrautvernichters” werden auch Bodenkeime vernichtet.

“… die Grenzen des Wachstums sind immer deutlicher: Resistenzen von Sojapflanzen gegen Glyphosat, ausgelaugte Böden. Ökologische Krisen überall: Etwa 40 Prozent der weltweiten Böden sind als ausgelaugt klassifiziert; arm an Humus und bestimmten Nährstoffen.” (Quelle)

Der Mutterboden mit seinen belebenden Bodenkulturen ist die eigentliche “Wachtumsschicht”, nicht nur der “Kulturpflanzen”.

Da wäre es ganz sinnvoll, wenn der Epidemiologe auch mal mit dem Biologen konferiert, der Gesundheitsminister sich auch um die Bodengesundheit kümmert (“es macht ja sonst keiner”) und die feine Gesellschaft unter Kulturgenuss mehr verstünde, als aufgehübscht und -geputzt sich in der Philatelie zu präsentieren.

 

Ersticken im Plastik?

Europaweit fallen derzeit pro Jahr 26 Millionen Tonnen an Plastik- und Kunststoffmüll an. Im EU-Schnitt landen mehr als 70 Prozent davon auf Deponien, der Rest wird recycelt. Allerdings fällt darunter auch das Verbrennen, um Wärme und Energie zu gewinnen.

Für die Erdölindustrie ist diese Sachlage recht praktisch: Drohen Umsatzeinbußen durch sinkende Nachfrage aus der “Mobilität”, ist die wachsende Plastikproduktion – die ging in den 50-ern so richtig los, bis dahin war es auch ohne “Plaste und Elaste” gegangen – Garant für stetige Erdölnachfrage…

“Die Deutschen” sind offenbar im Verbrauch von Einmalplastikverpackungen Weltmeister.  Dazu schreibt die Süddeutsche Zeitung:

Am Konsumverhalten kann sich nur dann etwas ändern, wenn es Alternativen gibt. Sonst bleibt alles beim Alten, und die Müllberge wachsen immer weiter.

Das ist richtig, und die Alternativen gibt es, nur sollten die auch bekannt sein und genutzt werden. Wer umweltfreundliche Verpackungen nachfragt und nutzt, trägt zu Veränderungen bei, wer weitermacht, wie bisher, nicht.

Das ist kein Randproblem, nicht die unwichtige Frage nach klitzekleinen Details. Wenn es schon den “Volksparteien” egal ist, wie umweltfreundlich ihr Trinkwasser auf den Tisch kommt, wie sollte es dann “dem Volk” nicht egal sein?

“Wegen dem Energiemangel” wird Palmöl in der Benzinproduktion eingesetzt, trotz “Energiemangel” wird Erdöl für überflüssige Plastikumhüllungen überflüssiger oder künstlich kurzlebig gemachter Produkte verwendet…

Nudelsalat mit Wurstaufschnitt: Wenn die Wurst auch das Etikett “Bio” trägt, ist nichts daran “öko”, wenn die Verpackung 10 Gramm Plastik bei 70 Gramm Inhalt ausmacht.

Klar – wir müssen essen, sollten dabei Figur und Nachhaltigkeit für die Umwelt im Kopf haben. Manchmal, oder viel öfters – wäre auch ein Konsumverzicht nicht schlecht. Da könnte man auch “Fernseh-Fasten” betreiben, und auf diese Sendung verzichten:

Runter mit den Pfunden – diesmal aber wirklich!

Den Verzicht habe ich dann doch nicht geleistet – dafür verichte ich darauf, über die exklusive Fernsehrunde in diesem Artikel zu berichten – das ist verschoben; “Fortsetzung folgt”.

 

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