Der Butterpreis und die Agrarlobby

Warum die Butter innerhalb von Monaten doppelt so teuer wird, als sie mal war – darum reden die Meisten sich doch nur herum, und wir erfahren Pseudo-Ursachen. Mit Vernunft hat das nichts zu tun. Vielleicht kein Zufall: Der Markt bietet zunehmend

neue Produkte aus Mischfetten …, „basierend auf gesundem Oliven- oder Rapsöl“, mit Palmöl oder Kokosfett und einem relevanten Anteil „bester Butter“ und Meersalz. Das Ganze natürlich frei von Konservierungsstoffen, künstlichen Farb- und Aromastoffen. Inzwischen verdrängen billiges und stabileres Palmöl und das zum Superfood hochstilisierte Kokosfett unsere klassischen Fettquellen. Diese Emporkömmlinge sollen bereits in jedem zweiten Supermarktprodukt zu finden sein.

Somit hat sich die Auseinanderstzung um „Butter oder Margarine“ zu einem argumentativen „Fettkrieg“ ausgewachsen, in dem die Frage, wie all die Rindviecher, deren Milch in Strömen fließt, naturgemäß-natürlich gefüttert werden sollen, also Platz auf einer Weide finden, außen vor bleibt. Wobei die Weidehaltung fürs Rindvieh offenbar durch die Wolfsplage gefährdet ist:

 

Soll der Schutz der Weidetierhaltung Vorrang vor dem Schutz des Wolfes haben?

Das ist eine Frage, die der Bauernverband beim „#Agrar-Wahl-Check“ einfließen lässt, die fundamentale Mängel beimWissen um natürliche Regulation erkennen lässt: Ein gesundes Rind mit gewachsenen Hörnern könnte sich bestens selbst verteidigen – außerdem lebt es normalerweise in einer Herde, die Schutz vermittelt. Es bleibt die Frage: „Wer hat Angst vorm bösen Wolf?“

 

Der Schutz der Insekten wiederum ist ein Kapitel für sich, und auch hier ging es mehr um den Schutz vor den Insekten, als um den Schutz der Tierchen. Wenn überhaupt noch Kirschen – zum Beispiel – angebaut werden, findet man auf dem Markt jedenfalls keine mehr mit „Fleischeinlage“, und das ist keine vegane Hexerei…

„… Landwirte [sind] neben Rechtsanwälten die am besten vertretene Berufsgruppe im Bundestag. Besonders im mächtigen Agrarausschuss sind sie gut repräsentiert, 13 der 17 Vertreter aus CDU/CSU haben einen Bezug zur Branche. Die meisten sind selbst Bauern … Wo da die Interessen liegen, zeigte sich am Verhalten der Ausschussmitglieder in den vergangenen vier Jahren: Auffällig stark war der Widerstand gegen strengeres Düngerecht, gegen Beschränkungen bei der Massentierhaltung, gegen strengere Luftreinhaltungsvorgaben für Ställe, gegen ein Verbot von Glyphosat oder gegen bessere Tierschutzgesetze.“

 

Die bäuerliche Identiät

Bauer sein heißt, einen erfüllenden Beruf in selbständiger Entscheidung und Verantwortung gegenüber Mensch, Tier und Natur auszuüben – für die Erzeugung von Lebensmitteln und Energie, in der Verpflichtung für Familie, Eigentum und ländliche Gemeinschaft.

Mit dieser Überzeugung vertreten wir die deutschen Bauernfamilien in Politik und Gesellschaft – unabhängig, ehrenamtlich geführt, glaubwürdig und verlässlich.

Angesichts der zunehmenden Industrialisierung der Landwirtschaft, die häufig bloßer Zulieferer der Lebensmittelindustrie ist, „entlarvt“ sich diese Bauernverband-Selbstbeschreibung als Wunsch- und Zerrbild.

Wie sollte auch ein Lobbyist ehrenamtlich und unabhängig arbeiten – für „viele Lobbyisten“ gilt sinngemäß das gleiche 😉
Dass viel ‚Geld fließt, soll hier eine kleine Zahl belegen: Der Bauernverband Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems hatte Ende 2016 646.000 Euro an den Landesbauernverband abgeführt – um das Ehrenamt zu fördern?

Familie und Eigentum sind das zentrale Element des Bauerntums, danach kommt in der Selbstdarstellung des Verbands die „ländliche Gemeinschaft“, danach: Nichts. Auch keine globale Positionierung, obwohl die Produkte weltweit vertrieben und bezogen (Soja und Anderes) werden.

Die Landwirtschaft ist unter Anderem von Wetter und Klima abhägig – hier gibt es eigentlich mehr Schwankungen, als man sich wünscht. Das Auf und Ab beim Milchpreis, das Molkereiensterben, nicht zuletzt das „Höfesterben“: Solche Unwägbarkeiten, schwierig zu kalkulierende Bedingungen werden auch für die Verbraucher spürbar.

Was den mittlerweile unverschämt hohen Butterpreis betrifft: Der ist den Agrarverbänden kein Wort wert. Das „Milliardengeschäft Milch“ ist – von Ausnahmen abgesehen – den Bauern aus der Hand genommen; hier „wieder“ regionale Strukturen zu errichten, die qualitäts- und kundenorientiert eine – auch für die Erzeuger – verlässliche Basisversorgung bieten, wäre eine ressourcenschonende Alternative zur momentanen unverantwortlichen Fernverschickung der Molkereiprodukte…

Noch ein Wort zur Verantwortung der Landwirtschaft: Wenn Reserveantibiotika in der Massentierhaltung eingesetzt werden, ist das unverantwortlich wie „präventive Medikation“. Letztlich ein Anzeichen für ein krankes System?

 

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  • Sabrina: Schön, dass du bei der Bilanz dabei bist! Mit Spirulina und Algen zu experimentieren,...
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