Der Rücktritt an sich ist zu begrüßen (Köhler)

Och joo. Jonas Schaible gibt seinen Blog-Lesern Nachhilfe in Politik und Grundgesetz.

weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat

So der Untertitel des Blogs. Heftig. Hintergrund:

Schaible ist 20, studiert Politik in Tübingen und hatte sich vor ein paar Tagen sehr gewundert – weil nichts passierte. Schaible hatte Köhlers Worte zum Bundeswehreinsatz in Afghanistan gelesen und war irritiert – vor allem davon, dass die Nachrichten das nicht aufgriffen. Kurzerhand setzte er sich hin und verschickte Mails an überregionale Medien, zudem nutzte er den Kurznachrichtendienst Twitter – und plötzlich nahm die Geschichte Fahrt auf. Ihr Ende ist bekannt. Das konnte niemand ahnen – auch nicht Schaible, der Studiosus. (TZ-online)

Es hatten sich noch andere Blog-Schreiber über Köhlers Zitat

Es sei in Ordnung, wenn kritisch über den Einsatz diskutiert werde. Allerdings müsse Deutschland mit seiner Außenhandelsabhängigkeit zur Wahrung seiner Interessen im Zweifel auch zu militärischen Mitteln greifen. Als Beispiel für diese Interessen nannte Köhler ‘freie Handelswege’. Es gelte, Zitat ‘ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auf unsere Chancen zurückschlagen’ und sich somit negativ auf Handel und Arbeitsplätze auswirkten.

gewundert; “Dabei wurde das Thema zuerst von Blogs aufgegriffen und als Skandal identifiziert.” (Blog: carta.info)

Wobei: Es gibt noch ganz andere Skandale, und “im Zweifel” heißt “im Zweifel”, ist eigentlich doppeldeutig zu verstehen, wenn man Deutsch versteht. Und wenn es schneit, wird ja auch die Autobahn geräumt, werden die Handelswege freigemacht ;-)

Soll heißen: Man kann nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Und meistens hat Herr Köhler sich ganz, ganz klar ausgedrückt: Hier nachzulesen. Gesundheitspolitik (hat mich mal interessiert ;-)  )  findet sich im Zusammenhang mit Familienpolitik und journalistischer Kompetenz erwähnt:

Lokaljournalisten müssen kompetent sein, sonst wird ihre Arbeit vor Ort angefochten. Bundespolitische Korrespondenten dagegen können Sachverstand vortäuschen und fehlende Urteilskraft verstecken im Herdenverhalten.
… Ich hege da einen schlimmen Verdacht: Ich glaube, vielen von denen in den Medien, die vorgeblich im Namen der Demokratie und im Kampf gegen die Politikverdrossenheit nach mehr Schärfe, mehr Ideologie, mehr Angriff verlangten, denen ging es gar nicht um die Demokratie: Bestenfalls hatten sie Langeweile, und schlimmstenfalls vermissten sie etwas, womit sie ihre Quoten und Auflagen steigern wollten. Und wissen Sie was? Ich glaube, viele Leute da draußen haben das durchschaut. …

Ich weiß nicht, ob Sie in den vergangenen Wochen Zeit hatten für Jürgen Leinemann. Mich hat das angefasst, was ich da las. …  “Ich vermisse bei vielen Journalisten eine Haltung. Damit meine ich: Ernsthaftigkeit. Für irgendetwas Besonderes einzutreten, es wichtig zu finden. Ich vermisse Leidenschaft.”

Haltung haben. Es ist ein ziemlich altes Wort. Aber ich finde, es könnte mal wieder in Mode kommen. Genau wie ein anderes, viel schlichteres Wort: Ahnung haben. Zusammen sind sie stark, meine ich.

Unterhaltung ist wichtig, auch in Ihrem Metier. Aber als Mittel der Information. Nicht zu ihrem Ersatz.

Mir scheint, diese harten, ehrlichen Worte waren wie eine väterliche Ermahnung gedacht. Ganz persönlich. Mit der Absicht, die Herren Journalisten mit ihrem Stil, mit ihrer Sensationslust zu konfrontieren und zu einer Umkehr, einer Katharsis beizutragen.
Und dann kam halt ein Rücktritt. Als Antwort auf das gewollte falsch-Verstehen der Journaille. Also bestimmt nicht als Antwort auf das Missverstehen der Blogger.

Bloggen läuft ja unter “Bürgerjournalismus” und persönliche Meinungsäußerung und Übung in Demokratie und kann auch direkt kommentiert werden:

@Herr Jonas Schaible…fühlen Sie sich ruhig als Kartofellheld. Mit Ihren jungspunn Erfahrung werden Sie im Leben noch viel lernen müssen. Über Wirtschaftliche Interessen haben Sie keine Ahnung und mit ein Bisschen Politik und Grundgesetz, meinen Sie alles zu wissen…beachten Sie auch die Meinungsfreiheit…sollte auch für ein Bundespräsident gewährt sein…wachen Sie endlich auf aus Ihren naiven, rechthaberischen Gedankengut…geben Sie es zu…in Ihren warmen Sessel den Bezug zur Realität völlig verloren zu haben. Sie würden doch nur zu gerne hören, daß deutsche militärische Einsätze im Ausland nur dem Frieden diene, wer es glaubt wird sellig. Auch Sie Herr Schaible.

Die Wirkung des Bundespräsidenten würde weniger durch seine institutionelle Macht, sondern wenn überhaupt, durch seine Worte vermittelt, heißt es ja.

“Ein neuer Aufbruch zu Reformpolitik” – Bundespräsident Horst Köhler hat dem Nachrichtenmagazin Focus ein Interview gegeben. Die Fragen stellten Rainer Pörtner und Frank Thewes

22.03.2010

Hier lesen – würde ich mal sagen. Und auch ruhig mal zwischen den Zeilen, und nicht zu viel  Kompetenz bei den Journalisten erwarten ;-)

Related posts:

  1. Bundespräsident Köhler empfiehlt neuem Lebensstil-Entwurf
  2. Müder Wahlkampf in Hessen, Lustlose Wähler
  3. Der Nährwertkasten – statt Lebensmittelampel
  4. 21 Portionen täglich essen, satt werden und wirklich abnehmen – die Portionsgrößen

Hast Du eine Anregung, Frage, Kritik oder ein Lob? Dann
Gib doch einen Kommentar ab!
(Aber keinen Quatsch schreiben!)

Frische Kommentare

  • Katrin Schröder: Lieber Klaus-Peter Baumgardt, vielen Dank für diesen wunderbaren Blogbeitrag...
  • Tanja Praske: Hi Klaus aka @fressnet, ein fettes Danke für deine satirische Teilnahme an...
  • Antje: Ich habe nur ein paar Fragen, hab viel gelesen über Mangostantropfen und sehe nichts...
  • HundefreundLukas: Obwohl der Beitrag schon etwas älter ist, finde ich das trotzdem etwas krass
  • christine Bouzrou: Ich fand Ingwer mal ganz schrecklich. Mittlerweile liebe ich ihn :)

Rubriken

Archive

Motivation