Mensaganismus, Christliche Tierfreiheit, Bunte oder Verdeckte Speisen, Sauerkrautkuchen, Weltenretter, Schattenspenderei, Öko-Diktate und Salatblattsalat

Eine tolle Sache, so ein Angebot, “… eine pflanzlich basierte Ernährungsweise einfach mal auszuprobieren.“

Das ist die offizielle Lesart, genau genommen ist aber auch ein Zwang daran, wenn eine Mensa “einfach mal so” wochenlang weder Fisch noch Fleisch anbietet.

Biologisch betrachtet, haben Pilze in der “pflanzlich basierten Ernährung” dann auch nichts zu suchen, parteipolitisch wurde Nordrhein-Westfalens Agrarministerin Silke Gorißen (CDU) , weil sie am fleischfreien Mittagessen in einer Mensa der Uni Bonn teilnahm, heftig kritisiert und musste dem “Wunsch” aus ihrer eigenen Partei entsprechen, ein Bekenntnis pro Fleischverzehr abzulegen – was aus christlicher Sicht jedoch Unfug ist, wie es ein Bekenntnis zur “tierfreien Ernährung” auch wäre.

“Pflanzenbasiert und bunt” sollte es in der Mensa und überhaupt zugehen, wie hier beim Rote-Beete-gefärbten Chinakohl-Kimchi mit Kurcuma-Reis und Paprika…

Bei so einer Pizza Calzone erschließt sich erst beim Anschneiden, wes Geistes Kind die unheilige Füllung ist – “Man kann es essen” ist vielleicht im häuslichen Bereich genug der Inhaltsangabe, nicht aber in der Mensa, doch da kommt so etwas auch nicht auf den Teller, weil es zu viel Arbeit macht.

Man könnte es “Bodenloser, zuckerfreier Käsekuchen mit Sauerkraut und milden Chiliflocken” nennen – die Namensfindungskommissionen für nachhaltige, unbenannte Ernährungskompositionen bei den “grün angehauchten” Ernährungs- und Landwirtschaftsministerien stehen vor neuen Aufgaben. Verbraucherzentralen in Kooperation mit Allgemeinen Studentenausschüssen halten die Bestecke bereit, um bei der Geschmacksprüfung ganz vorne dabei zu sein, denn klimaneutrale Ernährung ist die aktuelle Ehrensache im Stil der neuen Zeit! (größere Abbildung?)

 

Wer soll die Welt retten, wenn nicht wir?

Solche Fragen werden tatsächlich – rhetorisch – noch heute gestellt, und die Antwort ist alternativlos „WIR“.  „Wir“ bezeichnet, je nachdem von wo aus man es betrachtet, immer verschiedene Gruppierungen, und da es „Uns“ und „die Anderen“ gibt, heißt „Wir müssen die Weltenrettung betreiben“ (oder zumindest die mediale Aufmerksamkeit erzwingen, sich damit auseinanderzusetzen), dass es zwischen „Uns“ und „Denen“ keine sonderliche Kooperation gibt.

Schon vor 12 Jahren hat Tim Bendzko über das „Nur Noch Kurz Die Welt Retten“ gesungen.

„…
Die Zeit läuft mir davon
Zu warten wäre eine Schande für die ganze Weltbevölkerung
Ich muss jetzt los, sonst gibt’s die große Katastrophe
Merkst du nicht, dass wir in Not sind?
Ich muss jetzt echt die Welt retten
Danach flieg‘ ich zu dir
Noch 148 Mails checken
Wer weiß was mir dann noch passiert, denn es passiert so viel
…“

Die Schnulze trieft vor Klischees, ein Supermann als Alleinweltretter ist auch nur eine Comicfigur, und wer mag, kann in der hier spürbaren Vermeidung von Nähe eine ironische Anspielung auf narzisstische Größenphantasien erkennen.

Um die „Essensretter“ ist es relativ ruhig geworden – die hatten immerhin ihren „ökologischen Fussabdruck“ verkleinert und sind zum Handeln übergegangen, konnten, wie man das heutzutage ausdrückt, ihren „ökologischen Handabdruck“ vergrößern.
Spaghetti mit Rahmsauce und Champignons

 

Idstein im schönen Taunus will sich gegen künftige Hitzewellen mit schattenspendenden Stadtbäumen wappnen; am rechten Bildrand ist der Stamm eines solchen zu sehen. Immerhin ist der Gedanke, dass lebende Pflanzen über die Verdunstung das Stadtklima beeinflussen, schon einmal angekommen. Der Blick auf die Häuser um den Marktplatz zeigt aber, dass bepflanzte Balkon-Blumenkästen oder Fassaden mit Rankgewächsen noch fehlen.

Beim Thema „Marktplatz“ noch eine Anmerkung: Gäbe es ein Gesetz, demzufolge nur im engeren Sinne regionale Produkte vermarktet werden dürfen, würde es mit der Ernährungssicherung schon arg schwierig, und auch eigentlich regionale Spezialitäten wie „eingelegter Handkäse“ wären richtig rar.

Wo der Handkäs‘ geschmiert wird, ist bekanntlich der Slogan „Trink‘ Äppelwoi, hibbe wie dribbe!“ nicht weit, doch werden die Streuobstwiesen rar, weil, wenn man sie versiegelt, sind sie weg.

Da stellte eine Fernsehsendung unter Hinweis auf den Freiheitsverlust bei Autobahn-Tempolimits die scheinheilige Frage: „Droht eine Öko-Diktatur?“

Die richtige Antwort: Ach, eigentlich nicht. Aber, wenn ihr so weitermacht, werden wir bald Lebensmittelkarten und Bezugsscheine für wichtige Güter haben. Müssen. Mit der Einführung der bedingungslosen #Biolebensmittelgrundversorgung wäre das Schlimmste noch abzufedern.

Gemischter Salat auf Salatblatt, kurz Salatblattsalat. Bei der schwarz-roten Scheibe oben links handelt es sich um fermentierte Rote Beete, die „erkennbar“ reich an Antioxidantien ist. Somit erfüllt der gemischte Salatblatt-Salat das Sauergemüsegebot, selbst wenn letzteres nicht allgemeingültig ist 😉 .

 

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